Brände im 20. Jahrhundert

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Die «alte Post» an der Rigistrasse brennt in der Nacht zum 24. Februar 1924 ab
Im Zisterzienserinnenkloster Frauenthal kommt es 1934 zu einem grossen Brand: Im Hintergrund das ausgebrannte Verwalterhaus mit der Lorzenbrücke, im Vordergrund Reste der Brandruinen der Scheune und der Sägerei
Brand der Pawefa AG auf dem Areal der ehemaligen «Milchsüüdi», 1968
Brand des Lagerhauses der Bauunternehmung Gebrüder Käppeli AG an der Luzernerstrasse, 1978
Einer der grössten Brände in Cham: Das «Neudorf» brennt in der Nacht vom ersten auf den zweiten August 1978 ab
Brand der Maschinenfabrik Cham an der Knonauerstrasse, 1979
Brand der Liegenschaft an der Seestrasse, 1987
Nach dem Brand wird das Doengi-Haus abgerissen, 1993
Das Dach der Schluecht-Scheune nach dem Brand von 1993

Die alte Post, ein Holzhaus an der Rigistrasse, fällt am 24. Februar 1924 wohl einer Brandstiftung zum Opfer. 1962 wird das Restaurant Hagendorn durch einen Brand zerstört. Die Firmen Pawefa AG und Abnox AG auf dem ehemaligen «Milchsüüdi-Areal» werden 1968 durch einen Grossbrand zerstört. 1978 ereignen sich gleich zwei Grossbrände: der ehemalige Werkhof der Gebrüder Käppeli AG an der Luzernerstrasse und der «Neudorf-Komplex» brennen nieder. 1979 zerstört ein Grossfeuer die Gebäude der ehemaligen Maschinenfabrik Cham an der Knonauerstrasse. Tragisch endet 1987 ein Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Seestrasse: Zwei Bewohner sterben.


Chronologie

1902 Bei heftigem Föhnsturm bricht am 31. Mai im Haus von Gemeindepräsident Hieronymus Baumgartner (1850–1929) Feuer aus. Der Dachstuhl wird ein Raub der Flammen. [1]

1910 In der Schluecht brennt kurz vor Weihnachten die Scheune von Michael Grob nieder. Das Objekt ist mit 11'900 Franken versichert. [2]

1912 Auf dem Hof Dürrbach brennt am 26. Februar das hintere, leerstehende Nebenhaus von J. Hirschi-Villiger aus. [3]

1919 Am 19. April brennt im Moos die Scheune von Remigius Peter nieder. [4]

1920 In Rumentikon wird am 3. März die grosse Scheune von Landwirt Josef Betschart durch ein Feuer zerstört. [5]

1924 Die alte Post, ein Holzhaus an der Rigistrasse, fällt am 24. Februar wohl einer Brandstiftung zum Opfer. Die Chamer Feuerwehr ist in der Nacht um ein Uhr schnell auf dem Brandplatz, trotzdem verlieren die Bewohner den grössten Teil ihres Besitzes. Nach einer kalten Nacht ist die Brandruine am folgenden Sonntagmorgen mit Eis überzogen. [6]

1924 In Rumentikon brennt, durch einen Blitzschlag entzündet, am 28. Juni die erst 1923 erweiterte Scheune von Josef Werder-Burkard fast vollständig nieder. Nur mit grosser Mühe kann der Viehbestand und ein Teil der Fahrhabe gerettet werden. [7]

1932 Morgens um zwei Uhr bricht am 16. Februar im Landgut Hammer im Gärtnerhaus Feuer aus. Der Dachstock und einige Zimmer brennen aus. Der Gebäudeschaden allein beträgt 13'000 Franken. [8]

1934 Am 5. Oktober bricht morgens um halb fünf Uhr auf dem Gutsbetrieb des Zisterzienserinnenklosters Frauenthal ein Grossbrand aus. Obwohl die umliegenden Feuerwehren rasch zur Stelle sind, vernichtet der Brand die Sägerei und die grosse Scheune mit einer ganzen Jahresernte, vielen Maschinen und Geräte. Schwer beschädigt wird auch das Verwalterhaus und die neben ihm über den Lorzenkanal führende Holzbrücke. Als Brandursache wurde Fahrlässigkeit ermittelt. In einem Keller lagern ein volles und ein angebrochenes Fass Benzin. Ein Nachtwächter mit einer Sturmlaterne als Lichtquelle füllt eine Giesskanne voll Benzin aus dem mit einem Hahn versehenen Fass ab und läuft gegen die Kellertüre, worauf eine heftige Explosion erfolgt. Durch den Gang des Nachtwächters zur Türe werden sie aufgewirbelt, mit Sauerstoff vermischt und durch die Sturmlaterne entzündet. Die Gebäudeversicherung deckt den Schaden mit rund 95'000 Franken, die Mobiliarversicherung bezahlt rund 30'000 Franken. 1935 wird eine neue Scheune erstellt. [9]

1936 In Enikon wird am 30. Januar in der Scheune der Familie Grob erneut, wie schon im Herbst 1935, böswillig Feuer gelegt. Die Feuerwehr greift schnell ein und kann Teile des Gebäudes retten. Als Brandstifterin wird in beiden Fällen die 15-jährige Dienstmagd aus dem Muotatal überführt. [10]

1941 In Lindencham brennt am 18. März die Scheune von Moritz Scherer-Burri nieder. Die Feuerwehr ist schnell am Brandplatz und rettet das Vieh. Der Schaden an Werkzeugen und Futter ist beträchtlich, auch weil das gesamte Inventar nicht genügend versichert ist. [11]

1944 Am 9. April erlebt Cham einen Feueralarm. Bei Schweissarbeiten bricht in der Papierfabrik in den Räumen der Pavatexfabrikation Feuer aus. Die fahrbare Motorspritze der Papierfabrik bewährt sich. Trotzdem wird die Dachkonstruktion der Halle zerstört. Der Schaden ist beträchtlich. [12]

1948 In den Verzinkereianlagen der Maschinenfabrik Cham an der Knonauerstrasse bricht am 28. Mai ein Brand aus, der einen grösseren Sachschaden von fast 20'000 Franken nach sich zieht. In der Berichterstattung der Zuger Nachrichten wird die Schuld einem Lehrling zugewiesen, der Abfallpapier in einen Ofen gestopft, dieses angezündet und weiteres Abfallpapier neben den Ofen gestapelt haben soll. Brennendes Papier soll aus dem Ofen geschleudert worden sein. Dies habe den Brand entfacht. [13]

1950 In Hagendorn brennt am 2. April die Scheune von Eduard Wyss nach einer Brandstiftung bis auf den Grund nieder. Der Viehbestand wird gerettet, «mit Ausnahme eines Schweines, welches in die Flammen zurückrannte.» [14]

1954 Am 20. März, gegen neun Uhr abends, steigen schwarze Rauchwolken aus dem Gemeindehaus. Die Feuerwehr ist rasch zu Stelle. Das Kanzleipersonal und die Behördenmitglieder eilen herbei, um wertvolle Akten in Sicherheit zu bringen. Das neu installierte Geometerbüro wird evakuiert und die wertvollen Originalpläne der Grundbuchvermessung werden ins Archiv gebracht. Die Wohnung und der Estrich brennen komplett aus. Die Brandursache wird einem Defekt im Gasofen in der Abwartswohnung zugeschrieben. [15]

1954 In Cham brennt an Allerheiligen kurz vor Mitternacht die Allmendscheune von Strassenarbeiter Josef Villiger. Acht Stück Vieh werden gerettet. Der Brandstifter, er war bei Villiger als Knecht im Dienst, stellt sich am nächsten Morgen auf der Polizeistation in Sins AG. [16]

1962 Das Restaurant Hagendorn wird am 28. April durch einen Brand zerstört. Kurz nach 16 Uhr bricht in einem zwischen dem Restaurant und der Werkstatt vom Zimmermeister Josef Leu stehenden Schopf Feuer aus. Durch starken Wind angefacht, greift es auf die zwei mit dem Zwischentrakt verbundenen Häuser über und zerstört diese bis auf den ersten Stock. Alarmiert werden die Kommandogruppe und das Pikett Hagendorn, die den Hydrantenwagen und die Motorspritze aus dem Depot Rumentikon herbeischaffen. Eine Person erleidet eine schwere Rauchvergiftung. Die Rohrführer können nur mit Pressluftgeräten operieren. Dieser Einsatz ist für die Feuerwehrmänner äusserst gefährlich. Die alte Bauart der Liegenschaft, bei der die Hohlräume in den Wänden und Böden mit Stroh und ähnlichen Materialien zugestopft sind, erschwert neben dem herrschenden Wind die Löschaktion. Nach dem Einsturz eines freistehenden Kamins wird ein beschleunigter Rückzug befohlen. [17]

1968 Auf dem Areal der ehemaligen «Milchsüdi» bricht am 1. März, kurz nach vier Uhr in der Früh, ein Grossbrand bei den Firmen Pawefa AG und Abnox AG aus. Das in der Pawefa AG gelagerte Paraffin und Bitumen in den Kellerräumen gibt dem Feuer Nahrung. Mit Sirenen und Petarden wird die Chamer Feuerwehr aufgeboten. Mit ihren Staublösch- und Gasschutzgeräten leisten die Feuerwehr der Stadt Zug und die Betriebsfeuerwehr des Tanklagers Rotkreuz nachbarschaftliche Hilfe. Über 120 Personen stehen im Einsatz. Der Schaden an Gebäuden, Maschinen und Rohstoffen überschreitet die Grenze von Millionen. [18]

1968 Ein Brand zerstört am 26. Juli das Wohnhaus der Familie Imbach in Hagendorn. 13 Hausbewohner werden durch das Unglück obdachlos. [19]

1971 Nach dem Brand von 1968 will die Pawefa AG ihren Betrieb an der gleichen Stelle wieder aufbauen. Die Einwohnergemeinde setzt aber in der Dorfkernzone andere Prioritäten. Die Pawefa führt darauf ihren Betrieb in Hünenberg weiter. Ein Teil der Produktion ist bereits verlegt, als am 20. Januar die noch bestehenden Fabrikationsanlagen in Cham wiederum in Vollbrand geraten. Wieder muss die Betriebsfeuerwehr des Tanklagers Rotkreuz aufgeboten werden. Ihre Schaumkanonen bekämpfen den Brand wirksam. [20]

1971 Im Verlauf eines heftigen Sommergewitters schlägt der Blitz am 12. Juli ins Haushaltwarengeschäft Locher ein, verursacht einen Brand. Die Feuerwehr muss das Dach aufbrechen, um zum Brandherd vorzustossen. Es entsteht ein grosser Sachschaden. [21]

1971 Am 20. August bricht in der Scheune von Theodor Bitzi im Ochsenlon vermutlich durch Selbstentzündung im Heustock kurz nach fünf Uhr in der Früh ein Brand aus. Das Vieh wird ins Freie getrieben. Feuerwehrleute und herbeigeeilte Nachbaren melken anschliessend die Tiere. Die Schadenssumme steigt auf über 200'000 Franken. [22]

1975 Am 15. Juli brennt in der Liegenschaft Knonauerstrasse 7 die oberste Wohnung samt Dachstuhl vollständig aus. Durch die starke Sonneneinstrahlung eines Glasziegels erhitzt dieser die darunter gelagerten Papierakten, die sich dann entzünden.

1978 Am 7. Juli brennt das ehemalige Lagerhaus für Zucker der Anglo-Swiss Condensed Milk Company beim Bahnhof Cham ab. Zuletzt hatte die Bauunternehmung der Gebrüder Käppeli AG dort, zwischen den Bahngeleisen und der Luzernerstrasse, ihr Baumagazin und ihre Werkstätten untergebracht. Um halb fünf Uhr in der Früh bricht im Baumagazin das Feuer aus. Es kommt zu kleineren Explosionen und zu einer sehr starken Detonation, die auf berstende Sauerstoff- und Acetylenflaschen zurückgeführt werden. Der Brand zerstört Reparaturwerkstätten, das Materialdepot und die Ersatzteillager. [23]

1978 Um zwei Uhr morgens bricht am 2. August im westlichen Annexbau der alten, vierteiligen Überbauung im Neudorf Feuer aus. Durch das rasche Eintreffen und engagierte Handeln der Chamer Feuerwehr bleibt das Brandobjekt unter Kontrolle. Zur Unterstützung werden das Gasschutzkorps samt Schaumkanone der Stützpunktfeuerwehr Zug und die Feuerwehr Hünenberg angefordert. Es stehen rund 200 Mann im Einsatz. Der Grossbrand zerstört den alten Neudorf-Komplex mit der Pizzeria da Baffo, dem Coiffeurgeschäft Weber und dem Brockenhaus. [24]

1979 Am 24. Juni, einem Sonntagnachmittag, wird ein Gebäudeteil der ehemaligen Maschinenfabrik Cham an der Knonauerstrasse durch einen Brand völlig zerstört. Das Gebäude dient der Papierfabrik Cham als Rollenlager. Aufgrund der starken Feuerausdehnung und der zentralen Lage entscheidet sich das Kommando für ein Grossaufgebot. Beim Eintreffen der Feuerwehr steht bereits der ganze Gebäudekomplex in Vollbrand. Zusammen mit der Stützpunktfeuerwehr und der Betriebsfeuerwehr der Papierfabrik sind an die 200 Mann im Einsatz. Zumindest wird ein Übergreifen des Feuers auf die Nebenbauten und angrenzenden Lager verhindert. [25]

1987 Die tragischste Brandnacht in der jüngeren Geschichte ereignet sich am 28. Februar 1987 in einem Sechsfamilienhaus an der Seestrasse ab. Eine Minute nach Mitternacht erfolgt das Aufgebot der Feuerwehr. Die grosse Hitze verunmöglicht dem Atemschutz den Verstoss zum Brandherd. Die benachbarte Fahrleitung der Schweizerischen Bundesbahnen und die Gasleitung müssen abgeschaltet werden. Die Männer bekämpften den Brand mir grossem persönlichen Engagement. Trotzdem kann ein 52-jähriger Mann nur noch tot geborgen werden. Er stirbt an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Ein 74-jähriger Mann seilt sich mit einem Leintuch aus dem Fenster seines Schlafzimmers ab, stürzt jedoch in die Tiefe. Er ist nicht mehr ansprechbar und stirbt nach wenigen Wochen im Spital. [26]

1993 Am 23. Januar ersticken bei einem Grossbrand auf dem Schluechthof an die 300 Hühner. Die Pferde und das Vieh können gerettet werden. [27]

1993 Nur gut zwei Wochen später brennt am 8. Februar eines der acht Kosthäuser in der Lorzenweid in Hagendorn. Eine Mutter und zwei Kleinkinder erleiden Brandverletzungen. [28]

1993 Das «Doengi-Haus» an der Zugerstrasse 25 wird am 19. Februar nach einem Brand zerstört. Das Haus wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. [29]

1998 Innerhalb eines Kalenderjahres kommt es am 18. Februar in der Pavatex an der Knonauerstrasse zu einem dritten Brandereignis. Die Produktion muss vorübergehend eingestellt werden. [30]


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Einzelnachweise

  1. Zuger Neujahrsblatt 1904, Chronik 31.05.1902
  2. Zuger Neujahrsblatt 1915, Chronik 20.12.1910
  3. Zuger Nachrichten, 29.02.1912
  4. Zuger Neujahrsblatt 1924, Chronik 19.04.1919
  5. Zuger Neujahrsblatt 1924, Chronik 03.03.1920
  6. Zuger Nachrichten, 27.02.1924. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 79f.
  7. Zuger Nachrichten, 30.06.1924
  8. Zuger Neujahrsblatt 1934, Chronik 16.02.1932
  9. Zuger Nachrichten, 05.10.1934. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 236. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 80f.
  10. Zuger Nachrichten, 30.01.1936 / 03.02.1936
  11. Zuger Kalender 1942, Chronik 18.03.1941
  12. Zuger Nachrichten, 10.04.1944
  13. Zuger Nachrichten, 31.05.1948
  14. Zuger Kalender 1951, Chronik 02.04.1950
  15. Zuger Nachrichten, 22.03.1954
  16. Zuger Nachrichten, 02.11.1954
  17. Zuger Kalender 1963, Chronik 28.04.1962
  18. Zuger Kalender 1969, Chronik 01.03.1968
  19. Zuger Kalender 1970, Chronik 26.07.1968
  20. Zuger Nachrichten, 20.01.1971
  21. Zuger Nachrichten, 14.07.1971
  22. Zuger Nachrichten, 20.08.1971 / 23.08.1971
  23. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 85f.
  24. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 86f. Zuger Neujahrsblatt 1980, Chronik 02.08.1978
  25. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 87f.
  26. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 88
  27. Zuger Kalender 1994, Chronik 25.01.1993
  28. Zuger Kalender 1994, Chronik 08.02.1993
  29. Erinnerung von Thomas Gretener, Cham, 11.02.2017
  30. Zuger Kalender 1999, Chronik 18.02.1998