Knonauerstrasse Übersicht

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Die Knonauerstrasse führt den Verkehr von der Zugerstrasse Richtung Norden nach Friesencham, Pfad, Oberwil und Knonau. Sie wurde 1846 erstellt und ihr Südteil im ausgehenden 19. Jahrhundert binnen weniger Jahrzehnte bebaut.


Chronologie

1846 Die Knonauerstrasse wird als neue Verbindung nach Norden angelegt: Sie ersetzt die zu kleine und zu eng angelegte Schmiedstrasse (damals Schmiedgasse, die dann weiter über Friesencham und Rumentikon ins Frauenthal führte), die näher zur Lorze liegt, aber angesichts der bald entstehenden neuen Bärenbrücke zu eng sein wird. [1]

1847 Im November bricht der Sonderbundskrieg zwischen den (liberal-radikalen) eidgenössischen Kantonen und dem Sonderbund der katholisch-konservativen Kantone aus. Am Abend des 22. Novembers marschieren rund 10'000 Mann der eidgenössischen Truppen unter General Guillaume-Henri Dufour (1787–1875) über die Knonauerstrasse in Cham ein. Sie wollen gegen die Stadt Luzern vorrücken. Die Truppen sollen im Raum Chämleten und Langrüti gelagert haben. [2]

1854 Die neue Bärenbrücke von Baumeister Wilhelm Keller 1823–1888) wird dem Verkehr übergeben. Sie beeinflusst die Verkehrsströme in Cham auf neue Art und Weise.

1878 Die Anglo-Swiss Condensed Milk Company hat auf der Südseite der Zugerstrasse zu wenig Raum für ihre Anlagen. Sie baut an der Knonauerstrasse 6/8 die Käsefabrik, einen langen Hallenbau mit Giebelfassade zur Strasse. [3]

1879 Schon ein Jahr später erstellt die Anglo-Swiss Condensed Milk Company auf der gleichen Parzelle die Kindermehlfabrik, einen Bau mit ähnlichen Ausmassen wie die Käsefabrik. [4]

Der «Hirschen» stand bis 1961 an der Abzweigung von der Zugerstrasse zur Knonauerstrasse

1880 Als erstes Haus der westlichen Knonauerstrasse entsteht das Restaurant Hirschen. Erster Besitzer und Wirt ist Andreas Eigensatz (1839–1918). [5] Der «Hirschen» trägt allerdings nicht die Adresse Knonauerstrasse, sondern Zugerstrasse 9. [6]

1881 An die Kindermehlfabrik baut die Anglo-Swiss eine betriebseigene Schmiede- und Spenglerwerkstatt an. [7] Als Remise zum «Hirschen» kommt das kleinere Haus an der Knonauerstrasse 1 dazu. [8] Das spätere Haus Steiger beherbergt zuerst einen Schuhladen und nach verschiedenen Umbauten den Coiffeursalon von Walter Steiger (1910–1955). [9]

1885 Die Anglo-Swiss erstellt auch noch ein Lagerhaus auf der Ostseite der Knonauerstrasse. Die Bauten der Käse-, der Kindermehlfabrik, der Schmiede- und Spenglerwerkstatt sowie des Lagerhauses werden zusammengefasst. [10]

1886 Das nächste Haus entsteht nicht anschliessend, sondern fast am Ende der heutigen Häuserreihe, nämlich die heutige Nummer 13. [11]

1887 Das Haus Knonauerstrasse 3 wird erbaut. Das Haus (heute von Rotz) gehörte Bäckermeister Gloor, dem Vorgänger von Bäcker Schüssler. Im ehemaligen Magazingebäude der Bäckerei lässt sich nach geglückten Umbauten die Städtli-Drogerie nieder. [12]

1902 In einem Jahr werden durch den Zuger Baumeister Leopold Garnin (1828–1904) die drei zweigeschossigen Wohnhäuser Knonauerstrasse 7, 9 und 11 erbaut. [13]

1904 Das Nebengebäude zur Knonauerstrasse 3 entsteht – es bekommt später die Strassennummer 5.

1911 Der letzte Neubau der Anglo-Swiss Condensed Milk Company in diesem Bereich entsteht: die Kistenfabrik, ein eingeschossiger flach gedeckter Ziegel- und Kalksandsteinbau mit L-förmigem Grundriss. [14]

Erstmals einheitlich: Die neue Weihnachtsbeleuchtung an der Knonauerstrasse, 1958

1927 Die Maschinenfabrik Cham übernimmt die ehemalige Käserei der Anglo-Swiss Condensed Milk Company auf der östlichen Seite der Knonauerstrasse.

1951 Die Nummer 5 wird neu erbaut. Die Liegenschaften Knonauerstrasse 3 und 5 werden zu einem Doppelhaus zusammengefügt.

1958 Die Gewerbetreibenden auf der westlichen Seite beschliessen, die Knonauerstrasse mit einer einheitlichen Weihnachtsbeleuchtung zu schmücken. Ohne Rücksprache mit der Gemeinde montieren die Hausbesitzer leuchtende Christbäume. Das ist die erste einheitliche Weihnachtsbeleuchtung im Raum Ennetsee. [15]

1960 Der Kanton Zug kauft die Liegenschaft «Hirschen». [16] Er will die Strassenkreuzung übersichtlicher gestalten, was mit der Liegenschaft nicht geht. Deshalb wird sie 1961 abgerissen.

Die alten Fabrikgebäude an der östlichen Knonauerstrasse werden gesprengt und abgerissen, 1988

1973 Die Gewerbetreibenden an der Knonauerstrasse erneuern die Weihnachtsbeleuchtung. [17]

1981 bis 1988 Die im späten 19. Jahrhundert von der Anglo-Swiss Condensed Milk Company erstellten Fabrik- und Gewerbebauten an der Knonauerstrasse werden in zwei Etappen vollständig abgebrochen. [18]

2017 Der Kanton Zug führt auf der Knonauerstrasse Belagsarbeiten durch. Auf dem Abschnitt vom Pfad bis zur Kantonsgrenze Zürich sollen zahlreiche Belagsschäden und Spurrinnen saniert werden. [19]

Die Häuser mit den ungeraden Hausnummern 1 bis 13 an der westlichen Strassenseite sind wertvoll für die Ortsbildschutzzone, 2012


Das kompakte Ensemble

Die westliche Seite der Knonauerstrasse besticht durch eine harmonische Bauweise: Die Bauten mit den ungraden Hausnummern 1 bis 13 weisen den gleichen Duktus und eine ähnliche Massstäblichkeit auf. Sie entstanden alle innerhalb von 21 Jahren, nämlich zwischen 1881 und 1902. Damals blühte Cham auf, auch dank der gegenüberliegenden Kondensmilchfabrik. Die Häuserzeile ist auch den Fachleuten des ISOS (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung) aufgefallen: Sie heben «die geschlossen wirkende Strassenfront aus dicht gereihten Wohnhäusern» hervor. Deshalb ist dieser Teil der Knonauerstrasse Teil der Chamer Ortsbildschutzzone, ohne dass die Liegenschaften einzeln unter Denkmalschutz stehen.


Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 35. Hoppe, Peter, Das innerschweizerische Strassen- und Wegnetz im Jahr 1801. Eine Auswertung der helvetischen Strassenklassierung im Kanton Waldstätten, in: Der Geschichtsfreund 158, 2005, S. 211–250, hier: S. 241. Steiner, Hermann, Cham in alten Ansichten, Zaltbommel 1980 (Bild 64), nennt als Entstehungsjahr 1819
  2. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 328
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, 261f.
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 261f.
  5. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 230a
  6. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 154
  7. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 262
  8. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 123
  9. Steiner, Hermann, Cham in alten Ansichten, Zaltbommel 1980 (Bild 64)
  10. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 262
  11. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 124
  12. Steiner, Hermann, Cham in alten Ansichten, Zaltbommel 1980 (Bild 64)
  13. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 124
  14. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 262
  15. Werder, Charly, Wer? der Charly, Cham 2017, S. 240
  16. Zugersee-Zeitung, 28.10.1960
  17. Werder, Charly, Wer? der Charly, Cham 2017, S. 240
  18. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 261
  19. Medienmitteilung der Baudirektion des Kantons Zug, 14.09.2017