Hirschen

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Der «Hirschen» an der Ecke Zugerstrasse/ Knonauerstrasse wurde 1961 abgebrochen
Das Restaurant Hirschen, Seite Knonauerstrasse
Die Zugerstrasse mit den Restaurants Krone und Hirschen (zweites Haus von links, Sternen; Neudorf-Theater, Poststempel vom 13.09.1913)

In der Ecke Zuger-/Knonauerstrasse stand von 1880 bis 1961 das Restaurant Hirschen. Die Gaststätte musste der Verbreiterung der Strassenkreuzung weichen.


Chronologie

1840 Der erste Chamer «Hirschen» war nicht an der Zugerstrasse, sondern zwischen Luzerner- und Schulhausstrasse im späteren Gemeindehaus. 1840 als Neuhaus erbaut, beherbergte die Liegenschaft auch eine Gaststätte. Von 1840 bis 1855 hiess diese (alter) «Hirschen». [1]

1880 An der Strassenkreuzung Zuger-/ Knonauerstrasse wird das (neue) Wirtshaus Hirschen erbaut. Erster Besitzer und Wirt an der Zugerstrasse 9 ist Andreas Eigensatz (1839–1918). [2] Das dreigeschossige Haus weist eine charakteristische Stulpschalung auf. [3]

1898 Dank der «Milchsüdi» herrscht in Cham Hochkonjunktur. Dies zeigt sich auch im «Hirschen» bei «Hirschen»-Wirt Andreas Eigensatz. Er versteuert einen überdurchschnittlich hohen Jahresertrag von 2200 Franken. [4]

1901 Otto Eigensatz (*1871), der Sohn von Andreas und Bertha Eigensatz, stellt das Gesuch für das Wirtepatent. [5]

1905 Die Gaststube weist eine Grösse von 92 Quadratmetern auf. Der Jahresumsatz beträgt 4000 Franken. [6]

1907 Witwe Bertha Eigensatz-Böni übernimmt den «Hirschen». [7]

1918 Der «früher bestbekannte» Hirschenwirt, Andreas Eigensatz, stirbt. [8] Seine Witwe, Bertha Eigensatz-Böni, führt mit ihren Kindern die Liegenschaft und den Betrieb.

1931 Berta Iten-Eigensatz (1900–1972), Gattin von Alois und Mutter von zwei Kindern, übernimmt den «Hirschen» per 1. Juli. [9]

1960 Der Kanton Zug kauft den «Hirschen». [10] Er will die Strassenkreuzung übersichtlicher gestalten, was mit der Liegenschaft nicht geht.

1961 Das Restaurant Hirschen wird abgerissen, um Platz für die Strassenkreuzung zu schaffen.


Vorher – nachher

Sie sehen zwei Fotos der Liegenschaft Knonauerstrasse 1: eines vor 1961 mit dem Restaurant Hirschen, das zweite aus dem Jahr 2018. Mit der Maus können Sie mit dem Regler in der Bildmitte zwischen den beiden, beinahe passgenauen Bildern hin- und herfahren. So werden die zwischenzeitlich eingetretenen Veränderungen besonders augenfällig visualisiert.


Der Wirtshausname «Hirschen»

Der Tiernamen schwzdt. Hirsch m. «Edelhirsch, Rothirsch» (lat. cervus elaphus) kommt in der Zuger Wirtshausnamenlandschaft verbreitet vor. Wirtshäuser mit dem Namen «Hirschen» sind in der Stadt Zug und im Äusseren Amt (Baar, Menzingen, Ägeri) seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert nachweisbar. [11]


Anekdote

Der «Hirschen» wurde aufgrund seiner Lage im Strasseneck im Chamer Volksmund «zum scharfe Egge» genannt. [12] Das ursprüngliche Wirtshauszeichen mit einem vollplastischen Hirsch ist verloren gegangen. [13]


Einzelnachweise

  1. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 202
  2. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 230a
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 154
  4. Steuerregister des Kantons Zug, 1898
  5. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Hirschen (Gesuch vom 12.08.1901)
  6. Staatsarchiv Zug, Wirtepatente, CD 27 1892–1918, Mappe Hirschen (Gesuch vom 12.08.1905)
  7. Staatsarchiv Zug, Wirtschaftswesen, CE 80.3, Mappe Hirschen (Gesuch vom 06.09.1907)
  8. Zuger Neujahrsblatt 1925, Chronik 17.01.1918
  9. Staatsarchiv Zug, Wirtepatente, G 468, Mappe Hirschen (Gesuch vom 16.12.1957)
  10. Zugersee-Zeitung, 28.10.1960
  11. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 2, S. 464f.
  12. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 199
  13. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 154