Schulhausstrasse 1 Altes Gemeindehaus

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Die Liegenschaft an der Schulhausstrasse 1 hat eine wechselhafte Geschichte. Errichtet wurde sie als Gastwirtschaft. Danach war sie Schulhaus, zuerst für die Primarklassen. Später auch für die Sekundarstufe. Schliesslich zog die Einwohnergemeinde mit ihrer Verwaltung ein, weshalb das Haus noch heute als Gemeindehaus bekannt ist – auch wenn die Verwaltung mittlerweile in den benachbarten «Mandelhof» weitergezogen ist.

Das «Neuhaus», 1840–1855, auch bekannt als (alter) «Hirschen», Lithographie
Das alte Schulhaus ab 1855; ab 1917 diente es als Gemeindehaus.
Altes Gemeindehaus mit dem Spritzenhaus (rechts)
Gemeindehaus nach dem Brand vom 20.03.1954. Luftschutzsirene auf dem Dach
Liegenschaft Schulhausstrasse 1, Südseite, Juli 2016
Liegenschaft Schulhausstrasse 1, Nordseite, Juli 2016

Das Haus steht wie auf einem Podest, das aus dem Gelände herausgehoben ist. Es hat interessanterweise zwei Vorderseiten: die ursprüngliche Strassenfassade ging gegen Norden zur Schulhausstrasse mit der zweiläufigen Freitreppe; die spätere Hauptfassade zeigte nach Süden zur Luzernerstrasse hin.


Chronologie

1841 Das «Neuhaus» entsteht als Gasthaus, nach Plänen von Baumeister Johann Keusch (1786–1865) von Boswil AG. Der Eingang ist auf die Schulhausstrasse ausgerichtet, die entsprechend der damaligen Verkehrsführung der Hauptverkehrsweg durch Cham darstellt. [1]

1845 Der Freischarenführer Jakob Robert Steiger (1801–1862), in Luzern zum Tode verurteilt, steigt auf seiner Flucht im Neuhaus ab. [2]

1855 Die Gemeinde kauft das «Neuhaus» nach einem Konkurs für 24'000 Franken. Die Liegenschaft dient fortan im Erdgeschoss als Schulhaus.

1881 In insgesamt sieben Schulzimmern sind je drei Mädchen- und Knabenklassen der unteren, mittleren und oberen Stufe sowie die Sekundarschule untergebracht.

1884 Teile der Liegenschaft werden durch einen Brand verwüstet. Die Substanz bleibt erhalten. [3]

1900 Der grosse (Wirtshaus-)keller ist während einiger Jahre einem Weinhändler als Lager vermietet – Schule und Weinlager befinden sich unter einem Dach!

1917 Die Schule zieht vom «Neuhaus» ins neue Schulhaus Kirchbühl um; das repräsentative «Neuhaus» wird zum Gemeindehaus.

1923 Die Gemeinde renoviert die Fassade des Gemeindehauses.

1954 Der Dachstuhl des Gemeindehauses gerät am 20. März in Flammen. Abwartwohnung und Estrich brennen komplett aus. Der Brand war vom Gasofen der Abwartwohnung ausgegangen. [4]

1994 Die Chamer nehmen am 13. Juni dem Projektierungskredit für das Gemeindehaus «Mandelhof» mit 1796 zu 1490 Stimmen an. [5]

1996 Zuerst stimmt die Gemeindeversammlung vom 30. Januar 1996 dem Bau des 12,6 Millionen teuren «Mandelshofs» zu. Am 30. November 1996 erfolgt die Grundsteinlegung, eindrückliche 12,3 Meter unter dem Erdgeschoss. [6]

1998 Die Gemeindeverwaltung bezieht das neu erstellte Gemeindezentrum «Mandelhof». Das Gebäudevolumen des mandelförmigen Baus beträgt 20'280 Kubikmeter. Dien Einweihungsfeier vom 5. September 1998 zieht viel Publikum an. [7]

2013 Die Polizeidienststelle Cham bezog 2013 neue Räumlichkeiten in der Liegenschaft Luzernerstrasse 9. Der Gemeinderat beschloss daher, die Räume teilweise neu zu vermieten: Im Untergeschoss zieht das Malatelier von Evelyne Ziegler-Humbel ein. Das Obergeschoss belegt das Architekturbüro Ralph Wipfli Architekten AG. Das Rektorat der Schulen Cham hat Büros im 2. und 3. Obergeschoss. [8]

2014 Maya Bachmann, ausgebildete Tee-Sommelière, eröffnet im Untergeschoss das Teehaus Umami. Sie bietet eine reichhaltige Teekarte in der Lounge wie im Teeshop an. [9]


Kunsthistorische Beschreibung und Würdigung

«Stattlicher dreigeschossiger Massivbau von drei auf fünf Fensterachsen in herausgehobener Stellung auf einer leichten Kuppe westlich der Gabelung der Strassen nach Luzern, Sins und Zug. Klassizistisch flach geneigtes Dach. Die drei mittleren Achsen der südlichen Traufseite sind leicht risalitiert und durch ein zusätzliches Geschoss mit abschliessendem, klassischem Giebel mit breiter Lünette über einer Reihe von Rundbogenfenstern betont, die in einen mittlere Dreiergruppe und zwei einzelne seitliche aufgeteilt sind. Nordseitig entsprechender, kräftig vortretender Treppenhausrisalit mit halbgeschossig versetzten Öffnungen, repräsentativ ausgestaltet als ehemalige Strassenfassade. Bedachung ursprünglich kurzzeitig Schiefer, dann Ziegel. Aufgesetzte Kunststein-Tablette unter dem Hauptgesims und Inschrifttafel «Gemeinde-Kanzlei». Der Verputz des Erdgeschosses (Hochparterre) ursprünglich glatt und genutet, die Obergeschosse mit glatten hellen Pilastern gerahmt und mit dunklerem Besenwurf verputzt; seit 1923 steinfarbene Ecklisenen und kräftigere Nutzung in Edelputz, hellen Wandflächen sowie Portale (vorn Segmentgiebel, rückwärts spitzgieblig) aus Kunststein. Sprossenfenster mit drei Feldern pro Flügel, Jalousieläden.» [10]


Dokumente

Pläne, Umbau 1919


Filmarchiv

Das damalige Gemeindehaus anlässlich des Stadtfestes 1987


Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 107f.
  2. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 202
  3. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 81f.
  4. Steiner, Hermann et al., Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 82f.
  5. Zuger Kalender 1995, Chronik 13.06.1994
  6. Zuger Kalender 1997, Chronik 30.01.1996. Zuger Kalender 1998, Chronik 30.11.1996
  7. Zuger Kalender 2000, Chronik 05.09.1998
  8. Neue Zuger Zeitung, 15.11.2013
  9. Neue Zuger Zeitung, 07.04.2014
  10. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 108