Werder, Kolonialwarenladen

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Der Kolonialwarenladen der Familie Werder befand sich in der Liegenschaft Knonauerstrasse 7, um 1950
Christina Werder, die Tochter von Karl und Rosa Werder vor dem Laden, 1958
Sortiment des Ladens, um 1958
Innenansicht des ersten Usego-Selbstbedienungsladens
Karl Werder bringt Mineralwasser zum Restaurant Hirschen; Sohn Heinz begleitet ihn auf dem Leiterwagen

An der Knonauerstrasse 7 befand sich von 1920 bis 1965 der Kolonialwarenladen, welcher zeitweise der Usego (Union Schweizerischer Einkaufs-Gesellschaften) angeschlossen war. Geführt wurde der Laden bis 1956 von Anna-Helena Werder-Müller, später von Rosa Werder-Scherer.


Chronologie

1920 Karl (1878–1955) und Anna-Helena (1878–1956) Werder-Müller kaufen die Liegenschaft Knonauerstrasse 7 und eröffnen einen Kolonialwarenladen, den sie führt, weil Karl noch in der Milchsüdi als Mechaniker arbeitet. [1] Anna Werder legt Wert darauf, dass die Bauern das Geschäft mit einheimischer Ware (Gemüse und Milchprodukte) beliefern. Karl arbeitet weiterhin in der Milchsüdi.

1956 Die Leiterin des Ladens, Anna-Helena Werder-Müller, stirbt am 3. Dezember im Alter von 78 Jahren. [2]

1957 Der Laden wird nach den Plänen von Architekt Hans Büchler, Cham, zum ersten Usego-Selbstbedienungsladen in Cham umgebaut und wartet auch sonst mit einigen Neuerungen auf: So bieten die neuen Betreiber Rosa (1920–2010) und Karl Werder-Scherer (1916–1973) als Erste in Cham einen neuartigen Schokoriegel mit ganzen Haselnüssen an: Ragusa der Schokoladenfirma Chocolats Camille Bloch. Erhältlich ist auch Vivi Kola, die erste Schweizer Cola, 1938 von der Mineralquelle Eglisau auf den Markt gebracht. In den zwei hochgestellten Schaufenstern mit sogenannten Montern aus Wellblech werden Markenprodukte ausgestellt. [3]

1965 Nachdem die Migros von der Luzernerstrasse an die Zugerstrasse gewechselt hat, bekommen die kleinen Dorfläden die Konkurrenz des orangen Riesen zu spüren, auch der Kolonialwarenladen von Rosa Werder-Scherer: 1965 muss sie ihr Geschäft schliessen.


Anna Werder-Müllers Sinn für das Eingeklemmte

Bis 1920 ist Anna Werder-Müller Vorsteherin der Kaffeeküche in der Anglo-Swiss Condensed Milk Co., einfachheitshalber «Milchsüdi» genannt. Dabei lernt sie die Bedürfnisse der Arbeiter für das Essen und Trinken kennen. Insbesondere realisiert sie, dass die Männer als Zwischenmahlzeit, aber auch für das Mittagessen etwas Unkompliziertes und doch Währschaftes wünschen: zum Beispiel ein «Eingeklemmtes». Anfänglich bereitet sie die Brotware zuhause zu und bringt es im Korb sowie mit Süssmost in die Milchsüdi. Später bietet sie ihre Mahlzeiten im Kolonialwarengeschäft an. [4]


Sortiment um 1957

Neben Frischprodukten der Bauern gehört zum Verkaufssortiment auch Wein – der meistverkaufte ist der Valpolicella, dannzumal ein günstiger Wein. Beliebt sind Konserven von Hero, Suppen von Maggi und Knorr sowie Kaffee Hag oder Nestlé-Schokoladen. Auch flüssige Sais-Öle und -Fette (in Tafeln), Steinfels-Seifenblöcke oder Schmierseife oder Stahlwolle sind erhältlich. Im Keller befindet sich ein Lager mit flüssigem Petrolium, welches oft in Literflaschen verkauft und zuhause als Brennstoff verwendet wird. [5]


Fotoalbum

Personen


Dokumente

Inserate


Einzelnachweise

  1. Werder, Charly, Wer? der Charly, Familienchronik über drei Generationen mit angegliederter Biografie und illustren Kurzgeschichten zum Zeitgeschehen der vergangenen 170 Jahre, Cham 2017, S. 12
  2. Werder, Charly, Wer? der Charly, Familienchronik über drei Generationen mit angegliederter Biografie und illustren Kurzgeschichten zum Zeitgeschehen der vergangenen 170 Jahre, Cham 2017, S. 21
  3. Freundliche Mitteilung von Charly Werder, Cham, 22.03.2017
  4. Freundliche Mitteilung von Charly Werder, Cham, 22.03.2017
  5. Werder, Charly, Wer? der Charly, Familienchronik über drei Generationen mit angegliederter Biografie und illustren Kurzgeschichten zum Zeitgeschehen der vergangenen 170 Jahre, Cham 2017, S. 94