Adelheid-Page-Strasse 8

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Die Liegenschaften Adelheid-Page-Strasse 8 und 10, Ansicht von Südosten, 12.12.2020
Ansicht von Norden mit dem Pflanzgarten der Nachbarliegenschaft
Ansicht von Norden
Die beiden Häuser stehen direkt vor der Eisenbahnlinie
Ansicht von Osten mit Treppe
Die Familie Grimmer: Otto (1909–1981), Vater Walter (1862–1936), Margrit (1904–1982), Walter (1906–1971), Heinrich (1907–1944) und Mutter Marie (1883–1973) mit der kleinen Berta (1912–1916), 1913
Adelheid-Page-Strasse 8, Detailansicht Treppenaufgang und Kellereingang, 12.12.2020

Das markante Bauernhaus mit Trotte direkt an der Eisenbahnbrücke stammt aus dem 17. Jahrhundert. Früher hiess die Liegenschaft «Meinau». Stilistisch zeigt die Liegenschaft interessante Einflüsse von zwei Seiten.


Chronologie

1693 Ein Balken beim Hauseingang trägt die Jahreszahl 1693. Damit kann man davon ausgehen, dass der Ursprungsbau an dieser Stelle aus diesem Jahr stammt. [1] Damals führt eine der Hauptverkehrsachsen über die heutige Adelheid-Page-Strasse, nämlich die Verbindung Zug–Cham–Knonaueramt–Zürich.

ca. 1770–ca. 1800 Der heutige Bau wird im späten 18. Jahrhundert auf bestehenden Grundmauern neu erstellt: gegen Süden als Blockbau, gegen Nord als Fachwerkbau. [2] Diese stilistische Mischbauweise ist interessant: Denn der Riegelbau ist im Knonaueramt verbreitet, während Blockbauten eher im Voralpengebiet anzusiedeln sind. [3]

ca. 1850 Das Haus erhält einen Anbau für das Treppenhaus sowie eine Befensterung mit Einzelöffnungen. [4]

1863/1864 Die Schweizerische Nordostbahn NOB bringt den Bau der Bahnlinie Zug–Luzern zum Abschluss. Dies hat tiefgreifende Folgen: Die Bahngeleise beanspruchen den südlich gelegenen Teil der Ursprungsparzelle. Das Gebäude steht nun direkt am bahnbedingten Geländeeinschnitt und an der neuen Eisenbahnbrücke. Die Liegenschaft ist im Besitz von Landwirt und Kaufmann Hugo Grimmer (1827–1908). [5]

1898 Die Liegenschaft geht an Hugo Grimmers Sohn, Landwirt Walter Grimmer (1862–1936), über. [6]

1917 Die Nestlé & Anglo-Swiss Condensed Milk Company kauft am 5. Februar das Gebäude. [7]

1946 Landwirt Klemenz Holzgang kauft das Bauernhaus mit der Trotte am 28. Februar von der Nestlé. [8]

1965 Ein Brandstifter stellt brennbares Material unter das Vordach von Holzgangs Scheune und entflammt es. Die ganze Fahrhabe verbrennt, nur das Vieh kann rechtzeitig ins Freie geführt werden. Mit der Überführung des Täters kann eine ganze Serie von Brandstiftungen geklärt werden. [9]

1969 Nach dem Tod von Holzgang übernimmt die Erbengemeinschaft die Liegenschaft. [10]

1981/1982 Das Bauernhaus wird unter kantonalen Denkmalschutz gestellt und aussen restauriert. [11]

2020 Die Liegenschaften Adelheid-Page-Strasse 8 und 10 sind im Besitz von Maria Theresia Brunner aus Männedorf ZH. [12] Die Liegenschaft ist im Verzeichnis der geschützten Denkmäler der Gemeinde Cham eingetragen. [13]


Würdigung

Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug schreibt über das Haus: «Als Teil des spätmittelalterlichen „Städtli“ kommt dem Wohnbau mit der zugehörigen ehemaligen Trotte und seinem nach Süden orientierten Gartenumschwung ein sehr hoher heimatkundlicher Wert zu, (...) Ein sehr hoher wissenschaftlicher und architekturhistorischer Wert liegt zudem in der Mischbauweise des Haupthauses, die in der geographischen Lage zwischen dem Riegelbaugebiet des Knonaueramtes und dem voralpinen Blockbaugebiet in der Bauzeit typisch ist.» [14]


Die Mainau von Cham

Spätestens ab 1864 bewohnt Landwirt Hugo Grimmer die heutige Liegenschaft Adelheid-Page-Strasse 8. Grimmer stammt aus dem Badischen, kommt 1853 als politischer Flüchtling nach Cham. [15] Seine Liegenschaft nennt er «Meinau», in Anlehnung an die Insel Mainau im Bodensee. Hugos Sohn, der Landwirt Walter Grimmer (1862–1936), lebt bis etwa 1916 in der «Meinau». Die Lage nahe am Zugersee ist für ihn ideal. Grimmer ist ein leidenschaftlicher Sammler von prähistorischen Fundgegenständen und begeisterter Pfahlbauforscher. [16]


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 117
  2. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 117
  3. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Datenblatt zur Bestandesaufnahme historischer Bauten im Kanton Zug, Adelheid-Page-Strasse 8 [Stand: 20.05.2020]
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 117
  5. Neue Zuger Zeitung, 16.07.1864
  6. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 25a (Nachtrag)
  7. Staatsarchiv Zug, Fichen der Gebäudeversicherung III
  8. Staatsarchiv Zug, Fichen der Gebäudeversicherung IV
  9. Freiburger Nachrichten, 29.04.1965
  10. Staatsarchiv Zug, Fichen der Gebäudeversicherung IV
  11. Horat, Heinz, Adelheid-Page-Strasse 8, Trottengebäude, in: Tugium 17, 2001, S. 19f. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Datenblatt zur Bestandesaufnahme historischer Bauten im Kanton Zug, Adelheid-Page-Strasse 8 [Stand: 20.05.2020]
  12. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummern 274 und 2922 [Stand: 20.05.2020]
  13. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Verzeichnis der geschützten Denkmäler der Gemeinde Cham, Grundstücknummer 274 [Stand: 02.11.2020]
  14. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Datenblatt zur Bestandesaufnahme historischer Bauten im Kanton Zug, Adelheid-Page-Strasse 8 [Stand: 20.05.2020]
  15. Zuger Volksblatt, 26.12.1908
  16. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 3, S. 286f. Hochuli, Stefan, «Ächt keltische Töpferwaare und Celtensteine». 150 Jahre Pfahlbauforschung im Kanton Zug, in: Tugium 25, 2009, S. 77–110, insbesondere S. 84–87