Hammer 1, Villa Hammer

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«Der alte Eisenhammer in Cham: Der «Hammer» im 19. Jahrhundert. Von links: «Chalet», Mühlehaus mit Wasserrad, dahinter das Waschhäuschen und der «alte Hammer», ganz rechts das «Magazin»
Die Villa um 1935: Das sogenannte «Chalet» nach seinem Ausbau zum «neuen Hammer» durch Emy (1885–1981) und Robert Naville (1884–1970)
Der «Hammer» vor der «Ära Lüdi»: So präsentierte sich die Hammer-Villa nach dem Umbau durch Margrit und Andrea von Planta
Ein herrschaftliches Anwesen: Die Villa nach dem Umbau durch Margrit und Andrea von Planta
Das ehemalige Arbeitszimmer: Das Cheminée des Kunstschlossers Moritz Häberling ist ein zauberhaftes «Spiel mit dem Feuer»
Das Vestibül wird zur (Wohn-)Landschaft: Der Teppich nimmt das Grün der Tapete auf, Möbel bilden das Herz des Raums. Die Ornamente wurden mit verschiedenen Farben herausgearbeitet
Warme Elemente im kühlen Ambiente: Ein massiver Holztisch, Stühle und Pfannen an der Decke sorgen für eine wohnliche Atmosphäre in der Küche
Das historische Esszimmer: Ein moderner, dominanter Tisch sorgt für den nötigen Kontrast. Darunter liegt ein Kupferteppich, der das Thema der «Chupferstrecki» aufnimmt
Der «Grüne Salon» heute: Einst diente er vor allem zu Repräsentationszwecken; heute strahlt er Wohnlichkeit aus
Heimkino vom Feinsten: Im kuscheligen Sofa mit den vielen Kissen sitzt (oder liegt) man in der ersten Reihe, denn im Holzmöbel davor versteckt sich ein Beamer.


Direkt an der Lorze liegt die nobel ausgestattete Villa Hammer mit ihren Nebengebäuden. Seit 1827 ermöglicht sie äusserst herrschaftliches Wohnen im Grünen. Sie bildet das Zentrum des herrschaftlichen Ensembles Hammer.


Chronologie

1827 Eisenhändler Johann Jakob Vogel (1783–1841), der zwei Jahre zuvor die Hammerschmiede gekauft hat, baut eine Villa direkt an der Lorze. Sie wird später «alter Hammer» genannt. [1]

1841 Beim Tod von Johann Jakob Vogel umfasst der «Hammer» zehn Gebäude, darunter die Schmiede und die Villa. Vogels Sohn Heinrich (1822–1893) übernimmt die Liegenschaften. [2]

1841 Weil Heinrich Vogel-Saluzzi mehr an der Landwirtschaft als an einer Hammerschmiede interessiert ist, investiert er in das Hammergut zwischen Sinserstrasse und Hammervilla. Das Hammergut ist einen Vorzeigebauernhof. Den vormaligen, kleinen Bauernhof lässt Vogel zu einem «Chalet» mit Fachwerkoptik umbauen. [3]

1852 Die Geschichte der heutigen Villa Hammer beginnt: Heinrich Vogel lässt am heutigen Standort der Villa – etwas von der Lorze abgesetzt – ein kleines «Chalet» oder Gartenhaus bauen, es soll als Gästehaus dienen. [4] Ab den 1870er Jahren entsteht in mehreren Bauphasen ein prächtiges Herrschaftshaus: Dem Gartenhaus wird an der westlichen Giebelseite ein zweigeschossiger, quergestellter Kopfbau mit Sägeornamenten angefügt. [5]

1861 Heinrich Vogel kauft die benachbarte Papierfabrik. Die Hammerschmiede-Werkstatt wird zum Ergänzungsbetrieb der «Papieri», in dem Vogel dort die Holzschleiferei, die Schlosserei und eine Werkstatt platziert. [6]

1873/1874 Pferdeliebhaber Vogel-Saluzzi will seine Pferde nicht mehr im Hammergut einstellen, sondern näher bei sich haben. Deshalb erstellt er Pferdestallungen im nördlichen Teil seines Parks, die Bauten sind im Schweizer Chaletstil gehalten. [7]

1878 Heinrichs Sohn Carl (1850–1911) heiratet die Zürcherin Anna von Meiss (1858–1942). Das Ehepaar hat zwei Wohnsitze: das Haus «zum Lindengarten» in Zürich (aus der Familie Annas) und dazu die Villa im Hammer in Cham (aus der Familie Carls). [8]

1894 Carl Vogel-von Meiss baut in die einstige Hammerschmiede und Mühlehaus ein Kraftwerk ein, mit Turbine und Dynamo. Damit kann er elektrisches Licht in der Hammer-Villa, aber auch in der nahen Papierfabrik installieren. In der Fabrik erleuchten fortan «29 elektrische Flammen» die Fabrikationsräume anstelle der russigen Petroleumlampen. [9]

1912 Anna Vogel-von Meiss, die Schwiegertochter von Heinrich Vogel und seit 1911 Witwe von Carl Vogel, hat die «Villette» am See renoviert und zieht dorthin. Die Hammer-Liegenschaft überlässt sie ihrer Tochter Emy Naville-Vogel (1885–1981) und Schwiegersohn Robert Naville (1884–1970), der die Papierfabrik leitet. [10]

1915 Emy und Robert Naville-Vogel verbreitern den Kopfbau der heutigen Villa um eine Fensterachse; gegen Norden wird ein Treppenhaus angebaut. «In den Details, der eingebauten Veranda, den Balkonen und aufwändigen Laubsägearbeiten ähnelt das Haus, vielleicht nicht ohne Absicht» [11] jetzt den nordamerikanischen Landhäusern, wie sie auch die Gebrüder Page der Anglo-Swiss nach Cham gebracht hatten, bei den Kolonialstilhäusern an der Luzerner- und beim «Cottage» an der Hünenbergerstrasse. [12]

1925 Das Kraftwerk im Mühlengebäude bekommt eine Auffrischung: Eine neuzeitliche Francis-Turbine wird eingebaut und liefert mehr Strom. [13] 1956 wird sie durch eine Kaplan-Turbine ersetzt.

1929/1930 Die Hammervilla erhält ein ganz neues Aussehen. Emy und Robert Naville bauen ihren Wohnsitz um: Aus der amerikanisch angehauchten Hammer-Villa wird ein nobler Landsitz im Stil eines barocken, französischen Landschlösschens. Diesen Umbau bewerkstelligt der Chamer Baumeister Wilhelm Hauser (1874–1943). [14]

1931 Das älteste Gebäude des Ensembles, das Mühlehaus, brennt ab und wird hinterher neu errichtet. [15]

1932 Der baufällige «alte Hammer» von 1827 aus der Zeit von Johann Jakob Vogel wird abgerissen. [16]

1956 Emy und Robert Naville-Vogel sind in die Villa Solitude an den Zugersee gezogen. Ihr Sohn Robert E. Naville-Ferrière (1913–2006) und seine Frau Marie Louise (1911–1997) ziehen mit den Kindern André (*1945) und Jacqueline (*1949) in die herrschaftliche «Hammer»-Villa ein. [17] Das Paar richtet in den schlossartigen Räumen des «Hammers» stilvolle Empfänge aus. Robert E. und Marie Louise sind gerne und gute Gastgeber. [18]

1980 Robert E. Naville setzt sich zur Ruhe, er ist jetzt 67 Jahre alt. Weil die Industrieholding Cham AG in der Krise steckt, soll sein Wohnsitz Hammer verkauft werden. Weil er selber nicht über die nötigen Mittel verfügt, um den «Hammer« zu kaufen und den teuren Unterhalt zu gewährleisten, muss er den Firmenentscheid eines Verkaufs wohl oder übel akzeptieren. [19]

1984 Den herrschaftlichen Wohnsitz Hammer verkauft die Hammer AG an Andrea (*1932) und Margrit (*1934) von Planta-Roth. Die Familie Naville-Ferrière hat verständlicherweise keine Freude an ihrer Vertreibung: In einer Kurzschlusshandlung schleppt Roberts Frau Marie Louise Möbel, Tagebücher, Bilder und Bücher ins Freie und zündet diese kurzerhand an. [20]

1984–1991 Die neuen Besitzer Andrea und Margrit von Planta bauen die Liegenschaften um: die Villa, das Mühlengebäude, das Waschhäuschen und den Pferdestall. Dort, wo sich früher der «alte Hammer» befand, kommt ein Gartenhäuschen zu stehen. Zwischen Villa und Pferdestallungen lässt von Planta ein Schwimmbad mit Vortragsaal in den Berg bauen, im Stil einer Orangerie des 18. Jahrhunderts. [21] In die Villa werden barocke und neubarocke Elemente aus ausgekernten oder abgebrochenen Herrschaftshäusern eingebaut, etwa aus dem Herrenhaus Sagenmatt in Schwyz oder aus dem Haus zum Ochsen in Altdorf UR. [22]

1991 Das Mühlehaus von 1931 wird ausgekernt und praktisch neu aufgebaut. [23]

2013 Der Unternehmer und Investor Ariel Lüdi (*1959) kauft das rund 20'000 Quadratmeter grosse «Hammer»-Anwesen und baut die Villa erneut um. [24] Aus dem barockisierenden Schlösschen wird ein grosszügiges, modernes Wohnhaus im herrschaftlichen Stil. [25]

2018 Hammer-Besitzer Ariel Lüdi ist mit seinem Kapital in rund 20 Start-up-Unternehmen involviert. Er hat gute internationale Kontakte und lädt u.a. hochrangige Politiker und Manager aus Südkorea für mehrere Tage nach Zug ein. Dabei referieren Wirtschaftsexperten im Hammer, um den asiatischen Gästen vertiefte Einblicke zu ermöglichen. [26]

2020 Die Villa, das Wohnhaus mit dem Pferdestall, das Turbinenhaus, der Mühlenbau, das Waschhaus, die Schwimmhalle sowie der Ponystall sind im Verzeichnis der schützenswerten Denkmäler der Gemeinde Cham enthalten. [27]


Würdigung

Die Hammer-Villa ist ein einzigartiges Bauwerk an besonderer Lage in der Abgeschiedenheit des Lorzentals. Sie hat als Fabrikantensitz «grosse sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung». [28]


Einzelnachweise

  1. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  2. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  3. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  4. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  5. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 268
  6. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  7. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  8. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 36, 45
  9. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 80
  10. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 84
  11. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 268
  12. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  13. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 268f. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 80
  14. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 100–104
  15. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 160
  16. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 85
  17. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 45
  18. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 122
  19. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 125
  20. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 187
  21. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 138–157
  22. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 269
  23. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 159
  24. Neue Zuger Zeitung, 09.10.2013
  25. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 180–184
  26. Zuger Zeitung, 05.09.2018
  27. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Inventar der schützenswerten Denkmäler, Grundstücknummern 1782 und 2161 [Stand: 17.03.2020]
  28. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Datenblatt Hammer 1 [Stand: 20.08.2019]