Naville-Ferrière Robert (1913–2006)

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Robert Edmund Naville-Ferrière ist der jüngste Sohn von «Papieri-Vater, Robert Naville-Vogel. Robert junior wirkt innerhalb von Tochterfirmen der Papierfabrik und im Hammer. Aber letztlich bleibt er im Schatten seines dominanten Vaters.

Portrait von Naville-Ferrière Robert (1913–2006)
Portrait von Naville-Ferrière Robert (1913–2006)

Vorname: Robert E
Nachname: Naville-Ferrière
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 18. Dezember 1913
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 2006
Todesort: Cham ZG
Beruf: Unternehmer, Kantonsrat




Robert E. Naville mit seiner Familie unterwegs in Italien.
Die Navilles feiern 1955 Silvester im «Hammer». Vorne, von links: Angèle Seeburger, Jacqueline Naville, Reiner Seeburger, Sabine und Ellen Seeburger, Hortense Funk und Robert Naville. Hinten: Robert E. Naville und Michael Funk.
Hochzeit im «Hammer»: Emy Naville gratuliert Beat Walpoth zur Hochzeit mit ihrer Enkelin Jacqueline. An ihrer Seite: Sohn Robert E..
Pferde waren auch die Leidenschaft von Robert E. Naville, dem Sohn von «Papieri-Vater» Robert Naville. Er soll ein äusserst verwegener Reiter gewesen sein.

Stationen

1913 Robert Edmund Naville kommt am 18. Dezember 1913 in Cham zur Welt. Er ist das dritte und jüngste Kind von Emy (1885–1981) und Robert Naville-Vogel (1884–1970). Sein Vater ist Robert Naville-Vogel, der während 50 Jahren die Papierfabrik Cham führt, während seine Mutter Emy den herrschaftlichen Wohnsitz Hammer organisiert. [1]

1915 In der reformierten Kirche Cham wird Robert junior verewigt: Auf dem kunstvollen Glasfenster sitzt ein Baby mit den Gesichtszügen von Robert junior auf dem Schoss von Jesus. Das Bild kam zustande, weil Emy Naville-Vogel das Glasbild ebenso wie einen Teil der Innenausstattung bezahlte. [2]

1939 Robert E. Naville heiratet Frau Marie Louise Ferrière (1911–1997), eine Pianistin aus Genf. [3]

1940 Naville junior hat Kaufmann gelernt und Chemie an der ETH Zürich studiert, zudem hat er Papiererluft in diversen Betrieben geschnuppert. Er ist nun 27-jährig und tritt in die elterliche Papierfabrik Cham ein, allerdings ohne besonderen Ehrgeiz. Er übernimmt die Betriebsleitung der französischen Tochterfirma, der Papeteries de Bretagne in Rennes. Zudem betreut er die Neugründung Myco AG, die aus Papierstoff Becher und Dosen herstellt. [4]

1947 Robert E. Naville ist an der Entwicklung der Aerofiber-Linie beteiligt. Mit dieser Tochterfirma stellt die Papierfabrik Kunststoffe her, die wie die Papierproduktion auf Zelluloseverbindungen basieren. [5]

1953 Naville-Ferrière steigt auf, er bekommt den Titel eines Vizedirektors der Aerofiber. [6]

1956 Robert E. und seine Frau Marie Louise ziehen mit ihren Kindern André (*1945) und Jacqueline (*1949) in die herrschaftliche «Hammer»-Villa ein. [7] Das Paar richtet in den schlossartigen Räumen des «Hammers» stilvolle Empfänge aus, Robert E. und Marie Louise sind gerne und gute Gastgeber. [8]

1961 Als es um die Weiterentwicklung einer weiteren Tochterfirma der Papierfabrik geht, kommt wieder Robert E. Naville-Ferrière ins Spiel. Weil sein Vater Robert Naville-Vogel altershalber kürzer tritt, rutscht Robert E. bei der Pavag nach, die in Nebikon LU aus Kraftpapier reissfeste Säcke herstellt. Der Junior erweitert dort das Firmengelände von 1,2 auf 3,4 Hektaren, verdoppelt die Kapazität der Fabrikation und den Umsatz auf 20 Millionen Franken. [9]

1963 Die Chamer wählen Robert E. Naville-Ferrière in den Kantonsrat. Er gehört dem Kantonsparlament während einer Legislatur bis 1966 an. [10]

1973 Nachdem sich die Papierfabrik eine neue Struktur mit der Industrieholding Cham gegeben hat, werden die Immobilien der Papierfabrik in der Hammer AG zusammengefasst. Robert E. Naville wird Geschäftsleiter der neuen Immobiliengesellschaft. Dank seinen guten Beziehungen gelingt es zum Beispiel, die Grossüberbauung Röhrliberg zu realisieren. [11]

1980 Robert E. Naville setzt sich zur Ruhe, er ist jetzt 67 Jahre alt. Weil die Industrieholding Cham AG in der Krise steckt, soll sein Wohnsitz Hammer verkauft werden. Weil er selber nicht über die nötigen Mittel verfügt, um den «Hammer« zu kaufen und den teuren Unterhalt zu gewährleisten, muss er den Firmenentscheid wohl oder übel akzeptieren. [12]

1984 Den herrschaftlichen Wohnsitz Hammer verkauft die Hammer AG an Andrea und Margrit von Planta. Die Familie Naville-Ferrière hat verständlicherweise keine Freude an ihrer Vertreibung: In einer Kurzschlusshandlung schleppt Roberts Frau Marie Louise Möbel, Tagebücher, Bilder und Bücher ins Freie und zündet diese kurzerhand an. [13]

2006 Marie Louise Naville-Ferrière stirbt 1997 im Alter von 86 Jahren; Robert E. Naville überlebt seine Frau um neun Jahre, als auch er stirbt, und zwar 2006 im Alter von 90 Jahren. [14]


Würdigung

Im Gegensatz zu seinem durchsetzungskräftigen Vater Robert Naville-Vogel ist Robert E. Naville-Ferrière «liebenswürdig und menschlich», aber «ohne Wirkung auf die Arbeiter». Er geht im oft rauen Klima der Papierfabrik mit seiner eher sanften Art unter. [15]


Einzelnachweise

  1. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 104
  2. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 71
  3. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 122
  4. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 111
  5. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 111
  6. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 111
  7. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 45
  8. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 122
  9. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 111
  10. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.02.2019]
  11. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 111
  12. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 125
  13. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 187
  14. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 215
  15. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 111