Vogel-von Meiss Anna (1858–1942)

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Anna Vogel-von Meiss ist eine adelige Zürcherin. Sie heiratet den Papierindustriellen Carl Vogel, wohnt in der herrschaftlichen Hammer-Villa in Cham und einem noblen Stadthaus in Zürich. Schliesslich erbt sie die Cahmer Villette von ihrem Onkel Heinrich Schulthess-von Meiss sowie die Papierfabrik Cham von ihrem Mann.

Portrait von Vogel-von Meiss Anna (1858–1942)
Portrait von Vogel-von Meiss Anna (1858–1942), Porträt

Vorname: Anna
Nachname: Vogel-von Meiss
Geschlecht: weiblich
Geburtsdatum: 4. April 1858
Geburtsort: Zürich ZH
Todesdatum: 4. März 1942
Todesort: Zürich ZH



Anna Vogel-von Meiss mit ihren Töchtern
Vogel-von Meiss Anna (1858–1942)
Die Uniform lässt darauf schliessen, dass das Foto vor 1890 entstand. Rechts Anna Vogel mit ihren Kindern Alexander und Alice
Anna Vogel-von Meiss mit ihrer Schwiegermutter

Stationen

1858 Anna kommt am 4. April als Kind von Hans Meiss von Wülflingen ZH und Anna von Muralt in Zürich zur Welt. Die Familie mit den zwei «von»-Adelstiteln ist sehr vermögend, ihr Vater ist belgischer Konsul. Anna wächst auf dem sehr grosszügigen Familiensitz Meissenberg (später auch Meisenberg) in Zug auf (heute psychiatrische Klinik). Daneben besitzt die Familie noch das Herrenhaus «Zum Lindengarten» am Hirschengraben in Zürich (heute Sitz der Stiftung Pro Helvetia), das Anna später erbt. [1]

1878 Anna von Meiss ist 20 Jahre alt und heiratet im August Carl Vogel (1858–1912), den Papierfabrikanten von Cham. Die Belegschaft der Papierfabrik bekommt ein Geschenk: Die Männer erhalten fünf Franken, die Frauen zwei Franken, dazu einen Nachmittag frei, ohne Lohnabzug. Das Ehepaar hat zwei Wohnsitze: das Haus «zum Lindengarten» in Zürich (aus der Familie Annas) und dazu die Villa im Hammer in Cham (aus der Familie Carls). [2] Den zwei Haushalten entsprechend bewegt sich die Familie ständig und her, und Annas Organisationstalent ist gefragt. [3]

1880 Das erste Kind kommt zur Welt, es ist ein Sohn, Anna und Carl nennen ihn Hans Carl Alexander, gerufen wird er Alexander. [4] Das Ehepaar lebt im Sommer mit der Familie in Cham, in den Wintermonaten im Stadtsitz am Hirschengraben in Zürich. [5]

1881 Die erste Tochter folgt, Anna Helena Alice (1881–1944) (sie heiratet später Carl Martin Leonhard Bodmer (1880–1961), der auch in der Papierfabrik führende Positionen innehat). [6]

1883 Die zweite Tochter, Bertha Olga (1883–1970), erblickt das Licht der Welt. Sie heiratet später Walther Meiss von Wülflingen (1869–1934). [7]

1885 Die dritte Tochter folgt schon zwei Jahre später, sie heisst Anna Emilie Charlotte (1885–1981), sie wird in der Familie Emy genannt. Sie heiratet Robert Naville-Vogel (1884–1970), der die Papierfabrik während 50 Jahren prägt. [8] Vielleicht auch aus familiären Gründen mit den vier Kindern tritt Annas Ehemann Carl beruflich etwas kürzer. Obwohl erst 35 Jahre alt, gibt er die alleinige Führung der Papierfabrik Cham ab und stellt zu seiner Entlastung einen Direktor an. [9]

1888 Das jüngste der fünf Kinder ist Anna Helena, genannt Ellen (1888–1963). Sie heiratet später Ernst Seeburger (1877–1955). [10]

1898 Heinrich Schulthess (1813–1898), Annas Onkel, stirbt am 26. Juni. Die Villa und der Park Villette gehen an seine Nichte und sein Patenkind Anna Vogel-von Meiss über. [11] Damit gehört nun das ganze Seegebiet zwischen der Eisenbahn (im Norden), dem See (im Süden), der Lorzenmündung (im Osten) und der Eslen (im Westen) der Papieri-Dynastie, es handelt sich um eine einzigartige Parklandschaft von 108'000 Quadratmetern. Anna und Carl Vogel-von Meiss besitzen nun drei herrschaftliche Häuser: eines in Zürich, dann in Cham die Villa im Hammer und nun die Villette am See. [12]

1902–1904 Im Auftrag von Anna Vogel-von Meiss wird die Sommerresidenz Villette durch den Architekten Dagobert Keiser (1847–1906), der auch das Theater Casino in Zug plante, umgebaut. Der Architekt, der auch mit seinem gleichnamigen Sohn arbeitet, macht aus dem einstigen Ferienhaus eine ganzjährig bewohnbare Villa. [13]

1905 Das älteste Kind und der einzige Sohn, Alexander, kommt im Alter von 25 Jahren bei einem Reitunfall in Morges ums Leben – eine grosse Tragödie in der dynastiegewohnten Familie Vogel. [14]

1908 Anna Vogel-von Meiss engagiert sich beim Bau des Asyls Cham, das 1909 eröffnet wird, und nimmt Einsitz in die Betriebskommission. [15]

1909 Die Erneuerung der Innenausstattung der Villette findet ihren Abschluss: Das Treppenhaus wird neu gestaltet, das Speisezimmer auf der Südseite wird vergrössert und von einer Terrasse bekrönt, die Küche wird angebaut und aufgestockt, im ganzen Haus gibt es elektrisches Licht und eine Zentralheizung, in Ergänzung der vorhandenen Cheminées. [16]

1911 Annas Ehegatte Carl stirbt im Dezember im Haus «Zum Lindengarten» in Zürich. Er war vor seinem Tod linksseitig durch einen Schlaganfall gelähmt. [17]

1912 Anna Vogel-von Meiss hat bereits zwei Herrschaftshäuser und ein grosses Vermögen geerbt. Bei der jetzigen Erbteilung fällt ihr jedoch der grösste Nachlass zu: die Papierfabrik Cham. Weil weder sie noch eine ihrer vier Töchter die Nachfolge als operativ tätige Besitzer und Direktoren antreten wollen, gründet Anna Vogel mit ihren Töchtern eine Aktiengesellschaft, nämlich die Papierfabrik Cham AG. Die Direktion teilen sich ihre Schwiegersöhne Robert Naville-Vogel und Leo Bodmer-Vogel; ihr Schwager Richard Vogel nimmt im Verwaltungsrat Einsitz. [18] Anna Vogel-von Meiss zieht nun definitiv in die Villette am See; den «Hammer» überlässt sie ihrer Tochter Emy und Schwiegersohn Robert Naville. [19]

1916 Auch nach dem Tod ihres Ehegatten ist Anna Vogel sehr aktiv. Trotz des Ersten Weltkriegs baut sie ihr herrschaftliches Haus am Hirschengraben in Zürich um, es hat damals die Adresse Krautgartengasse 8 (heute Hirschengraben 22). [20]

1926 Als Frau der Oberschicht ist es ihr möglich, ein Automobil zu besitzen. [21]

1948 Anna Vogel-von Meiss stirbt am 4. März im Alter von 84 Jahren. Die Papierfabrik übernimmt die Villa Villette. Der Zuger Architekt Walter Wilhelm baut zwei Wohneinheiten in das Gebäude. Die östliche Hälfte dient als ständige Direktorenwohnung, die westliche als Feriensitz für (Familien-)Aktionäre. [22] Die Öffentlichkeit erwirbt den Villettepark – Stück für Stück. Die Gemeinde Cham kann einen ersten Teil des Villette-Parks im Umfang von 11'300 Quadratmetern von den vier Erbinnen der Anna Vogel-von Meiss abkaufen. [23]


Würdigung

Natürlich wurde Anna Vogel-von Meiss kraft ihrer Herkunft einiges in die Wiege gelegt. Doch durch die Heirat mit Carl Vogel entwickelte sie ihr Erbe geschickt weiter. Den Umbau der Villette trieb sie alleine voran. Auch nach dem Ableben ihres Gatten 1911 zeigte sie unternehmerisches Geschick, als sie die Familienfirma Papierfabrik in eine Aktiengesellschaft überführte und damit den Fortbestand des Chamer Industriebetriebs sicherte. Auch engagierte sie sich sozial, zum Beispiel bei der Errichtung des Chamer «Asyls».


Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 45
  2. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 36, 45
  3. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 79
  4. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 39
  5. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 45
  6. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 39
  7. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 39
  8. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 39
  9. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 36
  10. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 39
  11. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 145
  12. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 36
  13. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 145
  14. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 45
  15. Odermatt, Alice / Stadlin, Judith, Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik, Cham 2010, S. 23f.
  16. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 145
  17. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 36
  18. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 45
  19. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 84
  20. Bau-Chronik, in: Illustrirte schweizerische Handwerker-Zeitung, 22.06.1916
  21. Verzeichnis der Motorfahrzeuge, Zug 1926
  22. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 145
  23. Grünenfelder, Josef / Schmuki, Christoph (Redaktion), Villette Cham, 2. Aufl., Cham 1991, S. 48