Schulthess-von Meiss Heinrich (1813–1898)

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Portrait von Schulthess-von Meiss Heinrich (1813–1898)
Portrait von Heinrich Schulthess-von Meiss (1813–1898)

Vorname: Heinrich
Nachname: Schulthess-von Meiss
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 11. Dezember 1813
Geburt­sort: Zürich ZH
Todes­datum: 26. Juni 1898
Todes­ort: Zürich ZH
Beruf: Unternehmer, Bankier
Religion: evangelisch-reformiert
VIAF: Kennung des Eintrags zur Person im „Virtual International Authority File (VIAF)“. 196840143
HLS: Kennung des Eintrags zur Person im „Historischen Lexikon der Schweiz (HLS)“. 046243
GND: Kennung des Eintrags zur Person in der „Gemeinsamen Normdatei (GND)“. 101733874
Wikidata: Kennung des Eintrags zur Person bei „Wikidata“. Q59618315

Heinrich Schulthess-von Meiss war ein reicher Zürcher Bankier und Handelsherr. Er baute das herrschaftliche Landhaus Villette in Cham am See, das er als Zweitwohnsitz benützte.



Stolzer Villen-Besitzer in Cham: Heinrich Schulthess-von Meiss, undatiert (um 1880)
Bijou im Park: die Villa Villette, undatiert (um 1880)


Stationen

1813 Heinrich Schulthess kommt am 11. Dezember als Kind von Hans Conrad (1785–1849) und Anna Schulthess-Landolt in Zürich zur Welt. Sein Vater ist ein vermögender Bankier.

1839 Im Alter von 26 Jahren heiratet Heinrich Schulthess Bertha von Meiss (1818–1883), die Tochter des Kaufmanns Gottfried von Meiss. Heinrich Schulthess wirkt als Leiter des vom Vater ererbten Handels- und Bankhauses Caspar Schulthess Erben.

1853 Schulthess engagiert sich für die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Er wird Mitglied der Direktion der Zürich-Bodensee-Bahn. [1]

1863 Die Landverhandlungen für die Schweizerische Nordostbahn (NOB) führt Heinrich Schulthess-von Meiss, Grossaktionär und Verwaltungsrat der Bahngesellschaft. Ihm gefällt in Cham das Landstück zwischen der Bahnlinie und dem Zugersee im Süden der Pfarrkirche St. Jakob. Er kauft 99 Aren Ried- und Ackerland vom damaligen Besitzer, Zimmermeister Heinrich Baumgartner, für 11'000 Franken. [2] Zudem kauft Schulthess-von Meiss von der Pfarrpfrund weiteres Land. Danach lässt Heinrich Schulthess-von Meiss möglichst viel gutes Baumaterial – insbesondere den Felsabtrag vom nahe gelegenen Chamer Kirchhügel – auf sein Grundstück transportieren. Die Villa auf dem höchsten Punkt im Park erhält die beste Aussicht auf den Zugersee und die Berge. Er befestigt und arrondiert das Seeufer bis zur Täubmatt, lässt das Inselchen aufschütten und gestaltet damit den zukünftigen Villettepark. [3]

1864 Die neu erstellte Verbindung für den Eisenbahn zwischen Zug und Luzern wird am 31. Mai feierlich eröffnet. Die Linienführung ermöglicht eine weitgehend baufreie Zone zwischen Bahnlinie und Zugersee, heute als Naherholungsgebiet sehr geschätzt. Heinrich Schulthess-von Meiss lässt auf dem Grundstück am See in den kommenden zwei Jahren die Villa Villette erbauen. Schulthess ist Bankier und Kunstmäzen, wohnt in Zürich am Hirschengraben und pflegt ein intensives gesellschaftliches Leben. Zu seinem Bekanntenkreis gehört auch Leonhard Zeugheer (1812–1866), ein berühmter Villenarchitekt. Ihm erteilt Heinrich Schulthess-von Meiss den Auftrag, die Sommerresidenz «Villa Villette» im Stil der italianisierenden Neurenaissance zu bauen. Bauleiter ist der Zuger Baumeister Arnold Bosshard. [4] Die Villa wird nicht etwa auf die neue technische Errungenschaft, die Eisenbahn, hin ausgerichtet, sondern auf den Park und den See. [5]

1866 «Das Villettchen ist bereit», schreibt Architekt Leonhard Zeugheer. Das ist massiv untertrieben. Die Villa erstrahlt an der erhöhten Stelle, mit einmaliger Aussicht auf See und Berge, umgeben ist sie von einem prächtigen Park, den der renommierte Gartenarchitekt Theodor Froebel (1810–1893) aus Zürich im englischen Stil gestaltet hat. Fortan fährt Heinrich Schulthess-von Meiss regelmässig mit seiner Frau Bertha nach Cham, der Zug hält ja direkt vor seiner Haustüre. [6]

1868 Zusammen mit seiner Schwester Barbara bringt er das väterliche Landhaus Wäldli in Zürich-Hottingen in eine Stiftung für alte Leute ein, mit einem Areal von 16'200 Quadratmeter. Heute befindet sich an dieser Stelle das Alterszentrum Hottingen. Der Familie Schulthess zu Ehren heisst heute ein Teil des Alterszentrums mit 57 Wohnungen «Schulthesspark». [7]

1898 Heinrich Schulthess stirbt am 26. Juni im Alter von 84 Jahren. Die Villa und der Park Villette gehen an seine Nichte und sein Patenkind Anna Vogel-von Meiss (1858–1942) über, der Gattin des Papierfabrikanten Carl Vogel (1850–1911). [8] Damit gehört nun das ganze Seegebiet zwischen der Eisenbahn (im Norden), dem See (im Süden), der Lorzenmündung (im Osten) und der Eslen (im Westen) der Papieri-Dynastie. Es handelt sich um eine einzigartige Parklandschaft von 108'000 Quadratmetern.


Der Kunstsammler

Heinrich Schulthess-von Meiss war ein begeisterter Kunstsammler. Seine bedeutende Sammlung europäischer Grafik mit insgesamt 12'000 Werken vermachte er der Graphischen Sammlung der ETH Zürich. Damit legte er den Grundstein für den wertvollen Bestand der Sammlung und den Ruf, weltweit zu den bedeutendsten Kupferstichkabinetten zu zählen. Seine wichtigen Objekte aus der ehemaligen Porzellanfabrik in Kilchberg-Schooren überliess er dem Schweizerischen Landesmuseum. [9]


Das Psychogramm

Aufgrund seines Porträts kommt ein Autor zu folgender Einschätzung: Man spüre «im rundlichen Gesicht mit Doppelkinn, krausem Backen- und Schnurrbart und im sanften Blick die Gutmütigkeit und den Humor des Philantropen, der sich bei Zeit und Gelegenheit aber auch recht barsch gebärden konnte.» [10]


Einzelnachweise

  1. Auszug aus dem Protokoll der ersten Generalversammlung der Zürich-Bodensee-Bahn, Zürich 1853
  2. Grünenfelder, Josef / Schmuki, Christoph (Redaktion), Villette Cham, 2. Aufl., Cham 1991, S. 21
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 144
  4. Vgl. Anmerkung 3 (Grünenfelder), S. 144f.
  5. Vgl. Anmerkung 2 (Grünenfelder / Schmuki), S. 22
  6. Vgl. Anmerkung 2 (Grünenfelder / Schmuki), S. 27
  7. Webseite Alterszentrum Hottingen, www.az-hottingen-rehalp.ch [Stand: 26.02.2019]
  8. Vgl. Anmerkung 3 (Grünenfelder), S. 145
  9. Grafische Sammlung der ETH Zürich (Hg.), Das wahre Gold eines Bankiers, Zürich 2016
  10. Vgl. Anmerkung 2 (Grünenfelder / Schmuki)