Hauser Wilhelm (1874–1943)

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Wilhelm Hauser war ein Chamer Baumeister und Kantonsrat. Er erstellte in und um Cham viele Bauten, von denen einige noch heute stehen. Die bekanntesten Gebäude, die heute unter Denkmalschutz stehen, dürften das Technikum, die Villa Solitude und die Doppel-Einfamilienhäuser an der Gartenstrasse sein.

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Vorname: Wilhelm
Nachname: Hauser
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 29. September 1874
Geburtsort: Trasadingen SH
Todesdatum: 13. Juli 1943
Todesort: Zug ZG
Beruf: Baumeister, Kantonsrat
Partei: Freisinnig-Demokratische Partei





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Briefkopf des Baugeschäfts Wilhelm Hauser Cham, 1920


Stationen

1874 Wilhelm Hauser kommt am 29. September zur Welt. Er ist Bürger von Trasadingen SH. [1]

1912 Hauser arbeitet als Baumeister im Baugeschäft von Hans Miesch (1880–1941) in Cham.

1914 Wilhelm Hauser übernimmt das konkursite Baugeschäft von Miesch. Er vollendet anstelle von Miesch die Baumeisterarbeiten an der Evangelisch-reformierten Kirche Cham. [2]

1916 Hauser führt den Bau des Westflügels des Klosters Frauenthal aus, mit Küche und Schlafsaal. Aufgrund der kriegsbedingten Bauflaute dürfte er als junger Baumeister sehr froh um den Auftrag gewesen sein. [3] Ebenfalls in diesem Jahr erstellt Hauser in Hagendorn ein Turbinenhaus nach eigenen Entwürfen. [4]

1917 Gleich neben dem Turbinenhaus von 1916 erstellt Hauser die Brücke über den Kanal. Die Pläne für die stichbogige Eisenbetonbrücke stammen von Ingenieur Jakob Bolliger (1872–1954) aus Zürich, einem Spezialisten für den damals neuen Baustoff Eisenbeton. [5] Hauser übernimmt, zusammen mit G. Schätzle, das Postgebäude an der Luzernerstrasse 17. [6]

1919 Die Papierfabrik Cham engagiert Hauser, um das Portierhaus zu erstellen: Ein «eingeschossiger, sorgfältig gestalteter neubarocker Kleinbau mit hohem, unten abgeknicktem Walmdach». [7]

Das «Technikum» im Winterkleid, 1920

1920 Die Chamer wählen Hauser als Vertreter der Freisinnigen in den Kantonsrat. Er bleibt in der Zuger Legislative bis 1923. [8] Im gleichen Jahr erstellt Hauser im Auftrag der Anglo-Swiss Condensed Milk Company Nestlé & Anglo-Swiss den aufsehenerregenden Bau des «Technikums» an der Scheuermattstrasse 1–5. [9]

1923–1924 Hauser erbaut im Auftrag der Papierfabrik Cham sechs Doppel-Einfamilienhäuser für die Werkmeister an der Gartenstrasse 2–24. [10]

Eine kleine Arbeitersiedlung: die Reihenhäuser an der Mööslimattstrasse (undatiert, vor 1980)

1927 Wilhelm Hauser stellt das Waschhaus mit westlichem Quergiebel für das Asyl an der Rigistrasse auf. [11] An der Mööslimattstrasse erstellt er im Auftrag der Papierfabrik zwei Zeilen mit insgesamt zehn Arbeiterreihenhäusern mit vier respektive sechs Wohnungen. [12]

1928 Auch die «Villa Herrenmatt» an der Sinserstrasse 19 erbaut Wilhelm Hauser im Auftrag der Papierfabrik Cham. Das herrschaftliche Zweifamilienhaus weist zwei Fünf-Zimmer-Wohnungen auf. [13]

1929 Hauser darf die Privatvilla von Papierfabrik-Direktor Robert Naville-Vogel (1884–1970) im Hammer umbauen. Aus der Villa wird eine Art französisches, barockes Landschlösschen. [14] Im gleichen Jahr baut er aber auch ganz anders: Das Wohnhaus an der Nestléstrasse 11 weist mit seinen klar gehaltenen Formen und Linien Anzeichen modernen Bauens auf. [15] Im gleichen Quartier erstellt Hauser die drei Reiheneinfamilienhäuser an der Tormattstrasse (Hausnummern 3–8). [16]

1931 Wilhelm Hauser zählt zu den reicheren Chamern. Er versteuert ein Vermögen von 112'000 Franken und ein Einkommen von 13'000 Franken. [17]

1932–1934 Auch mit Tiefbau setzt sich Hauser auseinander; wahrscheinlich, um die Baukrise der frühen 1930er-Jahre zu überstehen, führt er Strassenbauarbeiten aus. Im Auftrag des Kantons baut er das Los 9 der Strecke Zug–St.Adrian aus. [18]

1934 Im Auftrag von Oberst Richard Vogel (1870–1950) erstellt er die Villa Solitude am See, einen neobarocken Landsitz. [19] Aus gesundheitlichen Gründen gibt Wilhelm Hauser sein Geschäft an Baumeister Robert Ritter weiter und zieht nach Zug um. [20]

1943 Hauser stirbt am 13. Juli im Alter von 68 Jahren in Zug. [21]


Würdigung

Wilhelm Hauser hat Cham mit seiner Bautätigkeit geprägt. Er war «eine im Kanton Zug und weiter über seine Grenzen hinaus geschätzte Persönlichkeit». [22] Er «verwendete zurückhaltend Neubarockformen, nahm er auch den Heimatstil in undoktrinärer Form wieder auf, so in den Riegelhäusern an der Gartenstrasse. In späteren Jahren erstellte Hauser auch Bauten in der Art des Neuen Bauens.» [23]


Einzelnachweise

  1. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  2. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 102
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 239
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 273
  5. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 273
  6. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 323a
  7. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 266
  8. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  9. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 134
  10. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 120
  11. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 111
  12. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 130
  13. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 140
  14. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 268
  15. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 131
  16. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 144
  17. Steuerregister des Kantons Zug 1931, S. 158
  18. Staatsarchiv Zug, Tiefbauamt, G 1.170
  19. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 141
  20. Gewerbeblatt Zug, 23.07.1943
  21. Zuger Volksblatt, 14.07.1943
  22. Gewerbeblatt Zug, 23.07.1943
  23. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 116