Scheuermattstrasse 1-5 «Technikum»

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Das «Technikum» von Baumeister Wilhelm Hauser (1874–1943) im Winterkleid, 1920
Das «Technikum» in den 1990er-Jahren
Erst nach einer Renovation in den 1980er-Jahren erhielt das «Technikum» den rosafarbenen Anstrich
Vor der Sanierung, 2013
Das «Technikum» erhält nach der Sanierung wieder den ursprünglichen weissen Anstrich, 2016
Briefkopf des Baugeschäfts Wilhelm Hauser Cham, 1920

Die Nestlé & Anglo-Swiss schuf an der Scheuermattstrasse Wohnraum für ihre Ingenieure – deshalb wurde der Bau von 1920 «Technikum» genannt. Die insgesamt 19 Geschosswohnungen setzte Baumeister Wilhelm Hauser in eine zusammenhängende Wohnhauszeile, die aufgrund ihrer Länge Aufsehen erregte. Sie erinnert an die Architektur englischer Reihenhäuser.


Chronologie

1920 Die Nestlé & Anglo-Swiss benötigt für ihre Ingenieure und Techniker zusätzlichen Wohnraum. Deshalb erteilt sie dem Chamer Baumeister Wilhelm Hauser (1874–1943) den Auftrag, ein Gebäude an der Scheuermattstrasse 1/3/5 für diese Spezialisten zu erstellen. [1] Hauser packt die gewünschten 19 Wohnungen in einen langen Reihenhausbau, der in seiner architektonischen Gestaltung an die englischen Gartenstadtbauten erinnert. Weil Ingenieure und Techniker der Firma einziehen, bekommt das markante Gebäude den Übernamen «Technikum», der sich bis heute gehalten hat. Kurz nachdem die ersten Bewohner mit ihren Familien eingezogen sind, erleidet die «Nestlé & Anglo-Swiss» einen Einbruch: Zum ersten Mal in den über 50 Geschäftsjahren weist die Firma ein Defizit aus, nämlich das beträchtliche Minus von 93 Millionen Franken im Krisenjahr 1921. So müssen 1923 zahlreiche Fabrikarbeiter und Büroangestellte der Chamer Milchfabrik entlassen werden. [2]

2013 Die Chamer Milchfabrik ist längst Geschichte, dafür ist der Wohnungsbau für sozial Schwache ein grosses Thema. Die Chamer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bejahen am 9. Juni 2013 mit knapp 67 Prozent den Kauf des Gebäudes für 4,3 Millionen Franken; die Sanierungskosten werden auf fünf Millionen Franken berechnet. Im «Technikum», das mittlerweile unter kantonalem Denkmalschutz steht, bietet die Einwohnergemeinde Cham preisgünstige Wohnungen an. [3]

2014–2016 Das «Technikum» wird sanft renoviert. Auf einen Neubau und die Erstellung einer Tiefgarage wird verzichtet. Stattdessen werden im denkmalgeschützten Bau preisgünstige Wohnungen realisiert. [4]

2016 Im Frühjahr sind die Bauarbeiten abgeschlossen, der Werkhof Cham führt die Umgebungsarbeiten aus. Im Herbst sind alle Wohnungen des «Technikums» vergeben. 26 Erwachsene sowie 19 Kinder und Jugendliche beleben das Haus. [5]

2017 Anfang April genehmigt der Gemeinderat die Schlussabrechnung; die Kauf- und Sanierungskosten fallen mit 8.66 Millionen Franken um 639'000 Franken tiefer aus, als vom Stimmvolk bewilligt. [6]


Kunsthistorische Beschreibung

«Kompakter zweigeschossiger Baukörper unter hohem, unten ausgestelltem Mansardwalmdach. Die beiden gartenseitig leicht risalitierten Kopfbauten mit Eckquaderung, an der Ostfassade die Eingänge der drei selbstständig erschlossenen Hausteile mit klassizistischen, säulengetragenenen Vorhallen, an der Westfassade Balkone. Die Grundrisse der Wohnungen in den beiden Kopfbauten sind ungewöhnlich um einen L-förmigen Korridor mit Halle neben dem zentral liegenden Treppenhaus organisiert. Im mittleren Gebäudetrakt liegen je Geschoss zwei kleinere Wohnungen, im Dachgeschoss frei zu den einzelnen Wohnungen zumietbare Zimmer.» [7]


Dokumente

Abstimmungsvorlage vom 9. Juni 2013

Liegenschaftskauf sowie Planungs- und Baukredit für die Sanierung des Mehrfamilienhauses «Technikum», Scheuermattstrasse 1, 3, 5, GS Nr. 234, Cham


Fotogalerie

Das «Technikum» vor …


… und nach der Sanierung


Leben im «Technikum», Familie Schilter


Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 134. Die Urheberschaft der Entwürfe ist nicht sicher Hauser zuzuordnen. Er reicht aber die Pläne ein und führt auch den Bau aus. Zuger Bautenführer, Ausgewählte Objekte 1902–2012, hrsg. vom Bauforum Zug, Luzern 2013, S. 250
  2. Pfiffner, Albert, Henri Nestlé (1814–1890). Vom Frankfurter Apothekergehilfen zum Schweizer Pionierunternehmer, Zürich 1993
  3. Zuger Woche, 24.09.2014
  4. Twerenbold, Monika, Ein Baudenkmal erwacht wieder zum Leben, in: Tugium 32, 2016, S. 32–33
  5. Medienmitteilung der Einwohnergemeinde Cham, 16.05.2017
  6. Medienmitteilung der Einwohnergemeinde Cham, 16.05.2017
  7. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 134f.