Miesch Hans (1880–1941)

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Bilder von Hans Miesch existieren nicht, dagegen konnten Unterschrift und Briefpapier ausfindig gemacht werden
Bauten, die von Hans Miesch realisiert wurden: die Turn- (später: Schwing-)halle
… Liegenschaft Poststrasse 7
… Liegenschaft Luzernerstrasse 17, alte Post …
Inserat aus dem Zuger Volksblatt, 9. Juli 1908

Hans Miesch war ein Baumeister, Bauherr, Architekt und Politiker in Cham. Er stammte aus Titterten BL und erbaute, meistens auf eigene Rechnung, innerhalb von zehn Jahren fast das Chamer Bahnhofsquartier. Daraufhin ging er in Konkurs.


Stationen

1880 Johannes Miesch, genannt Hans, kommt am 28. Juni in Titterten BL zur Welt. [1]

1903 Hans Miesch lässt sich am 17. Oktober offiziell in Cham nieder. [2] Seine Werkhalle befindet sich an der Rigistrasse. [3]

1904 Miesch erbaut die Häuser an der Hünenbergerstrasse 16, 18, 20 und 22. Seine Architektur ist vom Jugend- und Heimatstil geprägt. [4]

1905 Hans Miesch erstellt die Turnhalle neben dem Gemeindehaus. [5] Das Portal zur Luzernerstrasse umrahmt er mit zwei wuchtigen Sandsteinsäulen. In Baar erbaut Miesch in diesem Jahr das schlossartige Gebäude der Neumühle direkt beim Bahnhof. [6]

1907 Hans Miesch erstellt das «Bründlerhaus» an der Luzernerstrasse 45. Er verwendet dazu einen vorhandenen Scheunenbau von 1854 und überstülpt diesem einen kleine, reizvollen Heimatstilbau. Bauherr ist Oberst Richard Vogel (1870–1950), der im alten Raben wohnt und Besitzer der Seeliegenschaft Täubmatt ist. Im Häuschen wohnt Heinrich Bründler, der Betreuer der Vogel’schen Liegenschaft am See. Zudem erarbeitet Miesch ein Vorprojekt für den Bau einer Reformierten Kirche Cham. Doch das Projekt wird nicht weiterverfolgt. [7] Schliesslich erbaut er auch das Haus Poststrasse 7, ein Wohnhaus im Heimatstil mit anklingenden Barockformen. [8]

1908 Miesch erbaut das (erste) Strandbad im Hirsgarten, einen Holzbau, der auf Schwimmkörpern im See liegt und durch bewegliche Eisenbrücken mit dem Ufer verbunden ist. [9] Auch im Bahnhofquartier wirkt er weiter: Er erbaut die Liegenschaft Poststrasse 13/15 im Heimatstil. Unter dem grossen Terrassenanbau befindet sich der Käsekeller der Käse-Exportfirma Lustenberger. [10]

1910 Miesch versteuert ein Vermögen von 31'000 Franken und ein Einkommen von 4500 Franken. [11] Er zählt damit zu den vermögenderen Chamern. Er erbaut auf eigene Rechnung das Restaurant Laube direkt beim Bahnhof (später Restaurant Bahnhof). [12] Er setzt dabei auf typische Elemente des Schweizer Heimatstils. Die Bauweise ist aufschlussreich: Massive Elemente zeigen städtische Züge, hölzerne Elemente stehen dagegen für das einheimische, ländliche Bauen. Miesch erhält vom Gemeinderat die Bewilligung «zur Führung einer Speisewirtschaft beim Bahnhof Cham». [13] Im gleichen Jahr baut Miesch auch das Haus Poststrasse 3 [14], das dreigeschossige Gebäude mit dem Delikatessengeschäft im Erdgeschoss (ab 1922 Apotheke Anklin). Schliesslich entwirft er auch das Schulhaus Holzhäusern, ebenfalls im Heimatstil, das von Baumeister Kost aus Küssnacht am Rigi realisiert wird. [15]

1911 Miesch ist nun als Vertreter der Freisinnigen im Kantonsrat. [16] Als Baumeister wirkt er auch an der Rigistrasse: Das Gebäude Rigistrasse 23 erstellt er im Heimatstil und direkt neben der kompakten Arbeiterhaus-Reihenhauszeile. [17] Für die Papierfabrik Cham erbaut Miesch an der Sinserstrasse 16 ein neubarockes, geradezu herrschaftlich wirkendes Arbeiter-Wohnhaus. [18] Miesch beschwert sich beim Gemeinderat über die Art der Aushebung des Morastes aus dem Graben beim Bahnhof. Der Gemeinderat leitet das Anliegen an die kantonale Sanitätsdirektion weiter. Doch der Regierungsrat erklärt sich für nicht zuständig. Miesch droht daraufhin mit der «Verstopfung der Wasserzuläufe». [19] Zudem trägt Miesch einen weiteren Kampf mit den Gemeindebehörden aus. Er wird gerügt, auf der Rigistrasse ohne Bewilligung einen Dohlenanschluss erstellt zu haben. Dazu hätte er eine Bauhütte aufgestellt, ohne die gesetzliche Distanz einzuhalten. Miesch wehrt sich damit, dass die Hütte temporär sei und er die Strasse im Auftrag der Wasserwerke aufgerissen habe. «Ihm sei nicht entgangen, dass das Bauamt ihm in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit widme.» Gegen diese Unterstellung verwahrt sich das Bauamt. [20]

1912 Baumeister Hans Miesch erbaut auf der «Rabenmatt» das Postgebäude mit Wohnungen, die Liegenschaft Luzernerstrasse 17. Dazu reisst er die alte Rabenscheune ab. Miesch fungiert als Architekt und als Bauherr. Sein Stil hat sich gewandelt: War er ursprünglich dem Heimatstil verpflichtet, baut er nun repräsentative Neubarockbauten. [21] Gleichzeitig arbeitet Miesch auch im Industriebau für die Papierfabrik Cham. Zusammen mit der grossen Zürcher Bauunternehmung Locher & Cie. realisiert er die Erweiterung der Fabrik für die Papiermaschine III. [22]

1913 In einem Brief vom 29. August legt Hans Miesch dem Gemeinderat seine Demission als Kantonsrat dar. [23] Einen Monat später ist Sachwalter Wettach eingesetzt. Und kurze Zeit später, am 12. November, gerät die Firma «Hans Miesch & Cie, Baugeschäft» in Konkurs. [24]

1914 Die Liegenschaften von Miesch gehen an die Hypothekargenossenschaft Cham, das Baugeschäft an seinen ehemaligen Mitarbeiter, Baumeister Wilhelm Hauser (1874–1943), der seit mindestens 1912 für Miesch arbeitet. [25]

1915 Miesch wandert mit seiner Familie nach Australien aus. [26]

1916 Die letzte Nachricht von Miesch stammt aus Sydney, Australien. Seither gilt Miesch als «spurlos verschollen». [27]

1921 Das Konkursamt meldet den Schluss des Konkursverfahrens Miesch & Cie. [28] Das Kantonsgericht erlässt einen «Verschollenheitsruf». Daraufhin meldet sich Jakob Zimmerli (1863–1940), Stadtpräsident von Luzern und Anwalt von Miesch. Er habe zuletzt am 2. Februar mit seinem Mandant Kontakt gehabt.

1941 Obwohl zwischenzeitlich «verschollen», dringt die Kunde nach Zug, dass Miesch am 14. Mai im Alter von 61 Jahren gestorben sei. [29]


Einzelnachweise

  1. Staatsarchiv Zug, PERAD (vereinzelt ist als Jahrgang auch 1872 vermerkt)
  2. Einwohnergemeindearchiv Cham, 10–49–11, Stimmregister der Niedergelassenen
  3. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 115
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 121
  5. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 110
  6. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 1, Das ehemalige Äussere Amt, Bern 1999, S. 68
  7. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 102, 130
  8. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 132
  9. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 112
  10. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 132
  11. Steuerregister des Kantons Zug pro 1910, S. 107
  12. Steuerregister des Kantons Zug 1910, S. 119
  13. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Protokolle Einwohnerrat 1910–1917, Nr. 20/1910
  14. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 132
  15. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 411
  16. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  17. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 133
  18. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 139
  19. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Protokolle Einwohnerrat 1910–1917, Nr. 355/1911, Nr. 429/1911 und Nr. 451/1911
  20. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Protokolle Einwohnerrat 1910–1917, Nr. 505/1911 und Nr. 517/1911
  21. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 116 und 127
  22. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 266
  23. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Protokolle Einwohnerrat 1910–1917, Nr. 1682/1913
  24. Entscheidungen der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer, 14.07.1914
  25. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Protokolle Einwohnerrat 1910–1917, Nr. 849/1912
  26. Staatsarchiv Zug, G 331.1, Erbaufrufe und Verschollenerklärungen 1882–1977, Verschollenheitsaufruf Hans Miesch von Titterten
  27. Staatsarchiv Zug, G 331.1, Erbaufrufe und Verschollenerklärungen 1882–1977, Verschollenheitsaufruf Hans Miesch von Titterten
  28. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50006, Protokolle Einwohnerrat 1917–1922, Nr. 3565/25.10.1921
  29. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]