Hünenbergerstrasse 22

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Hünenbergerstrasse 22, Ansicht von Süden, 09.04.2022
Hünenbergerstrasse 22, Ost-West-Ansicht, 09.04.2022
Hünenbergerstrasse 22, West-Ost-Ansicht, 09.04.2022
Hünenbergerstrasse 22, Nordansicht, 09.04.2022

An der Hünenbergerstrasse 22 steht eine Villa von 1904. Sie zeigt Elemente des Jugendstils und des Heimatstils. Das Haus bildet den Abschluss eines denkmalgeschützten Ensembles mit vier Liegenschaften.


Chronologie

1904 Der Baumeister Hans Miesch (1880–1941), seit einem Jahr in Cham, erbaut die Häuser Hünenbergerstrasse 16, 18, 20 und 22 als Ensemble. Die dreigeschossigen Bauten sind geprägt von den grossen Mansardwalmdächern. [1] Miesch geht ein grosses unternehmerisches Risiko ein: Denn er erstellt die Häuser als 24-jähriger, von auswärts zugezogener Baumeister auf Vorrat und verkauft sie dann. [2]

1908 Vier Jahre nach der Erstellung kann Hans Miesch das westlichste Haus des Ensembles, die Hünenbergerstrasse 22 (Ass.-Nr. 295a), verkaufen. Beim Käufer handelt es sich um Josef Martin Niederberger. [3]

1909 Schon ein Jahr später geht das Haus an Carl Josef Ehrler über. [4]

1911 Per 7. August kauft Carl Werder-Bütler die Liegenschaft. [5]

1922 In diesem Jahr übernimmt Anna Werder-Bütler das Haus Hünenbergerstr. 22. [6]

1958 Die Liegenschaft geht an Vinzenz Nietlispach-Ochsner (1906–1990). [7] Er ist Angestellter der Wasserwerke Zug.

1984 Vinzenz Nietlispach-Ochsner schenkt das Gebäude seiner Frau Verena Nietlispach-Ochsner (1917–2015). [8]

2022 Die Liegenschaft gehört Regula Agatha von Lührte-Nietlispach. [9] Sie wohnt dort mit ihrem Mann Michael, dem Inhaber der MVLcoffee GmbH und dem Geschäftsführer der IG Kaffee Schweiz.

Die Liegenschaft steht unter Denkmalschutz. [10]


Falsches Gerücht

Es wurde kolportiert, dass die Käufer dank Spekulation mit Aktien der Anglo-Swiss Condensed Milk Company zu Wohlstand gekommen seien und deshalb nun die Häuser von Miesch hätten kaufen könnten. [11] Doch diese Vermutung ist wahrscheinlich falsch, weil die Börsenkurse der Anglo-Swiss ab 1902 am Sinken waren; erst nach der Fusion mit der Nestlé SA im Jahr 1905 erholen sich die Kurse wieder. Deshalb könnte sich der Begriff «Spekulationshäuser» auf das grosse Wagnis von Bauherr und Baumeister Hans Miesch bezogen haben: Er erbaute als 24-Jähriger, aus dem Baselbiet stammender Auswärtiger die Häuser auf eigenes Risiko und verkaufte sie dann. Er spekulierte damit, dass er Käufer finde.


Würdigung

Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug schreibt über das Haus: «Die Wohnhäuser an der Hünenbergerstrasse zeigen eine einfache Heimatstilarchitektur mit Einflüssen des Jugendstils. Prägend für die ganze Häuserreihe ist der gleichbleibende strassenseitige Zwerchgiebel unter einem Krüppelwalm, dessen holzverkleidete Dachuntersicht in geschweifter Form das Fachwerk rahmt. Zur Bauzeit am Rand des Dorfzentrums gelegen, steht die Baugruppe heute am Beginn der ausgedehnten Wohnquartiere im Westen und prägt in ihrer Reihung das Ortsbild entscheidend. Architekturhistorisch interessant sind die im Grunde städtisch angelegten Mehrfamilienhäuser mit Mansarddach, Jalousien und Umschwung in ihrer frühen Verwendung von Gestaltungselementen des Heimatstils[12]


Bewohnerinnen und Bewohner


Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 121
  2. Furrer, Benno / Grünenfelder, Josef, Häuser am Weg 1 [Faltprospekt]: Zentrum, Baar 2006
  3. Staatsarchiv Zug, G 617.6.3, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 2. Band. Freundliche Mitteilung von Philippe Bart, Staatsarchiv Zug, 08.03.2022
  4. Staatsarchiv Zug, G 617.6.3, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 2. Band
  5. Staatsarchiv Zug, G 617.6.3, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 2. Band
  6. Staatsarchiv Zug, G 617.6.3, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 2. Band
  7. Staatsarchiv Zug, G 617.6.5, Assekuranzregister Cham, 3. Generation (1929–1960), 2. Band
  8. Staatsarchiv Zug, G 617.6.6, Assekuranzregister Cham, 4. Generation (1960–1990), 1. Band
  9. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 48 [Stand: 18.05.2022]
  10. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Datenblatt Hünenbergerstr. 22, aufgerufen am 04.03.2022
  11. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 282
  12. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Inventarblatt der geschützten Denkmäler, Hünenbergerstrasse 22 [Stand: 03.03.2022]