Hirsgarten

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150212 Hirsgarten St-Andreas.jpg

Die Halbinsel St. Andreas um 1910; im Vordergrund der Hirsgarten mit der Badeanstalt


Eine Aufnahme aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit der Villette im Vordergrund, dahinter der Hirsgarten und das Schloss St. Andreas
Der Hirsgarten mit der ersten «schwimmenden Badeanstalt» während eines Föhnsturms im Juli 1932
Luftaufnahme Hirsgarten, Lorzenausfluss und Villette, 2004
Der nördlichste Teil des Hirsgarten mit der Villette-Brücke, 2018


Die Hirse wird in Cham bereits im Spätmittelalter angebaut und gegessen. Sie gab auch einer seit dem frühen 20. Jahrhundert bestehenden Parkanlage am Lorzenausfluss ihren Namen: dem Hirsgarten. Vom Frühling bis in den Spätherbst ist der grosse Garten am Zugersee ein beliebtes Begegnungs- und Festareal – eigentlich ist mehr ein Park als ein einfacher Garten. Viele grosse und auch kleinere Ereignisse wie Fussball- und Beachvolleyball-Turniere, das Kinderfest des Vereins ZUKI, die offizielle Bundesfeier am Ersten August oder das Finale des alle zwei Jahre stattfindenden Räbeliechtiumzugs ... die verkehrsfreie Lage und die atemberaubend schöne Aussicht auf den See und die Innerschweizer Berglandschaft machen den weitgehend freigehaltenen Hirsgarten zu einem einzigartigen und für alle zugänglichen Raum.


Beschreibung des Parks 2018

Der Hirsgarten gehört der Einwohnergemeinde Cham. Die von der Seestrasse unterteilte Parkfläche umfasst 1,891 Hektaren (davon 1,190 Hektaren Gartenfläche). Im Park befinden sich die Anlegestelle der Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee AG (SGZ), ein grosszügiger, bekiester Rundweg, eine Fahnenanlage mit den elf Zuger Gemeindewappen sowie zwei Liegenschaften: die Badeanstalt Hirsgarten und die WC-Anlage / Festküche im nördlichen Teil unmittelbar an der Eisenbahnlinie Zug–Luzern. [1]


Chronologie

1417 Nördlich der Halbinsel St. Andreas bis etwa ins Gebiet des heutigen Zentrums Neudorf ist der Flurname Hirsgarten seit dem frühen 15. Jahrhundert immer wieder in Schriftquellen nachweisbar. Der nördlichste Teil wird im 17. und 18. Jahrhundert auch innerer Hirsgarten genannt. [2]

1883 Um die Fläche am Zugersee besser nutzen zu können, verlocht die Anglo-Swiss Condensed Milk Company ausgediente Kondensierkessel. Die Einwohnergemeinde Cham streitet mit David Steven Page (1844–1903) um Ausladerechte an der Lorze; trotzdem tritt dieser der Gemeinde ein Stück Riedland ab: der moderne Hirsgarten. Gemeindepräsident Hieronymus Baumgartner (1850–1929) lässt das Gelände auffüllen und eine Quaimauer bauen (was ihm den Vorwurf einträgt, er verschleudere Steuergelder). Der Kanton nutzt die neue Fläche am See umgehend als Ablageplatz für Schutt- und Baumaterial aus dem gemeindlichen und kantonalen Strassenbau. Als die Chamer dafür Gebühren erheben wollen, kommt es erneut zu Rechtsstreitigkeiten. [3]

1886 Die Anglo-Swiss Condensed Milk Company erstellt auf dem Gelände eine erste Badeanstalt, damit die Fabrikarbeiter dort baden können. [4]

1899–1905 Nach dem Tod von George Ham Page (1836–1899) kann die Gemeinde 48'500 Quadratmeter südlich der Bahnlinie erstehen. Davon verkauft die Gemeinde 1905 28'200 Quadratmeter an Adelheid Page-Schwerzmann (1853–1925).

1906 Erst die Inbetriebnahme der Anlegestelle für die Dampfschiffe schärft das Bewusstsein für die einzigartige Schönheit dieser Lage am See.

1907 Der Bau der Bahnunterführung beim Lorzenausfluss macht den Park am See besser zugänglich. [5]

1908 Baumeister Hans Miesch (1880–1941) errichtet eine öffentliche Badeanstalt. Der Holzbau liegt auf Schwimmkörpern im See und ist durch bewegliche Eisenbrücken mit dem Ufer verbunden. [6]

1910 Am 14. Juni wird der «Football-Club Cham», der erste Fussballclub des Kantons, gegründet. Der Hirsgarten ist das erste Trainingsgelände, wobei die Spieler die Torstangen selber mitbringen müssen. [7]

1916–1917 Mitten im Ersten Weltkrieg finden im «Areal der Badeanstalt», also im Hirsgarten, Fussballturniere mit Sechsermannschaften statt. Beide Male geht der FC Cham als Turniersieger vom Feld. Bis zur Saison 1920/21 wird zumindest saisonal im Hirsgarten weiter trainiert. [8]

1942 Im Zweiten Weltkrieg wird im Rahmen der Anbauschlacht auch im Hirsgarten eine grosse Landfläche bepflanzt und für die Nahrungsmittelproduktion genutzt. [9]

1949–1950 Die Einwohnergemeinde errichtet zwischen dem Villettepark und dem Hirsgarten eine Bogenbrücke.

1954 Im Hirsgarten wird die neue Badeanlage nach dem Entwurf von Architekt Otto von Rotz (1914–2009) eröffnet. [10]

1960 Im Hirsgarten trägt die Chamer Jugend das «1. Chamer Schüler-Fussballturnier» aus. Ein Jahr geht an derselben das erste Grümpelturnier über die Bühne. Ab 1965 wandelt sich dieses Turnier zum reinen Dorfturnier. [11]

1979 Auf der Hirsgartenwiese trifft sich am Zuger Kantonalschwingfest die einheimische Schwingerelite im Sägemehl. Das Schwingfest wird vom Schwingklub Cham-Ennetsee organisiert. Es gewinnt Paul Bachmann aus Baar.

1987 Mit einer Reihe von Veranstaltungen feiert Cham vom 28. bis zum 30. August seine Stadtwerdung. Im grossen Festzelt im Hirsgarten wird der Festakt mit Gemeindepräsident (Stadtpräsident) Karl Bienz (*1939) und dem 10’000sten Einwohner, Karl Nussbaumer, zelebriert. [12]

1992 Am 27. Januar treffen sich rekordverdächtige 595 Personen zur Gemeindeversammlung: Die Versammlung verläuft sehr emotional, mit vielen Pfiffen und Zwischenrufen. Der Antrag des Gemeinderates, die Badeanstalt im Hirsgarten abzubrechen, scheitert. [13] Im November werden für die Sanierung der Badeanstalt 388'000 Franken freigegeben. [14]

1997 Am 17. Juli sendet das Schweizer Fernsehen die Sendung «Donnschtig-Jass» aus dem Hirsgarten. Die Vertreter der Stadt Murten FR jassen erfolgreicher als ihre Kontrahenden aus Schwarzenburg BE. Der Verkehrsverein und verschiedene Chamer Vereine organisieren ein Volksfest. [15] Am 15. Dezember kommt es im Zusammenhang mit dem Hirsgarten wieder zu einer Gemeindeversammlung, die sehr hohe Wellen wirft: Die Chamerinnen und Chamer wollen kein Hotel auf ihrem Festplatz. Das zweigeschossige, innerhalb eines Monats aufbaubare und wieder demontierbare Hotelprojekt «Pergola» der Architektin Rosemarie Müller-Hotz und von Ingenieur Peter Pfister aus Cham hätte zwei Jahre im Hirsgarten stehen sollen, um Erfahrungen für die Hotellerie an der EXPO 2002 im Dreiseenland zu sammeln. Die «Zuger Nachrichten» fassen in ihrer Schlagzeile zusammen: «Das Projekt ist gut, der Standort miserabel.» Die Chamer Pioniere von der NRS-Team GmbH können schliesslich an der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover zehn Multiservicekomplexe realisieren. [16]

2012–2014 Die Seeuferanlagen im Hirsgarten und weiter nördlich am Lorzenausfluss sowie der Schiffssteg der Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee AG (SGZ) werden saniert und neu gestaltet. Die alte Ufermauer war zum Teil stark unterspült. Im Zugersee müssen Facharbeiter zudem rund 27'000 Kubikmeter Seeablagerungen ausbaggern, um den Kursschiffen auch bei Niedrigwasser freie Fahrt zu ermöglichen. An der schweizweit einzigartigen hydraulischen und auch rollstuhlgängigen neuen Schiffstation kann die Einstiegshöhe des Stegs je nach Seewasserstand und Schiff angepasst gesteuert werden. [17]

2015–2016 Von September 2015 bis im Mai 2016 saniert die Gemeinde die Seestrasse und den Seeweg – über 3000 Quadratmeter Strassenfläche – und lässt 2,5 Kilometer Kanalisations-, Trinkwasser- und Kabelrohrleitungen verlegen. [18]

2018 Das 2013 entfernte Alpenpanorama am Zugersee wird im Auftrag von Cham Tourismus restauriert und in Zusammenarbeit mit der Einwohnergemeinde wieder am Seeufer platziert. Die Panoramatafel bildet die faszinierenden Erhebungen der Zentralschweizer Voralpen (Zugerberg, Rossberg, Rigi) sowie die Urner, Unter- waldner und Berner Alpen ab und enthält einen Kurzabriss der Chamer Geschichte – kombiniert mit einen Hinweis auf Chamapedia. [19]

Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. www.zugmap.ch, Einträge Grundstücknummern 286 und 311 [Stand: 15.01.2018]
  2. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 570, S. 272–278 (Urbar der Stadt Zug in Cham). Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 2, S. 461–463
  3. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 302
  4. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 295
  5. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 112
  6. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 112
  7. Niggli, Leo / Kleiner, Rudolf, Jubiläumsschrift 75 Jahre Sportclub Cham 1910–1985, Cham 1985, S. 16
  8. Niggli, Leo / Kleiner, Rudolf, Jubiläumsschrift 75 Jahre Sportclub Cham 1910–1985, Cham 1985, S. 18, 45
  9. map.geo.admin.ch, Luftbild von 1942 [Stand: 15.01.2018]
  10. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 17.07.1954
  11. Niggli, Leo / Kleiner, Rudolf, Jubiläumsschrift 75 Jahre Sportclub Cham 1910–1985, Cham 1985, S. 45
  12. Zuger Nachrichten, 31.08.1987
  13. Zuger Nachrichten, 28.01.1992
  14. Zuger Kalender, Chronik 04.11.1992
  15. Zuger Nachrichten, 18.07.1997
  16. Zuger Nachrichten, 16.12.1997. www.nrs-team.ch [Stand: 21.12.2017]
  17. Neue Zuger Zeitung, 16.05.2014 und 15.04.2015
  18. Neue Zuger Zeitung, 02.05.2016
  19. Medienmitteilung der Einwohnergemeinde Cham, 13.06.2018