Sidler-Schnurrenberger August (1896–1983)

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August Sidler-Schnurrenberger war ein Chamer Elektriker, Visionär und Erfinder. Zudem war er sehr aktiv im örtlichen Musik- und Theaterleben.

Portrait von Sidler-Schnurrenberger August (1896–1983)
Portrait von August Sidler-Schnurrenberger (1896–1983)

Vorname: August
Nachname: Sidler-Schnurrenberger
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 6. November 1896
Geburtsort: Zug ZG
Todesdatum: 4. November 1983
Todesort: Cham ZG



August Sidler um 1923
Porträt des Chamer Malers Robert Schiess, August Sidler als «Turandot», 1925
Die Mitwirkenden des Theaterstücks «Lumpazi Vagabundus» von 1923: sitzend zweite von rechts im weissen Kleid: Emma Schnurrenberger (1903–1971), sitzend vierter von rechts: August Sidler
Das Haus an der Hünenbergerstrasse 12, wo August Sidler sein Elektrogeschäft eröffnete, um 1930

Stationen

1896 August Sidler wird am 6. November in Zug als zweites Kind von Zigarrenmacher August Sidler (1868–1953) und Maria Theresia geb. Fretz (1873–1961) geboren. Weil der Vater 1897 schwer erkrankt und die Mutter für den Unterhalt der Familie sorgen muss, leben August junior und seine Schwester Ida (1895–1980) bis 1902 bei der Familie von Schlossermeister Maurer in Enikon. [1]

1903 Sidler wird in Zug eingeschult, zieht dann mit der Familie nach Feldbach ZH und Goldau SZ, bis sein Vater 1906 in Cham bei der Nestlé eine Stelle findet. In der Sekundarschule in Cham schätzt der junge August vor allem den Unterricht bei Lehrer Josef Müller (1866–1841) und dessen grosses Wissen über Natur und Technik.

1911 Mit 14 Jahren beginnt August Sidler eine Lehre als Elektriker in der Schlosserei Staub+Kreis in Zug, die er dank viel Selbststudium 1914 als erster gelernter Elektriker des Kantons Zug abschliesst.

1915 Während des Ersten Weltkriegs absolviert Sidler die Rekrutenschule als Mitrailleur und leistet Grenzdienst. Er bekommt – wie sein Vater – eine Anstellung in der Nestlé in Cham und ist daneben Mitglied im Turnverein, später auch in der Theatergesellschaft und im Orchesterverein, wo er zweite Geige spielt.

1921 Zwar erst 25 Jahre jung, übernimmt August Sidler bereits das Präsidium der Theatergesellschaft Cham.

1922 Die Theatergesellschaft Cham spielt den «Lumpazi Vagabundus». Bei den Proben lernt August Sidler seine spätere Frau Emma Schnurrenberger (1903–1971) kennen und spielt mit ihr im folgenden Januar zwei Hauptrollen.

1923 Im Frühling heiraten August Sidler und Emma Schnurrenberger. Dieser Ehe werden später die Töchter Elfriede (*1925) und Erika (*1930) sowie August (*1940, genannt «Guschti») und Rudolf (*1942, bekannt als «Ruedi») geschenkt. Im gleichen Jahr, am 1. Oktober, wagt Sidler den Schritt in die Selbstständigkeit: Er eröffnet sein eigenes Elektrofachgeschäft an der Sinserstrasse 5 (in der Liegenschaft von Jakob Kaufmann).

1925 Die Theatergesellschaft spielt den «Turandot» von Friedrich Schiller (1759–1805); für die Bühnendekoration wird Sidler in seiner Rolle von Maler Robert Schiess porträtiert. Beruflich entwickelt sich der junge Geschäftsmann: Am 30. März kann er sein erstes Patent anmelden (Nr. 113300). Er hat ein Gerät mit elektrisch geheiztem Messer zum Ablösen der Wachsschicht auf den Waben von Honigbienen entwickelt. Dieses wird international ausgezeichnet.

1927 Der berufliche Erfolg manifestiert sich im Bau eines Mehrfamilien-Geschäftshauses an der Hünenbergerstrasse 12, wo Sidler Wohnung und Werkstatt einrichtet und das Ladenlokal bis 1938 mit dem Fotografen Josef Greter (1892–1968) als Mieter teilt.

1931 August Sidler erledigt elektrische Installationen jeder Art, verkauft Elektrogeräte, Lampen und Schallplatten, produziert Bienenwabenhobel, baut Radios mit Komponenten, die er aus Deutschland importiert, bildet Lehrlinge aus und stellt rotierendes Angelzeug zum Fischen her.

1938 Fotograf Josef Räber (1916–2008) mietet die Räume an der Hünenbergerstrasse 12, welche bisher Fotograf Josef Greter benutzte.

1942/1943 Antizyklische Investition zu Kriegszeiten: Sidler erweitert seine Liegenschaft an der Hünenbergerstrasse, in dem er die Werkstatt vergrössert und eine Wohnung für seine Eltern anbaut.

1946 Als Chamer Gewerbetreibende die Zunft zur WEA (Weihnachtsausstellung) gründen, ist Sidler tatkräftig dabei. Er ist der festen Überzeugung, dass nach den Kriegsjahren ein wirtschaftlicher Aufschwung bevorsteht.

1949 Sidler erfindet weiter und meldet das Patent Nr. 279744 am 27. August an: ein Hauptsicherungskasten auf der Basis von Gips, der verhindert, dass Blitzschläge in die elektrischen Leitungen zu Haus- und Scheunenbränden führen.

1950 Als Freund von Musik und Theater möchte Sidler einen zentralgelegenen Chamer Theater- und Konzertsaal. Er versucht die Einwohnergemeinde zu überzeugen, das Gebiet links der Lorze (Goldmatt) von der Nestlé zu kaufen. Allerdings vergeblich.

1951 Geschäftlich arbeitet Sidler mit der Firma Hermann Lanz AG in Murgenthal AG zusammen, welche die Hauptsicherungskästen schweizweit verkauft und sie SIPA («Sidler Patent») nennt, was auch der Produktname für weitere Sidler-Erfindungen wird. Zudem arbeitet er bei den erfolgreichen Sommernachtspielen «Eine Nacht in Venedig in Cham» mit, als Chef der Beleuchtung und der elektrischen Installationen.

1952 Sidler gelingt es, mitten in Cham einen Teil der alten Nestléfabrik an der Zugerstrasse 6 zu kaufen, er produziert die Hauptsicherungskästen in Serie. In diesen Räumen (Baujahr 1882) hat er schon als junger Elektriker bei der Nestlé gearbeitet. Nebenher betätigt er sich wieder kulturell: Er sorgt für die Beleuchtung und die elektrischen Installationen bei den Sommernachtspielen «Der Bettelstudent».

1954 Die zunehmende Konjunktur verlangt eine Konzentration auf die Herstellung von SIPA-Produkten. Sidler verkauft sein Elektrofachgeschäft an der Hünenbergerstrasse 12 an Eugen Erzinger-Küng (1917–1995).

1955 An der Zugerstrasse 6 wird eine mechanische Werkstätte eingerichtet; darin kann Sidler Messingformen selber fertigen, die für das Giessen der Hauptsicherungskästen notwendig sind.

1958 Sidler engagiert sich mit Überzeugung gegen das Autobahnprojekt durch den Villette-Park. Er macht sich dabei aber bei den Bauern unbeliebt.

1967 Schon wieder eine Sidler’sche neue Erfindung, die es zum Patent bringt (Nr. 469381 vom 2. August): Es handelt sich um ein Baukasten-Tableau auf der Basis von Kunststoffrahmen, welches erlaubt, alle Arten von Stromverteilanlagen bei Hausinstallationen rationeller zu fertigen.

1969 Generationenwechsel in der Firma: Sohn Rudolf übernimmt die Firma und führt sie mit seiner Frau Vreni zu weiteren Erfolgen in elektrischen Verteilanlagen wie auch in der mechanischen Fertigung. Vater Sidler steht als einfacher Arbeiter mit Rat und Tat zur Verfügung, ist aber froh, von der Verantwortung entbunden zu sein.

1971 Sidlers Ehefrau Emma stirbt. August Sidler, mittlerweile 75 Jahre alt, geht weitere zehn Jahre mit der Pünktlichkeit einer Uhr seiner geliebten Arbeit nach. Er schätzt Diskussionen über Zukunftsideen mit Leuten, die eine Generation jünger sind als er, verkauft seine Liegenschaften an die Söhne.

1983 August Sidler verlässt diese Welt im Spital Cham am 4. November. Er wurde 87 Jahre alt.


Würdigung

August Sidler war ein innovativer Chamer Gewerbetreibender. Nicht nur erfand er diverse Elektroartikel und meldete diese beim Patentamt an. Er handelte pragmatisch, war aber im Denken seiner Zeit oft weit voraus. So etwa, als er gegen die Autobahn durch den Villettepark opponierte oder als er der Gemeinde Cham den Kauf der Goldmatt schon 1950 vorschlug.


Die Familie Sidler in Bildern


Einzelnachweise

  1. Alle Angaben aufgrund von Erika Zweifel-Sidler, August Sidler und Rudolf Sidler, August 2018