Goldmatt

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Liegenschaft Goldmatt, südlich des ehemaligen Hotel-Restaurants Bären
Ausblick vom Kirchturm in Richtung Nord-Ost, rechts die Liegenschaft Goldmatt, 1974

An dieser Stelle befand sich das Heimwesen von Matthias Bütler, genannt wurde es «Harzerburg». Der Chamer Milchkonzern «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» kauft 1899 das Gelände, das nun «Goldmatt» genannt wurde, und erbaut darauf ein Heiz- und Kesselhaus sowie eine Lokremise. Genau hundert Jahre später weichen die markante Fabrikanlage mit Sheddach und Fabrikkamin zugunsten der neuen Überbauung Dorfplatz.


Chronologie

1640 Erste Erwähnung einer «Goldmath» im Urbar der Pfarrkirche Cham. [1] Die betreffende Wiese gehörte zur nahen Pfarrkirche St. Jakob.

1877 Als erster Bau der Anglo-Swiss Condensed Milk Company westlich der Lorze entsteht ein Lagerschuppen.

1899 Die Anglo-Swiss Condensed Milk Company, im Volksmund «Milchsüdi» genannt, kauft das Gelände der Goldmatt mit Haus, Scheune und Waschhütte für 16'000 Franken.

1903 Die «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» baut auf der Goldmatt das Heiz- und Kesselhaus der Fabrik. [2] Das Fabrikgebäude aus Sichtbackstein weist ein charakteristisches Sheddach mit Oberlichtreihen sowie einen Fabrikkamin auf, [3] der weitherum sichtbar ist.

1910 Die «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» erstellt auf dem Gelände noch ein Lokomotivdepot und lässt eine Anschlussgeleise über die Lorze bauen, das zum Bahnhof Cham führt. Auf der Goldmatt verteilt ein Drehkreuz die Eisenbahnwaggons und die Lokomotive.

1950 In der Fabrikhalle sind die Werkzeugmagazine der «Gebr. Rüttimann A.-G. für elektrische Unternehmungen» untergebracht.

1951 Die Gebrüder Rüttimann optimieren die Fabrik für ihre Zwecke. Sie reissen die vier grossen Heizkessel heraus. Der Hochkamin wird von der Sappeur-Rekrutenschule aus Brugg gesprengt. Eine Demontage Stein für Stein wurde geprüft, wäre aber zu teuer geworden. Die Sprengung findet am einem Sonntagabend statt, damit komme die Bevölkerung «zu einem nicht alltäglichen Spektakel». [4]

1987 25 junge Künstler zeigen ihre Arbeiten in der leer stehenden Fabrikhalle. Das «Forum Junge Kunst» organisiert die Ausstellung. [5]

1988 Noch einmal stellen elf Künstlerinnen aus Zug, Zürich und London in der Goldmatt ihre Werke aus. Der Titel der Ausstellung lautet «137 Tage». [6]

1989 Die ganze Fabrikanlage weicht der neuen Gesamtüberbauung Dorfplatz und Lorzensaal.


Anekdote

Unter Chamer Schuljungen galt es gemäss Richard «Bigel» Heller als Mutprobe, den 26 Meter hohen Kamin der Fabrik auf der Goldmatt zu erklettern. Auf der Innenseite befand sich eine Leiter für Wartungsarbeiten. Wer vom Kamin runterstieg, war jeweils ziemlich schwarz.


Bildergalerie

Anfang 1989 beginnen die Abbrucharbeiten des Areals Hotel Bären / Goldmatt.


Einzelnachweise

  1. Bürgerarchiv Zug, A 5.26.1, Urbar Pfarrkirche Cham, S. 7
  2. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 176, 246
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 261
  4. Zugersee-Zeitung, 30.03.1951
  5. Zuger Neujahrsblatt 1989, Chronik 12.08.1987
  6. Zuger Kalender 1989, Chronik 02.05.1988