Dorfplatz 1, 2, 3-5, 4, 6

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Dorfzentrum, 02.06.1964
Nach dem. Abbruch des «Bären» bleibt karges Terrain zurück, 27.12.1989
Als das Chamer Dorfzentrum eine einzige Baustelle war: im Vordergrund die Einfahrt zum neuen Kreisel am Bärenplatz, dahinter die Überbauung Dorfplatz und der Lorzensaal, 05.09.1990
Kranlandschaft im Dorfzentrum: Ausdruck der starken Bautätigkeit, 05.09.1990
Das Dorfzentrum, 05.07.2019

Die Überbauung Dorfplatz mit dem Lorzensaal, der Gemeindebibliothek und den Bauten an der Luzernerstrasse entstand 1992: Sie sollte das Zentrum von Cham neu definieren und der stark wachsenden Ortschaft eine neue Mitte geben. Die Bauten stehen mit ihrer Erscheinung auch für den Übergang Chams vom Dorf zur Stadt.


Chronologie

1968 Die ersten Planungen für eine neue Zentrumsüberbauung südlich der Luzernerstrasse fangen an. Es wird zum Beispiel der Bau einer Mehrzweckhalle in Betracht gezogen. [1]

1985 Bauwillige Bodenbesitzer im Ortskern von Cham treffen sich. Es soll ein Investitionsvolumen von 80 Millionen Franken freigesetzt werden, mit privaten Wohn- und Gewerbebauten, dazu mit öffentlichen Bauten. Auch die katholische Kirchgemeinde ist mit Landabtretungen und –umlegungen involviert, ebenso beteiligt sich der Kanton Zug mit Neugestaltung der Bärenbrücke und der Strassenkreuzung auf dem Bärenplatz. [2]

1986 Cham will eine neue Mitte mit Dorfplatz, Lorzensaal, Gewerbe- und Wohnbauten schaffen. Das Areal dafür ist entsprechend gross und umfasst zentral gelegene Altbauten an der Lorze, das Hotel Bären, die Heizzentrale der Nestlé in der ehemaligen Fabrik Goldmatt sowie vier alte Häuser, unter anderem das Restaurant Ritter. Für Planung und Projektierung schreibt die Gemeinde Cham einen Architekturwettbewerb aus. Die Jury ist hochkarätig zusammengesetzt aus Ernst Gysel, Jakob Schilling, Walter Rüssli, Emil Aeschbacher und Fritz Wagner. [3] 38 Architekturbüros holen die Wettbewerbsunterlagen ab, 19 Büros reichen ihr Projekt ein. Die Jury berät die Vorschläge und wählt das Projekt «Lorzing» des Chamer Architekten Josef Stöckli (*1929) aus; es bekommt den ersten Preis und wird zur Weiterbearbeitung empfohlen. [4]

1987 Die Gemeindeversammlung spricht im Januar den Projektierungskredit für die grosse Überbauung. [5]

1989 An der Urnenabstimmung vom 4. Juni genehmigen die Chamerinnen und Chamer den Baukredit von 21,35 Millionen Franken: Darin enthalten sind der Bau des Gemeindesaales, der Gemeindebibliothek, des Dorfplatzes sowie ein Kostenanteil an der Tiefgarage sowie den Bau eines Teilstücks des Weges am Lorzenufer. Die Stimmbeteiligung betrug 53 Prozent, der Ja-Anteil lag bei 72,3 Prozent. Mit dem Abbruch des «Bären» fällt der Startschuss für die ganze Überbauung des Gebiets. [6]

1992 Die Bauwerke und der neue Dorfplatz sind fertig und werden bezogen. Architekt Josef Stöckli meint zum Dorfplatz lapidar: «... um es krass zu sagen, der Platz musste mit dem auskommen, was an Fläche übrig blieb.» [7] Der Baukredit betrug 21,35 Millionen, die effektiven Kosten beliefen sich auf 24,99 Millionen Franken. Am Samstag, 23. Mai, überflutet die Chamer Bevölkerung den Lorzensaal, die Gemeindebibliothek und den Dorfplatz, um das neue Zentrum kennenzulernen. Auf dem Gelände des «Milchsüdi»-Kesselhauses, auf den Liegenschaften des Hotels Bären und Restaurants Ritter sowie auf dem Land der Gebrüder Rüttimann ist für insgesamt 80 Millionen Franken ein neues Herz für Cham gebaut worden.


Erinnerungen des Architekten

«Wenn man da bauen könne, müsste die Befriedigung grenzenlos sein», dachte der Chamer Architekt Josef Stöckli beim Projektwettbewerb. Ehrfurcht flösste ihm die hochkarätig zusammengesetzte Jury ein mit Ernst Gysel, Jakob Schilling, Walter Rüssli, Emil Aeschbacher und Fritz Wagner. [8] «Hier, für eine Kleinstadt, kam nur ein Haus infrage, welches allen Ansprüchen dienen sollte: Theater, Konzerte, Operetten, Musicals, Versammlungen aller Art, Bankette, Tagungen, Ausstellungen usw., und zudem sollte für jeden Anlass, ob gross oder klein, ein Saal mit dem geeigneten Ambiente, passender Grösse und Bestuhlung angeboten werden können. Eine schwierige, aber spannende Aufgabe! Eine andere spezifische Eigenschaft der Bauaufgabe sah ich darin, herauszufinden, welche massstäbliche, kubische und aussenräumliche Erscheinung diesem zentralen Ort an der Lorzenbrücke gerecht werden könnte. Dritter Schwerpunkt bei der Konzeptfindung musste die Dramaturgie der Bewegung in der inneren räumlichen Abfolge sein.» [9] Und weiter: «Die Wettbewerbsaufgabe war recht komplex. Sie konnte nicht mit einer kühnen Vision gelöst werden. Sie verlangte ein wechselweises Arbeiten in Teilbereichen. Optimierte Subsysteme mussten zu einem optimierten Gesamtsystem zusammenfinden. Nach und nach trat die runde Form des Saalbaukörpers hervor, weil eine rechteckige Form der Situation nicht gerecht werden konnte.» [10]


Würdigung

Es war ein langer Weg bis zur Chamer Zentrumsüberbauung. Die ersten Planungen datieren aufs Jahr 1968, und bis zur Eröffnung 1992 vergingen 24 Jahre! Drei Kommissionen, fünf Gemeindeversammlungen und eine Volksabstimmung haben schliesslich Saalbau, Bibliothek und Dorfplatz möglich gemacht. [11] Der «Zuger Bautenführer» meint zur Überbauung: «Das Zentrum der Anlage bildete der Dorfplatz, der durch vier Wohn- und Geschäftshäuser mit Hotel in Blockrandbebauung zur Hauptstrasse abgeschlossen wird. Die Architektur der zwei westlichen Häuser an der Luzernerstrasse ist aus anderer Hand (Chris Derungs und Ruedi Achleitner). Südlich schliesst sich der Gemeindesaal mit Bibliothek an den Dorfplatz an. Der runde Baukörper des Saals führt über eine innere und äussere Rampe vom Dorfplatz zur Ebene des Uferwegs. Diese ist doppelt bemerkenswert: einmal, da sie eine neue Fussgängerverbindung betont und umlenkt, dann aber, indem sie dem Saalbau eine „Prozessionsrampe“ erster Güte anbietet. Stöckli hat mit seinem Entwurf den Wandel Chams vom Dorf zur Stadt städteplanerisch vollzogen. Obwohl einige Gestaltungselemente vom Zeitgeist stark getriebenes, statisches Blendwerk sind, überzeugen die Bauten in der kubisch klaren Modellierung.» [12]


1978 und 1994 im direkten Vergleich

150230 Dorfzentrum Überbauung 1978.jpg 150230 Überbauung Dorfplatz Luftaufnahme 1994.jpg
1978 Im Vordergrund steht das Restaurant/Hotel «Bären», dahinter die Goldmatt sowie die Häuserzeile entlang der Luzernerstrasse aus dem 19. Jahrhundert. Doch die Erneuerung des alten Kerns hat begonnen: Am rechten Bildrand ist der Neubau der Raiffeisenbank von 1976 zu sehen, im Bau (vorne) das Geschäftshaus Locher 1994 Die Überbauung Dorfplatz ist realisiert: Cham hat einen neuen Saal, den Lorzensaal, erhalten. Entlang der Luzernerstrasse schlängelt sich die Überbauung Dorfzentrum. Auf dem Areal der Goldmatt entlang der Lorze ist eine Wohn- und Geschäftsüberbauung entstanden. Der Friedhof im Hintergrund bleibt ein Ort der Ruhe, mit deutlich stärkerem Baumbestand.


Die Entwicklung des Dorfzentrums von 1904 bis 2019 in fünf Bildern


Aktueller Kartenausschnitt

Die Karte wird geladen …



Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 251
  2. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 356
  3. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 198
  4. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 202
  5. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 205
  6. Zuger Neujahrsblatt 1990, Chronik 18.01.1989
  7. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 203
  8. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 198
  9. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 198f.
  10. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 201
  11. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 251
  12. Zuger Bautenführer, Ausgewählte Objekte 1902–2012, hrsg. vom Bauforum Zug, Luzern 2013, S. 259