Sinserstrasse 1

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Das erste «Haus Locher» am Bärenplatz
Die zweiten Überbauung aus dem Jahre 1978/92, Aufnahme von 2016

Die Liegenschaft Sinserstrasse 1 liegt auf der nördlichen Seite des Bärenplatzes an einer städtebaulich bedeutenden Stelle. Weil es während 103 Jahren von der Familie Locher für deren Haushalts- und Eisenwarengeschäft genutzt wurde, heisst das Gebäude im Volksmund «Haus Locher».


Chronologie

1889 Das Haus am Bärenplatz mit seinem markanten turmartigen Erker wird für Magaziner und Eisenhändler Xaver Suter-Ritter erbaut. [1] Super hat das Stück Land dazu 1886 für 6000 Franken von Candid Muff erworben. [2] Der Turm korrespondiert mit dem kleineren, aber zwei Jahre zuvor erbauten Haus an der Sinserstrasse 2. Für Planung und Ausführung zuständig war der bekannte Zuger Architekt Dagobert Keiser senior (1847–1906). [3] Hausbesitzer Suter soll meistens im «Löwen» an der Zugerstrasse 1 gesessen haben, von wo er seine Ladentüre beobachten konnte. [4] Xaver Suter ist 1898 im Steuerregister mit einer «Eisenhandlung» aufgeführt. Er besitzt ein ansehnliches Vermögen von 8000 Franken. Ein Teil des Ladengeschosses war an Coiffeur Strübi vermietet, einem Dorforiginal. Nach Suter war offenbar eine Eisenhandlung Speck eingemietet. [5]

1905 Xaver Suter-Ritter verpachtet die Liegenschaft und verkauft sie ein Jahr später an Ernst Meyer. [6]

1909 Edmund Locher-Hürlimann (1877–1953) aus Oberegg AI kauft die Liegenschaft von Ernst Meyer für 64'000 Franken und eröffnet darin die Eisenwarenhandlung Locher. [7]

1913 Kurz vor dem Ersten Weltkrieg plant Edmund Locher den ersten Umbau der Eisenwarenhandlung. Architekt ist der in Cham wirkende Hans Miesch (1880–1941). [8]

1923 Die «Liegenschaftsschatzungskommission des Kantons Zug» schätzt den Wert des Gebäudes auf 70'000 Franken (Ertragswert) und 75'000 Franken (Verkehrswert). [9]

1978/79 Das Gebäude von 1889 ist in die Jahre gekommen und zunehmend unpraktisch. Es weicht einem Neubau des Hauptgeschäftes für die Firmen Locher (Eisenwaren, Haushalt und Spielwaren) und Gärtner (Teppiche, Vorhänge) im Zentrum von Cham. Architekt ist der Chamer Erich Weber. Die Kosten belaufen sich auf 2,15 Millionen Franken. [10]

1992 Das Gebäude in Cham erfährt durch die Aufstockung eine Erweiterung.

2012 Das Eisenwarengeschäft Locher schliesst nach 103 Jahren am Bärenplatz sein Chamer Stammgeschäft. [11] Die Raiffeisenbank Cham erwirbt die Liegenschaft. Sie vermietet die Liegenschaft verschiedenen Geschäften.

2014 Die Raiffeisenbank Cham präsentiert das Neubauprojekt «Mezzanin» für die Ecke Sinser-/Schulhausstrasse. Das neue Wohn- und Geschäftshaus wurde im Rahmen eines Architekturwettbewerbs aus elf Projekten ausgewählt.


Bildergalerie

Die Liegenschaft Sinserstrasse 1 im Laufe der Zeit


Abbruch der Liegenschaft Sinserstrasse 1, Oktober / November 2017


Neubau Raiffeisenbank Cham, 2018


Einzelnachweise

  1. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 119. Zugersee-Zeitung, 22.05.1953
  2. Kaufvertrag 14.12.1886, in: Firmenarchiv Locher, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Locher-Bär
  3. Zugersee-Zeitung, 16.07.1954
  4. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 348
  5. Zugersee-Zeitung, 22.05.1953
  6. Handschriftliche Notiz, undatiert, in: Firmenarchiv Locher, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Locher-Bär
  7. Kaufvertrag 11.09.1909, in: Firmenarchiv Locher, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Locher-Bär
  8. Umbauplan April 1913, in: Firmenarchiv Locher, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Locher-Bär
  9. Schatzungsprotokoll, 22.09.1923, in: Firmenarchiv Locher, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Locher-Bär
  10. Diverse Bauunterlagen, in: Firmenarchiv Locher, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Locher-Bär
  11. Neue Zuger Zeitung, 09.05.2012