Löwen

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Liegenschaft Zugerstrasse 1, «Löwen»
Der «Löwen», ein einfaches Haus neben der Bärenbrücke
Der Bagger reisst den «Löwen» nieder, 05.11.1996
Der «Löwen» wird dem Erdboden gleichgemacht, 11.11.1996

Gleich neben der neuen Bärenbrücke, an der Zugerstrasse 1, stand ab 1868 das bescheidene, zweigeschossige Gasthaus «zum Löwen». An das Restaurant gekoppelt war eine Bäckerei, zeitweilig auch eine Mühle an der Obermühlestrasse und ein Futtermittelbetrieb. Im «Löwen» verpflegten sich ebenso Fuhrleute wie Kaffeedamen – oder später die Käsekuchen- und Pizza-Liebhaber. Heute befindet sich an seiner Stelle ein Geschäfts- und Wohnhaus.


Chronologie

1868 Erster Nachweis eines Hauses «zum Löwen» gleich neben der neuen Bärenbrücke. [1]

1887 Neubau des Haus «Löwen» am strategisch günstigen Standort. Über die Bärenbrücke fahren damals tagtäglich Dutzende von Milchfuhrwerken mit schweren Ladungen für die «Milchsüdi», wie die Anglo-Swiss Condensed Milk Company im Volksmund genannt wird. Der Wirt des «Löwen» stellt auf dem Fenstersims Gläschen mit Bränz (Schnaps) für die Fuhrleute bereit, daneben ein Kässeli für das Entgelt.

1892 Theodor Grob senior (1857–1938) übernimmt den «Löwen», also Bäckerei, Wirtschaft und Kundenmühle. Bereits morgens um vier Uhr ist die Wirtschaft jeweils offen. [2]

1898–1899 Theodor Grob geht 1898 Konkurs und wird 1899 zu vier Jahren Gefängnis wegen Betrug sowie Wechsel- und Urkundenfälschung verurteilt. Seine Frau führt nun die Wirtschaft. [3]

1902 Im Dorf Cham gibt es 19 Häuser mit Telefonanschluss, eines davon ist der «Löwen». [4]

1905 Das legendäre Käsekuchenrezept des «Löwen» wird erfunden. Theodor Grob-Kaufmann (1893–1944) ist nicht nur Bäckermeister und Wirt, sondern auch noch Müller. [5]

1911 Theodor Grob junior ist einer Mitgründer des Sportclubs Cham. Er fungiert 1911 als erster Aktuar des Fussballvereins. [6]

1944 Theodor Grob junior stirbt mit erst 52 Jahren. [7] Sein Schwiegersohn Willy Uttinger-Grob (1914–2005) übernimmt die Mühle und den Futtermittelbetrieb, während seine Frau Louise zusammen mit ihren Töchtern Louise, Hanny und Marta das Restaurant weiterführt.

1952 Zu Weihnachten bietet die Bäckerei im «Löwen» an: Zöpfe, Lebkuchen, Pastetli, Patisserie, Birnenweggen, Hefengebäcke, Torten, Konfekt» usw.. [8]

1955 Josy und Alois Weber übernehmen Bäckerei und Beiz. Sie bieten vermehrt auch Patisserie an, etwa «Chräpfli» und 1961 per Inserat die «Schoggi-Spezialität Chamer Bärli», aber auch Schwarzwälder und Zuger Kirschtorten. Dazu gibt es in der Beiz, die sich nun etwas vornehmer «Restaurant» nennt, den «beliebten Haus-Coup, feine hausgemachte Glacé».

1960 Alois Weber kreiert eine neue Chamer Spezialität: die «zartschmelzenden Chamer Bärli», aus heller oder dunkler Schokolade. Die Kunden erhalten diese in einer Geschenkschachtel, die mit dem Schloss St. Andreas geschmückt ist. [9]

1974 Willy Uttinger schliesst die Mühle.

1976 Louise Grob-Kaufmann, die verdiente Wirtin und Bäckersfrau, stirbt im Alter von 81 Jahren.

1977 Alois Sidler-Omlin, ein ehemaliger Bäckerlehrling von Weber, übernimmt den «Löwen». Er findet das Käsekuchenrezept von 1905 und reaktiviert eine alte Tradition. Fortan steht der Käsekuchen wieder auf der Speisekarte.

1996 Im November 1996 wird das Gasthaus «Löwen» abgerissen.

1998 Bezug des Neubaus mit Geschäftsräumen, Praxen und Wohnungen. Bis 2012 bietet Alois Sidler-Omlin auch hier jeden Freitag seine beliebten Käsekuchen an.


Einzelnachweise

  1. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 182
  2. Zuger Volksblatt, 17.11.1892
  3. Zuger Nachrichten, 26.07.1898. Zuger Volksblatt, 18.11.1899
  4. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 105
  5. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 118
  6. Inserat in: Zugersee-Zeitung, 11.11.1960
  7. Zuger Neujahrsblatt 1946, Chronik 19.01.1944
  8. Inserat in: Zugersee-Zeitung, 19.12.1952
  9. Zugersee-Zeitung, 04.03.1960