Baumgartner Hieronymus (1850–1929)

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Hieronymus Baumgartner war freisinniger Gemeinderat, Kantonsrat und während 21 Jahren Gemeindepräsident von Cham, nämlich von 1889 bis 1910 – zu einer Zeit, als Cham in industrieller Blüte stand. Verheiratet war er mit einer Huser vom «Hecht» in Zug, mit der er zwei Töchter hatte. Gelernt hatte Baumgartner den Beruf des Bäckers und des Müllers; zeitweilig gehörte ihm das Restaurant Hecht mit dazugehöriger Brauerei in Zug, zeitweilig auch der «Bären» in Cham mit angegliederter Metzgerei.

Portrait von Baumgartner Hieronymus (1850–1929)
Portrait von Baumgartner Hieronymus (1850–1929)

Vorname: Hieronymus
Nachname: Baumgartner
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 12. März 1850
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 15. Dezember 1929
Todesort: Cham ZG
Beruf: Bäcker, Müller, Gemeinderat, Kantonsrat, Gemeindepräsident
Partei: Freisinnig-Demokratische Partei FDP





Stationen

1850 Hieronymus Baumgartner kommt am 12. März in der Obermühle in Cham zur Welt. Sein Vater ist der Müller Moritz Baumgartner. Die Schulen besucht Hieronymus in Cham, in der Klosterschule Engelberg und bei den Jesuiten in Feldkirch. [1] Er lernt Müller und Bäcker und tritt nach den Ausbildungen in die väterliche Müllerei ein. Nach dem Verkauf der Obermühle an die Papierfabrik Cham baut Hieronymus an der Sinserstrasse ein neues Haus und betreibt darin seine Getreide- und Futtermittelhandlung. [2]

1880 Trotz der katholischen Bildung wird Hieronymus Baumgartner Mitglied der Freisinnigen Partei. Die Chamer wählen ihn in den Gemeinderat für die Freisinnigen (er bleibt bis 1910 im Rat). [3]

1881 Hieronymus Baumgartner kauft von der Familie seiner Frau die Liegenschaft «Hecht» in Zug samt Brauerei. Er restauriert das Gebäude und baut die Brauerei um. Später entfernt er diese. [4]

1886 Die Chamer wählen Hieronymus Baumgartner in den Kantonsrat. Er bleibt über vier Jahrzehnte bis 1926, also zehn volle Legislaturperioden, im Rat. [5]

1889 Hieronymus Baumgartner wird zum Gemeindepräsidenten von Cham gewählt (er bleibt bis 1910 im Amt). [6] Unter seiner Leitung entstehen das Feuerwehrdepot, das Spritzenhaus, die Turnhalle, das Schulhaus in Niederwil und weitere Bauten. Im Nekrolog heisst es dazu: «Es können nicht alle Bauten als glücklich betrachtet werden.» [7]

1893 Hieronymus Baumgartner verkauft den «Hecht» in Zug an Traugott Spiess von der gleichnamigen Bierbrauerei in Luzern. [8]

1894 Hieronymus Baumgartner übernimmt Betrieb und Haus des «Bären» in Cham und begründet damit die lange Eigentümerschaft der Familie Baumgartner.

1897 Hieronymus Baumgartner übergibt den Betrieb des «Bären» an Metzgermeister Paul Baumgartner-Hüsler.

1898 Hieronymus Baumgartner wird vom Stimmvolk des Kantons Zug in den Regierungsrat gewählt. Doch er lehnt die Wahl ab. [9] An seiner Stelle rutscht Fritz Spillmann (1846–1926) nach. [10]

1904 Der «Bären» bekommt einen grösseren Saal im Anbau, unmittelbar an die Bärenbrücke anschliessend. Der Saal ist im Innern mit Emporen geschmückt und nach aussen sichtbar durch hohe Rundbogenfenster. Dass Hieronymus Baumgartner zu dieser Zeit Gemeindepräsident von Cham ist, dürfte die Bauabwicklung zumindest nicht gebremst haben.

1910 Hieronymus Baumgartner ist ein entschiedener Gegner der neuen Verbindung über die Lorzentobelbrücke nach Menzingen und ins Ägerital.

1919 Mit Paul Baumgartner-Brandenberg (1895–1975) übernimmt die nächste Generation den «Bären». Er ist gelernter Metzger und diplomierter Metzgermeister. Seine Frau Rosa, geborene Brandenberg vom Schutzengel in Zug, trägt zum Florieren des Mehrfachgewerbes im «Bären» wesentlich bei. [11]

1926 Hieronymus Baumgartner tritt nach 40 Jahren (!) aus dem Kantonsrat zurück.

1929 Hieronymus Baumgartner stirbt nach kurzer Krankheit am 15. Dezember. [12]


Übername und Privates

  • Hieronymus Baumgartner war eine prägende Person der Chamer Politik. Aufgrund seiner Erscheinung mit üppigem Bart und aufgrund seiner Autorität bekam er den Übernamen «Der Löwe von Cham». [13]
  • Als 1910 die Abstimmung für den Bau der Lorzentobelbrücke nicht im Sinne von Hieronymus Baumgartner ausfällt, lehnt er die Einladung zur Siegesfeier in Menzingen telegrafisch mit einem Reim ab:
«Kann Eurer Einladung nicht recht trauen
zum Schmaus bei Most und Bier;
ihr könntet mir den Kopf zerhauen,
drum bleib ich lieber hier!»
  • Hieronymus Baumgartner war verheiratet war mit einer Huser ab dem «Hecht» in Zug, und sie hatten zwei Töchter. Ihnen blieben einige Schicksalsschläge nicht erspart. Eine Tochter, verheiratet mit Dr. Hess in Wädenswil, stirbt, ebenso ein Schwiegersohn (Hr. Wetterwald, Luzern), was ihm sehr nahe geht. [14]
  • Als Hieronymus Baumgartner irrtümlicherweise den Schnellzug ab Zug erwischte, zog er in Cham kurzerhand die Notbremse, was er den Bahnbeamten so erklärte: «Ich be dänk de Gmeindspräsidänt vo Chom!» [15]


Einzelnachweise

  1. Zuger Nachrichten, 18.12.1929
  2. Zuger Volksblatt, 16.12.1929
  3. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  4. Zuger Kalender 1936, S. 58
  5. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  6. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  7. Zuger Nachrichten, 18.12.1929
  8. Zuger Kalender 1936, S. 58
  9. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  10. Zuger Neujahrsblatt 1900, Chronik 27.11.1898 (Wahl)
  11. Zuger Nachrichten, 31.12.1975
  12. Zuger Neujahrsblatt 1931, Chronik 15.12.1929
  13. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 160
  14. Zuger Volksblatt, 16.12.1929
  15. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 160