Niederwil, Schulhaus

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Das Schulhaus von Niederwil, undatiert (1. Hälfte 20. Jahrhundert)
Das Schulhaus, um 1994
Blick vom Gibelwäldli hinüber auf das Schulhaus, 2013
Im Jahr 2013
1505 100 Niederwil Schulhaus Eingang 2019DSC 5794.jpg
Der Schulhauseingang mit schmiedeeisernem Geländer, 22.02.2019
Das Schulhaus mit dem 2016 erstellten Spielplatz, 22.02.2019

Das typische Kleinschulhaus in ländlicher Umgebung entsteht 1897/1898 am westlichen Siedlungsrand von Niederwil an der Landstrasse nach Rumentikon. Steigende Schülerzahlen und ein stetiger Ausbau des Stundenplans im Verlauf des 19. Jahrhunderts machen den Schulhausbau nötig. Unterrichtet werden die Schüler und Schülerinnen aus Niederwil und Umgebung von weltlichen Lehrkräften und bis 1973 von Menzinger Lehrschwestern.


Chronologie

1746/47 Im 1746 erbauten Kaplanenhaus von Niederwil wird 1747 eine Schulstube eingerichtet. [1]

1847 Der Chamer Pfarrer Fidel Alois Schell (1794–1858) möchte die Schulorte trennen, «so dass in Wil die Sekundarschule und in Rumendiken [d.h. im dortigen Schulhaus im Hungeli] die Primarschule» gehalten werden soll. Die Niederwiler Korporationsgenossen wollen aber nichts davon wissen: Die Kinder sollen weiterhin alle in Niederwil die Schule besuchen. [2]

1888 Die Schülerzahlen steigen kontinuierlich an. Der Schulraum im Kaplanenhaus ist in einem schlechten Zustand. Ein Neubau drängt sich auf. [3]

1891 Der Chamer Architekt Ernst Christian Oelhafen (*1848) legt ein erstes Projekt vor: Ein Schulhaus mit Spritzenmagazin, Turnraum, einer Lehrerwohnung und zwei Schulzimmern, das dem 1880 gebauten ersten Schulhaus in Hagendorn stark ähnelt. [4]

1892 Ein Jahr später präsentiert der Zuger Baumeister Johann Landis (1860–1936) neue Pläne für ein grösseres Projekt, dem das später ausgeführte Schulhaus in etwa entspricht. [5]

1897/1898 Die von «etwa 200 Mann» besuchte Gemeindeversammlung vom 2. Mai 1897 segnet den Schulhausbau ab, «an Stelle des bisherigen, von den Erziehungsbehörden seit Jahrzehnten als vollständig ungenügend und nicht zweckentsprechend gekennzeichneten Schulllokals». [6] Der Zuger Baumeister Leopold Garnin (1828–1904) leitet, teilweise wohl auch nach eigenen Plänen, während eineinhalb Jahren die Bauarbeiten. [7] Der Kanton Zug zahlt 15 Prozent als Subvention an den Schulhausneubau. [8]

Das einfache Landschulhaus mit Freitreppe entsteht am westlichen Siedlungsrand von Niederwil. Eingerichtet werden auch zwei Wohnungen, die eine für die Menzinger Lehrschwestern, die andere für Lehrer Jakob Nietlisbach (1862–1947), der zugleich auch in Hagendorn unterrichtet und 1898 in Niederwil noch einen Kirchenchor gründet. Zur Eröffnung am 16. Mai strömen 50 Kinder – 27 Knaben und 23 Mädchen – ins neue Schulhaus. Das schmucke Schulzimmer ist zu klein und die Lehrkräfte stossen bald an ihre Grenzen. Zur Entlastung werden ab dem Herbst 1898 in den oberen Klassen die Mädchen und Knaben getrennt unterrichtet. [9]

1961/1962 In den 1950er Jahren werden im Schulhaus in den beiden kleinen Schulzimmern rund 70 Kinder unterrichtet. An der Gemeindeversammlung vom 19. Februar 1961 bewilligen 312 Stimmberechtigte einen Kredit über 210'000 Franken, damit das Schulhaus u.a. um zwei geräumige Schulzimmer, einen Pausenraum und ein Material- / Lehrerzimmer erweitert werden kann. Der Chamer Architekt Hans Büchler erstellt auf der Nordseite einen Anbau mit Sheddach und einen neuen Turn- und Pausenplatz. Auf dem Schulareal wird ein Sandsteinbrunnen von Bildhauer Robert Schiess aufgestellt. [10] Am 30. Juni 1962 wird der neue Schultrakt eingeweiht. [11]

1985 Das Schulhaus wird für 0.53 Millionen Franken renoviert. [12]

1998 Am 16. Mai feiert man im Schulhaus Niederwil das 100-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Fest. Eingeladen sind die aktuell 55 Schulkinder, Eltern, Ehemalige und Behördenmitglieder. [13]

2014–2016 Die Aussenanlagen sind sanierungsbedürftig. Die Spielgeräte entsprechen nicht mehr den Sicherheitsvorschriften. Die Gemeindeversammlung vom 1. Dezember 2014 lehnt das in einem Wettbewerb ermittelte Siegerprojekt mit Kosten von 0.6 Millionen ab und verlangt vom Gemeinderat eine billigere und Kind gerechtere Lösung. Gut ein Jahr später nimmt die Gemeindeversammlung am 14. Dezember dann einen Kredit von 0.29 Millionen deutlich an. Die Arbeiten werden mehrheitlich von den Mitarbeitern des gemeindlichen Werkhofs ausgeführt und im Sommer 2016 abgeschlossen.

2019 Das Schulhaus ist im Inventar der schützenswerten Denkmäler enthalten. [14]


Zur Schulhauseinweihung 1962

Auszug aus einem Gedicht zur Einweihungsfeier von Lehrer Walter Kälin-Schönbächler (1914–1984):

«Härzli grüessed mir die viele Gäscht
und heissid alli willkomme zum Fäscht.
Niederwil hed es neus Schuelhus überchoh
und das macht üs glücklich und froh.

Und wenns dr Herrgott hüt tuet sägne
en Tämpel wird es gä fürs Läbe.
en Ort, der üs de Wäg söll zeige:
zum ewige Zill und Glück uf Ärde.
Drum wemmer alli, gross und chly
hüt fyre und luschtig sy derby. [15]


Lehrpersonen


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Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 169
  2. Einwohnergemeindearchiv Cham, P 20.2 (Privatarchiv Korporation Niederwil), Protokoll der Gemeindeversammlung vom 15.05.1847
  3. Gattiker, Werner et al., Mauritius, Milch & Münsterkäse. 100 Jahre Milchgenossenschaft Niederwil-Cham, Schwyz 2013, S. 95
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 170, 284
  5. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 170, 284
  6. Zuger Volksblatt, 04.05.1897
  7. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 170
  8. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 25.01.1900
  9. Schuelbär 1998, S. 3. Gattiker, Werner et al., Mauritius, Milch & Münsterkäse. 100 Jahre Milchgenossenschaft Niederwil-Cham, Schwyz 2013, S. 96
  10. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 170
  11. Zuger Kalender, Chronik 30.06.1962
  12. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 26.10.1985
  13. Schuelbär 1998, S. 10
  14. www.zg.ch, Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Inventar der schützenswerten Denkmäler, Grundstücknummer 850 [Stand: 14.01.2019]
  15. Schuelbär 1998, S. 7