Lorzenweidstrasse, Neues Schulhaus Hagendorn

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Das erste Schulhaus an der Lorzenweidstrasse 82, erbaut 1880
Herausgeputzt: das 1914/15 erbaute Schulhaus anlässlich der Einweihung der Erweiterung im November 1982
Die Schulanlage im Jahr 1989
Kinder spielen auf dem Hartplatz, Januar 1989
Die Schulanlage ist für Hagendorn auch ein soziales und gesellschaftliches Zentrum, um 1994
Luftaufnahme der Schulanlage, um 1994
Rechts das 2011 in Betrieb genommene Schulhaus Hagendorn 3, 27.02.2019
Blick von der neuen Umfahrungsstrasse, 27.02.2019
Schulanlage Hagendorn mit Begegnungszone, 27.02.2019

Bereits nach drei Jahrzehnten wird 1915 – mitten im Ersten Weltkrieg – in Hagendorn ein zweites Schulhaus gebaut und eingeweiht. 1968 kommt eine Mehrzweckhalle dazu. Zwischen 1980 und 2011 entwickelt sich das beschauliche Landschulhaus in vier Erweiterungsetappen zu einer modernen, energieeffizienten und bauökologisch pionierhaften Schulanlage.


Chronologie

1912 Das erste Hagendorner Schulhaus von 1880 ist schon nach gut drei Jahrzehnten den steigenden Schülerzahlen nicht mehr gewachsen. Die Gemeindeversammlung vom 22. Dezember – sie ist mit rund 450 Stimmberechtigten («eine noch nie dagewesene Zahl») sehr gut besucht – beschäftigt sich nur mit der Schulhausbaufrage. Das Projekt der Schulhausbaukommission sieht einen Neubau südlich des alten Schulhauses vor. Doch es gibt auch Opposition: Angeführt von Alt-Kantonsrat Gottlieb Villiger (1849–1916) kämpfen die Lindenchamer für ein eigenes Schulhaus. Wieder andere wie Kirchenratspräsident Albert Hildebrand (1864–1944) oder Bürgerpräsident Jakob Hausheer (1864–1957) wollen keinen Neubau, sondern einen Anbau an das bestehende Schulhaus. Trotzdem genehmigt die Gemeindeversammlung – bei der Schlussabstimmung sind noch 417 Stimmberechtigte anwesend – mit 261 zu 156 Stimmen den Baukredit von 102'000 Franken für den Bau eines neuen Schulhauses. [1]

1913 Im Sommer entwickelt sich eine Polemik um den idealen Standort: Der Zuger Regierungsrat fürchtet unweit der Lorze eine «Mückenplage», was – gemäss Zuger Volksblatt – selbst bei regierungstreuen Leuten nur noch Kopfschütteln auslöse. Auch der Zuger Kantonsarzt halte den Standort für «durchaus zweckentsprechend. [2] Die Gemeindeversammlung vom 7. September bekräftigt «nach langem, vielfach leidenschaftlichem Streite» einstimmig den früheren Beschluss für einen Schulhausneubau. [3]

1914/1915 Das neue Schulhaus wird vom Chamer Baumeister Wilhelm Hauser (1874–1943) und dem Chamer Bautechniker Johann Heinrich im damals typischen Heimatstil gebaut. Es hat vier Klassenzimmer, einen Handarbeits- und Gymnastikraum und einen Spiel- und Pausenplatz. Für viele Chamer Gewerbler ist der Schulhausbau mitten im Ersten Weltkrieg eine willkommene Einnahmequelle: Baumeister Emil Reggiori (1887–1978), Zimmermeister Gottlieb Muggli (1876–1954), Spengler Carl Ritter (1880–1951), Schlosser J. Dogwiler und für die Malerarbeiten Witwe & Sohn Rast. Nur die Gipser- und die Kunststeinarbeiten sowie die Schulzimmereinrichtungen gehen an auswärtige Bewerber. Die Bauabrechnung weist 128'885.83 Franken aus, wobei die Mehrkosten von knapp 27‘000 Franken mehrheitlich den kriegsbedingt stark gestiegenen Materialkosten geschuldet sind. Auf dem Schulhausplatz steht ein neubarocker Brunnen, der mit der Jahreszahl 1914 datiert ist. [4]

1966 Im Februar 1961 wird an der Gemeindeversammlung eine Motion erheblich erklärt, die verlangt, dass die Erstellung einer Mehrzweckturnhalle in Hagendorn zu prüfen sei. Nach vier Jahren Planung und aufwändigen Landverhandlungen genehmigt die Gemeindeversammlung am 19. Dezember – 386 Stimmberechtigte sind anwesend – den Baukredit von 0.96 Millionen Franken (inklusive Landerwerb). Gebaut werden eine Turnhalle mit Bühne und einem Raum für Geräte und Requisiten, Garderoben und diverse Nebenräume. [5]

1968 Die Gesamtverantwortung für den Bau liegt beim Chamer Architekten Otto von Rotz (1914–2009): Von Rotz erarbeitet einen schlichten architektonischen Aufbau des Gebäudes. Die einfache und klare Organisation soll mit Sichtbeton, Naturholz und schattengrauem Eternit sichtbar gemacht werden. Mit einer kleinen Feier der Schulkinder und zwei «bunten Abenden», organisiert von Männerchor, Turnverein und Schützengesellschaft Hagendorn, wird die Mehrzweckturnhalle am 17. Februar eingeweiht. [6]

1980 Die Gemeindeversammlung vom 3. November genehmigt einen «dringenden» Baukredit für die Erweiterung der Schulanlage südlich der Turnhalle von 1968 (Lorzenweidstrasse 81). Die Erweiterung ist notwendig: Bereits muss eine Schulklasse mit dem Schulbus nach Cham zum Unterricht chauffiert werden. Die Bruttokosten für den Neubau, welcher so konstruiert wird, dass er später aufgestockt werden kann, belaufen sich auf 1.81 Millionen Franken. Es entstehen u.a. drei neue Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer und verschiedene Nebenräume. Für Diskussionsstoff sorgen die 190'000 Franken für den Einbau einer Wärmepumpe. Die Chamerinnen und Chamer lassen sich aufgrund der hohen Heizölpreise aber überzeugen. [7]

1981 An der Gemeindeversammlung vom 16. November wird nach der Erweiterung auch noch ein Sanierungskredit über 1.78 Millionen Franken beschlossen. Es gibt neue WC-Anlagen und Wasserzuleitungen in alle Klassenzimmer, eine Erneuerung der gesamten Licht- und Starkstrominstallationen, eine Fassadenrenovation und eine neue Innenisolation.

1989 Weil die Schülerzahlen im unteren Schulkreis stark zunehmen, gibt es an der Gemeindeversammlung vom 26. Juni keine Opposition gegen zwei Kredite über total 4.4 Millionen Franken. Mit dem Geld wird der Anbau von 1980 um zwei Stockwerke erhöht sowie ein Anbau an die Turnhalle erstellt. Im Neubau finden zwei Kindergärten, sechs Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer, zwei Musikzimmer, zwei Handarbeits- und drei Gruppenräume und eine Schulbibliothek Platz. Im Turnhallenanbau werden u.a. Mehrzweckräume, ein Turnlehrerzimmer, ein Materialraum sowie ein Vorbereitungszimmer gebaut. [8] Die Schüler und Lehrer können auf Anfang Schuljahr 1991/1992 den Erweiterungsbau beziehen.

2000 Die Chamer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger winken an der Gemeindeversammlung vom 3. April einen Kredit von 1.945 Millionen Franken ohne Gegenstimme durch. Damit kommt es zur dritten Erweiterung der Schulanlage Hagendorn – wiederum nur zehn Jahre nach dem letzten Ausbau. Neben einigen Anpassungen für die schulische Umnutzung von Räumen im bestehenden Schulhaus beinhaltet der Kredit auch den Neubau eines zweigeschossigen Pavillons östlich des alten Schulhauses (Lorzenweidstrasse 80). Das Raumprogramm umfasst je vier Klassenzimmer und Gruppenräume. [9] Die Schlussabrechnung im Frühjahr 2003 weist 1‘942‘733.10 Franken und damit eine Kostenunterschreitung von 2226.90 Franken (0,1 Prozent) aus. [10]

2004 Doch damit nicht genug: Bereits vier Jahre später soll die Schulanlage weiter ausgebaut werden: An der Gemeindeversammlung vom 13. Dezember genehmigen die anwesenden Stimmbürger und Stimmbürgerinnen einen Projektwettbewerb zur Gesamtsanierung und Erweiterung der Schulanlage. Die räumliche Anordnung soll verbessert und der Aussenraum aufgewertet werden.

2005/2006 Arbeiten von 54 Architekturbüros treffen bei der Fachjury ein, die letztlich das Projekt «Herbstlaub» des Churer Architekturbüros Dieter Jüngling & Andreas Hagmann auswählt. «Herbstlaub» überzeugt durch seine «Massstäblichkeit in der Situation und die Einfachheit der Mittel, mit denen die Ziele erreicht werden». Das erstrangierte Projekt erweitert die bestehenden Schulräume und die Mehrzweckhalle im Trakt 2 auf der Nordostseite um einen neuen, dreigeschossigen und behindertengerechten Annexbau. Eine gegen die Lorzenweidstrasse hin offene Pausenhalle verbindet die bestehenden Gebäudeteile: Die aus mehreren Gebäudetrakten bestehende, heterogene Situation wird architektonisch zu einer siedlungsbaulichen Gesamtanlage vereinigt. Der bestehende Trakt 2 und die Mehrzweckhalle müssen saniert und neu isoliert werden, vor allem die asbesthaltigen Dächer. Das historische Schulhaus von 1915 wird ebenfalls saniert und umgenutzt. [11] Die Gemeindeversammlung vom 11. Dezember 2006 bewilligt das Raumprogramm und einen Projektierungskredit von 0.77 Millionen Franken. [12]

2007 Ein gutes Jahr später am 9. Dezember genehmigen die Chamer Stimmberechtigten an der Urne – immerhin 52.55% machen von ihrem Recht Gebrauch – deutlich mit 3502 Ja- gegen 1204 Nein-Stimmen den Baukredit von 16.25 Millionen Franken. Die vierte Erweiterung der Hagendorner Schulanlage innerhalb von nur 28 Jahren wird Tatsache. [13]

2011 Die sanierte Schulanlage Hagendorn wird nach drei Jahren Bauzeit am 11. September mit einem Fest eingeweiht. Die Chamer Politik und die Bevölkerung dürfen Stolz sein: Mit einer gut gedämmten und dichte Gebäudehülle, einer Komfortlüftung und interaktiven Wandtafeln lässt sich gut lehren und lernen. Zudem wird die Abwasserenergie des geklärten Abwassers des Gewässerschutzverbandes der Region Zugersee–Küssnachtersee–Ägerisee (GVRZ) optimal genutzt und der Energieverbrauch für die Raumheizung reduziert. Auf den Dächern der Schulanlage liefern zwei Photovoltaikanlagen der Wasserwerke Zug AG (WWZ) auf 544 Quadratmetern jährlich rund 68’600 kWh Strom. In der Bauphase achten die Unternehmer auf einen hohen Anteil von rezyklierten Materialien. Auch der Aussenraum, der in Zusammenarbeit zwischen den Kindern und Jugendlichen, der Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit Cham, der Eltern-Lehrer-Gruppe (ELG) Hagendorn, dem Werkhof, dem Projektleiter, dem Architekturbüro und weiteren Planungsbüros entworfen, geplant und realisiert wird, ist mit seinen Spielgeräte und Umgebungsanlagen äusserst attraktiv. [14]

2012 Im ersten Jahr bewähren sich Betrieb und Unterhalt der neuen Anlage. Auch bei einer Raumerweiterung von 30 Prozent wird nur gleich viel Energie verwendet wie vor der Erweiterung. [15]

2013 Noch ungelöst ist trotz jahrelangen Diskussionen die verkehrstechnische Erschliessung der Schulanlage: Der Gemeinderat holt an der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember einen Kredit über 1.894 Millionen Franken für die Projektierung, den Bau und den Landerwerb zu einer Südumfahrung der Schule ab.

2018 Nach fünf Jahren Planung und Landverhandlungen fahren im Januar die Baumaschinen auf. Nach nur vier Monaten ist das Werk vollbracht: Am 28. Mai rollt der Verkehr über die neue 340 Meter lange Umfahrungsstrasse. Zeitgleich wird die Lorzenweidstrasse im Pausenplatzbereich verkehrsfrei und damit sicherer. [16]


Fotogalerie

Einweihung Erweiterung des Schulhauses am 20. November 1982

1989: Ein Dach geht auf Reisen

Für die Aufstockung des Erweiterungsbaus wird das bestehende Dach nach Osten auf der Wiese neben dem alten Schulhaus zwischengelagert. Baustart ist der 31. Juli, am 24. November wird das Dach wieder aufgesetzt – einfach zwei Stöcke höher.


Einzelnachweise

  1. Zuger Volksblatt, 24.12.1912
  2. Zuger Volksblatt, 26.07.2013
  3. Zuger Volksblatt, 09.09.1913
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 160, 518
  5. Zuger Nachrichten, 23.12.1966
  6. Zuger Nachrichten, 16.02.1968
  7. Zuger Nachrichten, 06.11.1980
  8. Zuger Nachrichten, 28.06.1989
  9. Neue Zuger Zeitung, 04.04.2000
  10. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 2, 2003
  11. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 19, 2006
  12. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 25, 2007
  13. Neue Zuger Zeitung, 10.12.2007
  14. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 44, 2011
  15. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 49, 2012
  16. Medienmitteilung der Einwohnergemeinde Cham, 23.05.2018