Reggiori Emil (1887–1978)

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Emil Reggiori (1887–1978), um 1952
Therese Reggiori-Dogwiler in den 1940er Jahren ...
… und um 1952
Emil Reggiori in den 1940er Jahren
Emil Reggiori auf einer Baustelle (Wasserreservoir Sins, 1925
Emil Reggiori, 1941
Emil Reggiori mit Rehen in seinem Tiergehege an der Schmiedstrasse
Emil Reggiori auf der Jagd, gemeinsam mit dem Chamer Metzger Josef Laubacher, 1928

Der norditalienische Bauarbeiter Emil Reggiori kommt in jungen Jahren nach Cham. Er lernt viel und macht sich 1912 als Baumeister selbstständig. Damit legt er den Grundstein für das erfolgreiche Chamer Baugeschäft Reggiori und heiratet die Chamerin Therese Dogwiler. Unzählige private und öffentliche Bauten tragen noch heute die Handschrift Reggioris.


Stationen

1901 Im Alter von 14 Jahren wandert der italienische Jüngling Emil Reggiori (1887–1978) aus. Er versucht sein Glück als Bauarbeiter im Elsass. [1]

1909 Emil Reggiori kommt als Bauarbeiter nach Cham; er findet Arbeit bei der damals sehr aktiven Bauunternehmung von Hans Miesch. Reggiori steigt rasch zum Polier und Bauführer auf. Und er lernt Therese Dogwiler kennen, die Tochter des Fuhrhalters an der Schmiedgasse. Die Beiden werden ein Paar und heiraten. [2]

1912 Reggioris Arbeitgeber Miesch scheint sich übernehmen; bevor Miesch in Konkurs fällt, findet Reggiori rechtzeitig den Absprung. Er gründet als 25-jähriger am 1. März 1912 seine eigene Baufirma in Cham. Als tüchtiger Baufachmann findet er im damals stark wachsenden Ennetseegebiet für sich und seine fünf Arbeiter ausreichend Arbeit. Vor allem in seiner Anfangszeit erstellt Reggiori viele landwirtschaftliche Bauten. [3]

1914 Der Erste Weltkrieg bricht aus, die Bautätigkeit kommt praktisch zum Erliegen. Reggioris junges Baugeschäft wird einer harten Probe unterzogen. Zusammen mit seiner Frau Therese hält er durch. [4]

1919 Baumeister Reggiori arbeitet unter anderem auch für Fred Page vom Schloss St. Andreas, den Sohn des Nestlé-Anglo-Swiss-Gründers. Dank diesen Beziehungen gelingt es Reggiori, 1919 das herrschaftliche, ehemalige Zollhaus an der Schmiedstrasse 4 der Nestlé abzukaufen. [5]

1920 Reggiori baut das Zollhaus für seine eigenen Zwecke um. Er kauft einen ersten Lastwagen mit Kippvorrichtung, es ist ein Fahrzeug der Marke Skatt und weist Vollgummibereifung auf. [6]

1923 Ab diesem Jahr bewohnt Reggiori selber das Zollhaus; das Monogramm «E. R.» an der Türe zeugt noch heute davon.

1928 Therese Reggiori-Dogwiler bringt Stammhalter Angelo am 7. Dezember zur Welt.

1933 Ein wichtiges Jahr für Reggiori in mehrfacher Hinsicht: Zum einen erlangt Emil Reggiori das Chamer Bürgerrecht. Zum anderen gründet er einen Filialbetrieb in Einsiedeln, der bis 1951 viel für die Armee, aber auch für die Südostbahn und für Private Arbeiten ausführt. [7] Schliesslich übernimmt Reggiori im gleichen Jahr das Amt eines Vorstandsmitglied des Kantonalen Patentjägervereins. [8]

1934 Baumeister Emil Reggiori kauft das Land neben der Lorzenhof-Scheune und erstellt das hintere Magazin. [9]

1939 Reggiori beschäftigt bereits 100 Personen. Doch der Zweite Weltkrieg bringt die Rationierung von Zement und Armierungseisen. Die Auftragslage verschlechtert sich, so dass die Belegschaft halbiert wird. [10]

1953 Mit Angelo Reggiori, ebenfalls Baumeister wie sein Vater, tritt die zweite Generation in die Firma ein. Reggiori junior hat fachliche Ausbildungen in Bauunternehmungen und Architekturbüros in Zürich durchlaufen und die Meisterprüfung mit Bravour bestanden.

1955 Angelo Reggiori heiratet Rita Käppeli, die Tochter von Josef Käppeli-Wismer, Sanitär und Heizungen. Als ausgebildete Kauffrau unterstützt sie ihren Mann bei den Büroarbeiten. [11]

1960 Die Belegschaft von Reggiori ist wieder auf 100 Personen angewachsen. Die Firma wird zu einer Kollektivgesellschaft umfirmiert. [12]

1975 Die Rezession zwingt auch die Baufirma Reggiori zu einer Reduktion des Personals auf rund 50 Personen. [13]

1976 Die Baufirma Reggiori wird in die Aktiengesellschaft «Reggiori AG» umgewandelt. [14]

1978 Firmengründer Emil Reggiori stirbt im Alter von 91 Jahren. Im gleichen Jahr eröffnet die Reggiori AG ihren Filialbetrieb in Hünenberg.


Jäger und Tierfreund

Emil Reggiori ist ein passionierter Jäger. Er bringt von der Jagd verletzte Rehkitze heim, so dass er an dieser Stelle einen kleinen Zoo anlegt, mit Hasen und niedlichen Rehkitzen. Viele Chamerinnen und Chamer sind von den Tieren in der Ortsmitte fasziniert und spazieren gerne dorthin. Zuständig für die Tiere ist Reggioris die bereits erwachsene Tochter Maria, genannt «Marily». Das Reh Susi, im Gehege von «Marily» grossgezogen, entweicht 1937 trotz des 2,50 Meter hohen Drahtgitters. Doch die Rehdame steht eines Morgens wieder vor dem Gehege und begehrt Einlass. Dabei freut sich das Tier sosehr über das Wiedersehen ihrer einstigen Pflegerin, dass es Luftsprünge vollführt und das «Marily« beinahe zu Boden reisst. Susi ist wieder daheim und bringt im darauffolgenden Jahr drei Kitze zur Welt. [15]


Bekannte Bauten von Emil Reggiori in Cham

1912–1920

  • Scheunenneubau für Karl Gretener in der Baregg
  • Neubau Schulhaus Hagendorn
  • Umbau der Pfarrkirche St. Jakob
  • Werkstattgebäude Nestlé AG, Knonauerstrasse
  • Liegenschaft Schlüssel, Adelheid-Page-Strasse

1921–1930

1931–40

  • Neubau Kinderheim Hagendorn
  • Wohn- und Geschäftshaus Sonnhof
  • Verwalterhaus des Klosters Frauenthal

1941–1950

  • Keine Bauten in Cham, dafür viele im Etzelgebiet

1951–1960

1961–1970

  • 60 Wohnungen für die Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham
  • Überbauung Enikerfeld
  • Pfarreiheim Cham
  • Spitalneubau
  • Wohn- und Geschäftshaus H. Stocker, Zugerstrasse [16]


Einzelnachweise

  1. Zuger Nachrichten, 21.10.1987
  2. Zuger Nachrichten, 21.10.1987
  3. Kurzportrait der Firma Reggiori als Familienbetrieb, Typoskript (undatiert, circa 1985), freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Angelo Reggiori
  4. Zuger Nachrichten, 21.10.1987
  5. Kurzportrait der Firma Reggiori als Familienbetrieb, Typoskript (undatiert, circa 1985), freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Angelo Reggiori
  6. Kurzportrait der Firma Reggiori als Familienbetrieb, Typoskript (undatiert, circa 1985), freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Angelo Reggiori
  7. Zuger Nachrichten, 21.10.1987
  8. Jubiläums-Schrift 75 Jahre Zuger kantonaler Patentjägerverein 1920–1995, Zug 1992, S. 162
  9. Kurzportrait der Firma Reggiori als Familienbetrieb, Typoskript (undatiert, circa 1985), freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Angelo Reggiori
  10. Zuger Nachrichten, 21.10.1987
  11. Zuger Nachrichten, 21.10.1987
  12. Kurzportrait der Firma Reggiori als Familienbetrieb, Typoskript (undatiert, circa 1985), freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Angelo Reggiori
  13. Zuger Nachrichten, 21.10.1987
  14. Kurzportrait der Firma Reggiori als Familienbetrieb, Typoskript (undatiert, circa 1985), freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Angelo Reggiori
  15. «Susi», in: Schweizerische Jagd-Zeitung, 1937
  16. Zuger Nachrichten, 21.10.1987