Heilpädagogisches Zentrum Hagendorn

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Sr. Regula Wildhaber (1862–1947) (rechts) mit Kindern im Park des Landguts Hammer
Die «Sonderschule Hagendorn» um 1960. Rechts die 1984 abgerissene Herz-Jesu-Kapelle
Fest in der «Sonderschule Hagendorn», um 1994
Gesamtansicht des Heilpädagogischen Zentrums von Westen, 08.04.2020
Südansicht des 1933 erbauten Schulhauses, 10.04.2020
Heilpädägogisches Zentrum, Schulgebäude, 10.04.2020
Schulgebäude
Blick auf den sensorischen Garten
Spielgerät
Spielplatz

Zuerst war es eine Kinderarbeitsanstalt, dann ein Waisenhaus, später eine Erziehungsanstalt, bis daraus das Heilpädagogische Zentrum Hagendorn wurde. Heute werden dort beeinträchtige Kinder geschult und auf das selbstständige Leben vorbereitet.


Chronologie

1889 Regula Wildhaber (1862–1947) ist Kandidatin bei den Menzinger Schwestern, lässt sich zur Arbeitslehrerin ausbilden und wird von Oberin Aurelia ins «Kinder-Erziehungsheim Hagendorn», bis 1888 eine Kinderarbeitsanstalt entsandt. Während 40 Jahren bleibt Schwester Regula Oberin im Kinderheim in Hagendorn. Daneben wirkt sie als Handarbeitslehrerin an den Hagendorner Schulen. [1]

1933 Die Papierfabrik Cham AG schenkt das Kinderheim an der Lorzenweidstrasse in Hagendorn der neu gegründeten «Stiftung Erziehungsanstalt Hagendorn». [2] Damit ist der erste Grundstein für das heutige «Heilpädagogische Zentrum Hagendorn» gelegt.

Am 16. März wird die «Stiftung Erziehungsanstalt Hagendorn» errichtet. «Ihr Zweck ist der Fortbetrieb und die Ausgestaltung der Kindererziehungsanstalt Hagendorn, in welcher etwa 100 katholische Kinder vom 2. bis 15. Jahre Aufnahme, Verpflegung und eine sittlich-religiöse Erziehung finden sollen. Bei der Aufnahme von Kindern sollen solche aus den Gemeinde Cham und Hünenberg in erster Linie berücksichtigt werden. Die Anstalt ist verpflichtet, auf der Wunsch der Papierfabrik Cham A.-G. bis 10 Kinder der dortigen Arbeiterschaft zu den üblichen Bedingungen aufzunehmen.» Der erste Stiftungsrat wird präsidiert vom Chamer Pfarrer Anton Müller (1878–1939), weitere Mitglieder sind Robert Naville (1884–1970), Direktor der Papierfabrik, sowie Xaver Schmid (1885–1951), Rechtsanwalt und Stadtpräsident von Zug. [3]

Im gleichen Jahr wird anstelle des alten Kinderheims an der Lorzenweidstrasse 1 der grosse Neubau als Hauptgebäude erstellt: Der Zuger Architekt Emil Weber (1879–1945) plant das blockhaft wirkende Haus mit L-förmigen Grundriss. [4] Schwester Regula leitet den Neubau der Kinderanstalt Hagendorn und der Herz-Jesu-Kapelle: «Sie war ja ihr Leben lang eine besondere Verehrerin des Herzens Jesu, eine begnadete Beterin, deren Vertrauen nie und durch nichts erschüttert wurde.» [5] Damit stehen nun drei Gebäude für die rund 80 Kinder zur Verfügung: das neu erstellte Haupthaus, das Schulhaus und die Kapelle.

1937 Schwester Regula ist 75 Jahre alt und mag nach 48 Jahren Arbeit mit Kindern in Hagendorn nicht mehr, sie zieht sich nach Menzingen ins Haus Carmel zurück. [6] «Auch diese Ruhe war kein Müssigsein, sie betete für alle ihre Nahestehenden, für alle, die einst in ihrer Erziehung gestanden und sie strickte mit ihren altgewordenen Händen für Warme und Waisenkinder.» [7] Im gleichen Jahr wird das Schulhaus von 1908 abgerissen. [8]

1953 Aus der Erziehungsanstalt Hagendorn wird nun eine Heimschule für geistig behinderte Kinder. [9] Damit wird aus dem einstigen Waisenheim eine selbstständige Schule. Damals nannte man die lernbehinderten Kinder – politisch unkorrekt – «Schwachbegabte». [10]

1962 Die erste weltliche Lehrerin wird angestellt; sie wird von der Erziehungsdirektion des Kantons Zug besoldet. [11]

1963 Die Heimschule für geistig behinderte Kinder wird zur heilpädagogischen Sonderschule mit Internat. [12]

1978 Die heilpädagogische Sonderschule Hagendorn ist sehr beliebt, so dass eine Fachzeitung von «prekären Platzverhältnissen» schreibt. Deshalb plant die Stiftung Sonderschule Hagendorn neue Wohnhäuser für die Kinder und die Erzieherinnen, einen Turnhallentrakt und Angestelltenwohnungen. Dank Beiträgen von Bund, Kanton Zug, und der Gemeinden Cham, Steinhausen, Risch und Hünenberg soll dies ermöglicht werden. [13]

1980 Die letzten Menzinger Schwestern verlassen die Schule in Hagendorn. [14] Der Orden hat seit 1864 in Hagendorn mitgewirkt, zuerst bei der Kinderarbeitsanstalt, dann beim Kinderheim, später bei der Erziehungsanstalt und zuletzt in der Heimschule.

1984 Die Kapelle von 1929, die nördlich des Hauptgebäudes an der Strasse gegenüber des Schulhauses steht, wird abgerissen. [15]

1985 Die länger geplanten Neubauten werden Realität: Hinzu kommen vier Gruppenhäuser, Personalhäuser, die Turnhalle, der Mehrzweckraum und neue Ökonomieräume. Damit stehen nun 47 Schul- und 20 Internatsplätze zur Verfügung. [16]

1999 Der Ausbau der Sonderschule geht weiter: Die Verwaltung kommt ebenso in einen Neubau wie zwei weitere Wohngruppen, dazu wird das Schulhaus saniert. Insgesamt stehen jetzt 50 Schul- und 30 Internatsplätze zur Verfügung. [17]

2001 Die «Sonderschule Kinderheim Hagendorn» nennt sich neu «Heilpädagogisches Zentrum Hagendorn». Das Motto lautet: «Es ist normal, verschieden zu sein.» Verstärkt werden soll die Integration in die Regelschule, wobei das Zentrum heilpädagogischen Support anbietet. [18]

2003 In Menzingen wird (in Räumlichkeiten der Stiftung Maihof) als Aussenstation die Orientierungsstufe «Perron 16» für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, eingerichtet. [19]

2006 Das Heilpädagogische Zentrum bekommt einen sensorischen Garten. Darin können die Kinder ohne Anleitung und Verbote eigene Erfahrungen im Gelände machen und «ihre Grenzen selbst kennenlernen». [20]

2014 Das Heilpädagogische Zentrum feiert das 125-Jahr-Jubiläum.

2017 Alle Wohngruppen werden wieder in Hagendorn zusammengeführt. Es werden 70 bis 75 Schüler mit einer geistigen und teilweise schweren Mehrfachbehinderung von rund 140 Angestellten gepflegt, betreut und unterrichtet. Rund 30 davon leben im Internat, rund 45 sind in den gemeindlichen Schulen integriert. [21]

2018/2019 Das alte Schulhaus von Architekt Weber wird innen saniert und um einen Anbau für die rollstuhlgängige Erschliessung erweitert. Dazu werden gedeckte Aussenbalkone angebaut, die im Sommerhalbjahr als Aussenschulraum genutzt werden. [22] Am 12. März 2019 ist der Spatenstich für das Bauprojekt. [23]


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Zuger Nachrichten, 03.11.1947
  2. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2007, S. 50
  3. Schweizerisches Handelsamtsblatt 51, 1933, Eintrag vom 06.05.1933
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 161
  5. Zuger Nachrichten, 03.11.1947
  6. Zuger Kalender 1938, Chronik 01.01.1937
  7. Zuger Nachrichten, 03.11.1947
  8. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 161
  9. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 161
  10. Staatsarchiv Zug, Dossier CE 35.5.46, Errichtung einer Abteilung für Schwachbegabte im Kinderheim Hagendorn Cham
  11. www.hzhagendorn.ch [Stand: 16.04.2020]
  12. Fachblatt für schweizerisches Heimwesen, Band 49, 1978
  13. Fachblatt für schweizerisches Heimwesen, Band 49, 1978
  14. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 161
  15. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 161
  16. www.hzhagendorn.ch [Stand: 16.04.2020]
  17. Zuger Nachrichten, 19.11.1999
  18. Neue Zuger Zeitung, 21.06.2001. Neue Zuger Zeitung, 27.09.2001
  19. Zuger Zeitung, 18.12.2018
  20. Corts, Katinka, Ungehindert spielen, in: Tec21, 14/2008, S. 22–26
  21. Zuger Zeitung, 18.12.2018
  22. Zuger Zeitung, 18.12.2018
  23. Zuger Zeitung, 13.03.2019