Lorzenweidstrasse 82, Altes Schulhaus Hagendorn

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Das erste Schulhaus an der Lorzenweidstrasse 82, undatiert (vor 1930)
Das «Alte Schulhaus Hagendorn», 24.01.2018
Die Liegenschaft Lorzenweidstrasse 82 gehört heute der Einwohnergemeinde Cham, 27.02.2019

Das erste, 1880/1881 erbaute Schulhaus in Hagendorn erfüllte seinen ursprünglichen Zweck nur während gut drei Jahrzehnten. Heute ist die Liegenschaft an der Lorzenweidstrasse 82 ein Wohnhaus im Besitz der Einwohnergemeinde Cham.


Chronologie

1862 Die Baumwollspinnerei und -weberei in Hagendorn wird eröffnet. Viele Arbeiter lassen sich mit ihren Familien nieder. Das Schullokal im Hungeli ist zu klein und nicht mehr zweckmässig.

1879 Am 18. Oktober genehmigen die Chamer an der Gemeindeversammlung den Schulhausbau in Hagendorn. [1]

1880 Mit dem Bau des dreigeschossigen Schulhauses wird begonnen, vermutlich nach Plänen des Chamer Architekten Ernst Christian Oelhafen (*1848). [2] Die Inschrift «SCHUL 1880 HAUS» am Schlussstein des seitlich angeordneten Portals ist erhalten geblieben.

Das leicht erhöhte Erdgeschoss mit Putzquadern an den Hausecken und stichbogigen Fenstern in Sandsteinrahmen ist reicher ausgestaltet als die beiden Obergeschosse mit ihren einfachen Rechtecköffnungen. Im zweiten Obergeschoss wird eine Lehrerwohnung eingebaut. [3]

1881 Die Mädchenprimarschule, seit 1850 von Heiligkreuzschwestern im Zisterzienserinnenkloster Frauenthal angeboten, wird mit der Schule im Hungeli vereinigt und im neuen Schulhaus zusammengeführt: Der Schulbetrieb mit Lehrer Jakob Nietlispach von Beinwil AG wird am 23. Oktober – zu Beginn des Winterhalbjahres 1881/1882 – aufgenommen. [4]

1889 Nach dem Brand in der Baumwollspinnerei brechen die Schülerzahlen – vorübergehend – drastisch ein: 1888 besuchen in Hagendorn 70, 1899 nur noch 45 Schüler die Primarschule. [5]

1897 Bald wird klar, dass das Hagendorner Schulhaus die in den 1890er Jahren wieder ständig und stark anwachsende Schülerzahl nicht fassen kann. Vorübergehend etwas Entlastung bringt der Bau eines Schulhauses in Niederwil, der 1897/1898 realisiert wird. [6]

1912–1915 Am 22. Dezember 1912 bewilligen die Chamer an der Gemeindeversammlung 102'000 Franken für den Bau eines zweiten, grösseren Schulhauses. [7] Im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs – 1915 – wird das neue Schulhaus eingeweiht und in Betrieb genommen.

1988 Das ehemalige kleine Schulhaus an der Lorzenweidstrasse – jetzt ein dreistöckiges Wohnhaus – wird restauriert. Die ursprünglichen Putzstrukturen und die Farbtöne von Verputz und Jalousieläden bleiben erhalten. [8]

2019 Das dreistöckige Wohnhaus gehört der Einwohnergemeinde Cham. [9]


Kritik an der Chamer Schulraumplanung 1891

Als zu Beginn der 1890er Jahre der politische Planungsprozess für ein neues Schulhaus in Niederwil in Gang kommt, schreibt die Reaktion der Zuger Nachrichten sehr kritisch: «Noch wird es in bester Erinnerung der steuerpflichtigen Bewohner hiesiger Gemeinde sein, wie viel die Erstellung des neuen, grossartigen Schulhauses Hagendorn gekostet, – und schon wieder geht man mit dem Plane um, ein ähnliches, nicht weniger kostspieliges Gebäude diesseits der Lorze und zwar an der Cham-Knonauerstrasse zu errichten.

Bei solchen Bauprojekten ist sonst in der Regel die erste Frage die, ob solche einem wirklichen Bedürfnisse entsprechen? – und dann – wie die Ausführung eines derartigen Projektes auch mit den ohnehin etwas stark in Anspruch genommenen Finanzen unseres Gemeinwesens, resp. der steuerzahlenden Bürgerschaft in Einklang zu bringen sei, ohne eine zweckentsprechende solide Durchführung einer Neubaute zu benachtheiligen? So sehr wir es begrüssen, wenn man für wirkliche Bildungszwecke keine Opfer scheut und nicht zu knauserisch rechnet, so legt sich uns doch gegebenen Falles die Frage nahe, ob man denn mit solchen Plänen diesen Zweck thatsächlich erreiche, oder damit nicht vielmehr andern Zwecken diene?» [10]


Einzelnachweise

  1. Zuger Volksblatt, 21.02.1883
  2. Architekt Oelhafen verlässt 1889 Cham und zieht nach Wohlen AG. Zuger Nachrichten, 10.10.1888
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 160, 518
  4. Zuger Volksblatt, 21.02.1883. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 202
  5. Zuger Volksblatt, 18.12.1889
  6. Zuger Volksblatt, 04.05.1897
  7. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 22.12.1912
  8. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 160
  9. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 998 [Stand: 01.02.2019]
  10. Zuger Nachrichten, 07.03.1891