Dorfstrasse 98, «Hungeli»

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Mit einem Kernbau aus dem 18. Jahrhundert: das voluminöse Haus Hungeli in Rumentikon
An überraschender Stelle: das «Hungeli», das erste Schulhaus von Hagendorn
Prägnanter Bau in blühender Landschaft: das «Hungeli»
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Das «Hungeli» von hinten: eigenwillige Form
Die Liegenschaft Dorfstrasse 98, in Richtung Süden gesehen, 2018
… und in Richtung Norden, 2018

Inmitten der Rumentiker Wiesen stand einst das Bauernhaus Hungeli aus dem 17. Jahrhundert. Ab ungefähr 1747 diente es auch als Schulhaus. Abwechslungsweise gingen die Kinder hier und in Niederwil zur Schule - allerdings nur im Winter. Als Hagendorn 1881 sein eigenes Schulhaus bekam, war das Hungeli an der Dorfstrasse 98 wieder ein Bauern- und Wohnhaus.


Chronologie

1689 Der Flurname Hungeli ist 1689 erstmals belegt (Hungelimatt), der Hofname Hungeli 1718. [1] An der Nordmauer trägt ein Sandstein die Jahreszahl 1684. Doch der Kernbau entsteht im frühen 18. Jahrhundert in Bohlenständerbauweise. Die Jahresringkurven von sechs Proben aus dem Ständerbau weisen auf die Fälljahre 1711 bis 1713 hin. Im 19. Jahrhundert wird der Kernbau auf zwei Seiten ergänzt und in zwei Wohneinheiten unterteilt. Besonders an den Lukarnen sind die Ausbauphasen gut ablesbar. [2]

1718 Johannes Sifrig (Sÿfferig) wird als Eigentümer aufgeführt. [3]

1746–1880 Hier, draussen auf den Feldern Rumentikons, findet ab ca. 1746 der Schulunterricht statt. Der erste hier tätige Lehrer ist der 20-jährige Caspar Baumgartner, einer der wenigen weltlichen Lehrer zu jener Zeit. Er ist von der «Gmeind bestellt» und bezieht einen Jahreslohn von rund 18 Gulden. Eine Schulpflicht besteht damals noch nicht. Damit die Bauern der Gegend ihre Kinder dennoch zur Schule schicken und nicht nur zuhause mitarbeiten lassen, startet diese jeweils vor Weihnachten und endet Ende März. Pro Tag dauert der Unterricht vier Stunden. Schulgeld haben die Kinder keines zu entrichten, aber sie müssen täglich einen Scheit Holz mitbringen, um die Schulräume zu heizen. Abwechslungsweise kommen die Kinder ins Hungeli in Rumentikon oder ins Kaplanenhaus in Niederwil; weil Cham und Hünenberg miteinander einen Schulkreis bilden, kommen die Kinder auch von der Chamau und Stadelmatt hierher. [4]

1798 Die neuen Besitzer sind Mathias Kaufmann und Beat Wettstein. In der Hungeli-Schulstube sind 40 Kinder eingetragen. [5]

1813 Martin und Wolfgang Kaufmann sind die Eigentümer. [6]

1850 Lehrer Mathias Gretener (1818–1898) wohnt mit Familie und Magd dort. [7]

1872 Die Familie Rüttimann erwirbt ersten Hausteil. [8]

1881 Mit der zunehmenden Industrialisierung der Gegend, vor allem durch die Spinnerei und Weberei Hagendorn, steigen die Bedürfnisse, auch an die Schule und an den Schulunterricht. Eine Winterschule genügt nicht mehr. Deshalb bekommt Hagendorn sein eigenes Schulhaus, und die Schulstube im Hungeli ist fortan wieder Privatraum. [9]

1911 Die Familie Rüttimann erwirbt zweiten Hausteil. [10]

1943 Umbauten in Küche und Stube. [11]

2011–2012 Die Liegenschaft wird abgebrochen und neu gebaut. [12]

2018 Die Liegenschaft ist auf Peter Alois Risi eingetragen. [13]


Namensgebung

Der Name «Hungeli» kann eine Ableitung von schwzdt. m. «Hung» = Honig sein, dürfte aber eher auf den Familiennamen «Hungli» oder «Hungeli» zurückgehen, der im 16. und 17. Jahrhundert im Raum Ennetsee belegt ist. [14]


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Einzelnachweise

  1. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 3, S. 74f.
  2. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 181. Boschetti-Maradi, Adriano / Bolli, Markus, Wohnhaus Hungeli - Bauuntersuchung und Abbruch, in: Tugium 26, 2010, S. 21f.
  3. Staatsarchiv Zug, Hypothekenbücher Bd. 39, fol. 266r
  4. Informationsschrift «Schuelgeschichte»; Chomer Schuelbär 2/84, Schule Cham
  5. Einwohnergemeinde Cham, Bauarchiv, Fiche Gebäudeversicherung
  6. Einwohnergemeinde Cham, Bauarchiv, Fiche Gebäudeversicherung
  7. Staatsarchiv Zug, Volkszählung 1850
  8. Einwohnergemeinde Cham, Bauarchiv, Fiche Gebäudeversicherung
  9. Informationsschrift «Schuelgeschichte»; Chomer Schuelbär 2/84, Schule Cham
  10. Einwohnergemeinde Cham, Bauarchiv, Fiche Gebäudeversicherung
  11. Boschetti-Maradi, Adriano / Bolli, Markus, Wohnhaus Hungeli - Bauuntersuchung und Abbruch, in: Tugium 26, 2010, S. 21f.
  12. Boschetti-Maradi, Adriano / Bolli, Markus, Wohnhaus Hungeli - Bauuntersuchung und Abbruch, in: Tugium 26, 2010, S. 21
  13. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 3146 [Stand: 14.02.2018]
  14. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 3, S. 74f.