Obermühlestrasse 22, «Obermühle»

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Die Obermühle im 19. Jahrhundert
Das Haus Obermühlestrasse 22, 1964
Direkt an der Lorze gelegen und nahe der Papierfabrik: Die «Obermühle», 29.09.2019
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Die Jahrzahl 1815 beim Kellereingang

Auf der westlichen Seite der Lorze liegt die Obermühle, die früher auch einfach «Müli» oder «Lehenmüli» hiess. Heute trägt das denkmalgeschützte Haus die Adresse Obermühlestrasse 22. Die Anfänge des Mühlenbetriebs reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Das bedeutet, dass fast hier während 450 Jahren Korn gemahlen wurde.


Chronologie

1370 In einem Urbar [= Güterverzeichnis] der Herrschaft St. Andreas werden in Cham «mülinen» aufgeführt. Der Zuger Historiker Eugen Gruber (1900–1989) stellt die Vermutung an, dass es sich dabei um die spätere Obermühle handelt. [1]

1417 In einem weiteren Urbar ist die Zuger Lehenmühle Bestandteil der Burggüter zu St. Andreas; damit dürfte die Obermühle gemeint sein. Der Betreuer der Mühle heisst Götschi Müller. [2]

1429 In den Urkunden wird eine «Müli ze Cham» genannt. Heini Müller aus Winterthur ist der neue Lehensmann, also der Betreiber. [3]

1479 Die Stadt Zug gewinnt im Verlauf des 15. Jahrhunderts im Ennetsee immer mehr an Einfluss. [4] Die Stadt ist jetzt die Besitzerin der Obermühle, sie hat diese von Hensli Sager erworben. Erwähnt wird neben der Mühle auch eine «sagen», also eine Sägerei, die sich auf der Ostseite der Lorze befindet. [5] Dieser Bereich an der Lorze entwickelt sich aufgrund der Wasserkraft zum protoindustriellen Gewerbeschwerpunkt von Cham.

1501 Hans Weber heisst der neue Betreiber der Obermühle. Er hat sich den Betrieb von der Stadt Zug geliehen und bezahlt dafür einen jährlichen Zins von 22 Mütt Kernen und 1 Gulden. [6] «Die Dokumente bezeugen durchwegs die Sorge der Stadtväter für die Erhaltung der Mühle und das Wohlergehen der Müller; immerhin verbergen sie keineswegs ihre stramme Herrenhand. Die Müller mussten sich, nicht anders als die übrigen Vogtleute, der Grund- und Gerichtsherrin gehorsam fügen.» [7]

1591/1592 Ein grosser Einschnitt ist die erste Lorzenabgrabung unter der Leitung des Stadtzuger Baumeisters Jost Knopfli den Jüngeren (1550/52–1634), um den Spiegel des Zugersees abzusenken und so den Weg zwischen Zug und Cham hochwassersicher zu machen. Bei Bauuntersuchungen zu Beginn der 1990er Jahre zeigt sich, dass die Obermühle bei den damaligen Grabarbeiten und den daraus folgenden Überschwemmungen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und teilweise neu erstellt werden musste. [8]

1630–1639 Jetzt wirkt Hans Bütler als Müller auf der Obermühle. Weil in der 1630er Jahren die zweite Lorzenabgrabung durchgeführt wird, bekommt Bütler aufgrund des schwankenden Wasserführung mit der Mühle Probleme und er beschwert beim Zuger Stadtrat. Auf Hans folgt 1639 später Kaspar Bütler. [9]

1741 Joseph Waller wirkt auf der Mühle, die nun in den Akten «Lehen Mülle» heisst. Er verpfändet seinen Besitz an Leonti Ritter. [10]

1745 Johannes Stocklin kauft die Mühle von Joseph Waller. [11]

1875 Der Begriff Mühle ist in den Verzeichnissen gestrichen; der Mühlenbetrieb wird also aufgegeben. [12]

1990 Nach einem Wasserrohrbruch will die Eigentümerin Hammer-Retex AG das marode Haus abbrechen. Aber die Liegenschaft steht als «Kulturobjekt von regionaler Bedeutung» unter Denkmalschutz. Die Restaurierung wird in Angriff genommen. [13]

1993 Die Obermühle erstrahlt frisch renoviert in neuem Glanz. [14]

2019 Die Liegenschaft gehört der Matter Liegenschaften AG in Baar und Pius Nietlispach aus Cham. [15] Eingemietet ist die 1998 gegründete Moser Sicherheit AG, die in den Bereichen der elektronischen und mechanischen Zutrittssicherung tätig ist.


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Einzelnachweise

  1. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, S. 149
  2. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, S. 177
  3. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 718, 719. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, S. 177
  4. Büsser, Nathalie, Wenn Bürger zu Feudalherren werden. Die Stadt Zug und ihre abhängige Landschaft, in: Universum Kleinstadt. Die Stadt Zug und ihre Untertanen im Spiegel der Protokolle von Stadtrat und Gemeinde (1471–1798), Zug 2019, S. 94–96
  5. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 1236
  6. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 1794
  7. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, S. 180
  8. Rothkegel, Rüdiger, Zum Haus Obermühle in Cham, mit einigen Gedanken zur Wirtschaftsgeschichte an der Lorze, in: Tugium 10, 1994, S. 95
  9. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.1, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1552–1649, fol. 194v. Korporationsarchiv Zug, 5.0.207.0, Akten zur Lorze in Cham
  10. Staatsarchiv Zug, Hypothekenbücher, Bd. 24, fol. 93v
  11. Staatsarchiv Zug, Hypothekenbücher, Bd. 24, fol. 17v, mit ausführlichem Inventar
  12. Rothkegel, Rüdiger, Zum Haus Obermühle in Cham: mit einigen Gedanken zur Wirtschaftsgeschichte an der Lorze, in: Tugium 10, 1994, S. 90
  13. Rothkegel, Rüdiger, Zum Haus Obermühle in Cham: mit einigen Gedanken zur Wirtschaftsgeschichte an der Lorze, in: Tugium 10, 1994, S. 91
  14. Rothkegel, Rüdiger, Zum Haus Obermühle in Cham: mit einigen Gedanken zur Wirtschaftsgeschichte an der Lorze, in: Tugium 10, 1994, S. 92, 102
  15. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 406 [Stand: 11.10.2019]