Laube / Bahnhof

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Ein Bild aus den Anfangszeiten, als das Haus noch Restaurant Laube hiess
Detailansicht, 1912: Die Bauformen halten sich im Sinne des Heimatstils an einheimische, bäuerliche Vorbilder
Ansicht aus dem Jahre 1912
Postkarte mit Bahnhof und Restaurant Bahnhof
Postkarte mit Restaurant Bahnhof und Innenansicht
Der Bahnhofplatz mit dem Restaurant Bahnhof. Noch stehen die beiden mächtigen Ulmen, die im Frühjahr 2019 gefällt wurden, 27.08.2017
Der Bahnhofplatz ohne Ulmen, 06.07.2019
Innenansicht des Restaurants, 2019

Das Restaurant Bahnhof wurde 1910 im Heimatstil von Baumeister Hans Miesch erbaut. Damals hiess es noch Restaurant Laube. Trotz guter Lage direkt am Bahnhof gab es viele Handänderungen.


Chronologie

1910 Baumeister und Architekt Hans Miesch (1880–1941) baut auf eigene Rechnung das Restaurant Laube an der Bahnhofstrasse Übersicht direkt beim Bahnhof. Er setzt dabei auf typische Elemente des Schweizer Heimatstils. [1] Die Bauweise ist aufschlussreich: Massive Elemente zeigen städtische Züge, hölzerne Elemente stehen dagegen für das einheimische, ländliche Bauen. Miesch erhält vom Chamer Gemeinderat die Bewilligung «zur Führung einer Speisewirtschaft beim Bahnhof Cham». [2]

1911 Miesch verkauft die Liegenschaft am 9. Juni an Alfred Schätzle. Der Gemeinderat ratifiziert den Verkauf. [3] Kurze Zeit später teilt Miesch dem Gemeinderat mit, dass Fritz Herbstrith die Wirtschaft Laube am 6. September gekauft habe. Ein Gemeinderat bemerkt, dass zwischenzeitlich ein anderer Wirt während mehreren Wochen ohne Patent gewirtet habe und dann wieder fortgezogen sei. Herbstrith bekommt noch kein Patent, weil seine Ausweispapiere ungenügend sind. [4]

1912 Miesch verzichtet auf das Wirtschaftspatent für das Restaurant Bahnhof – erstmals taucht dieser neue Name auf. Weil der neue Eigentümer noch kein Wirtepatent besitzt, empfiehlt der Gemeinderat, ein Tagespatent zu erwerben. [5] Per 5. Juni übernehmen Anton und Zacharias Walker aus Silenen UR die Liegenschaft. [6] Doch schon einen Tag vor Weihnachten übernimmt Baumeister Miesch wieder das Gebäude, das er selber zwei Jahre zuvor erstellt hat. [7]

1913 Miesch findet wieder einen Käufer. Am 29. Mai kauft Wilhelm Kaufmann, Küchenchef aus Luzern, die Liegenschaft. [8]

1917 Mitten im Ersten Weltkrieg kommt es zur nächsten Handänderung: Am 14. Juni kauft Ernst Felder (1883–1922) das Restaurant.

1922 Witwe Stefanie Bertha Enzmann (1892–1991) und ihr Sohn fungieren per 30. Juni als neue Besitzer des Restaurants. [9]

1928 Wirtin Stefanie Bertha Enzmann heiratet Bernhard Wey (1893–1957), der bei der Käsehandlung Lustenberger & Dürst arbeitet. [10] Richard Felder (*1893), von Beruf Handelsmann, übernimmt das Restaurant als Pächter. [11]

1932 Stefanie Bertha Wey-Enzmann führt das Restaurant Bahnhof, das nun auch ein Hotel ist, mit ihrem Ehemann Bernhard Wey-Enzmann. [12]

1945 Nach einem Erbgang übernimmt Stefanie Bertha Wey-Enzmann am 23. April die Liegenschaft.

1956 Wirtewechsel im Restaurant Bahnhof: Die Familie Wey-Enzmann übergibt den Betrieb an Familie von Rohr-Nick. [13] Margrit von Rohr-Nick (*1920), Wirtin, ist Bürgerin von Kestenholz SO, Gattin von Rudolf und Mutter von drei Kindern, mietet die Liegenschaft und übernimmt das Wirtepatent für den «Bahnhof» in Cham per 1. November. [14]

1957 Im 64. Altersjahr stirbt der Bahnhofhotelier Bernhard Wey, der 24 Jahre lang als Kirchmeier der katholischen Kirchgemeinde Cham-Hünenberg gedient hat. [15]

1959 Die Familie von Rohr, Pächter des «Bahnhöfli» in Cham, kann den «Jakobsbrunnen» in Olten kaufen und zieht weg. [16]

1962 Wirtin Gertrud Huser-Rohrbach (*1921) ist Bürgerin von Ennetbürgen NW und Mutter von drei Kindern. Sie kauft den «Bahnhof» in Cham und übernimmt das Wirtepatent. Ihr Mann ist Edwin. [17]

1968 Das Hotel Bahnhof gehört neuerdings Willi Friedrich Abplanalp (*1936), Küchenchef und Wirt von Gadmen BE, der das Restaurant Bärenstube auf der Rigi führt. Neuer Pächter in Cham wird Oscar Reichenbach-Laechler (*1917), verheiratet mit Julia. [18]

1970 Das Wirtepatent geht an Blanca Theiler-Stöckli (1931–2017), von Hasle LU, für die Weiterführung des Hotels Bahnhof. Sie hat zuvor den Lindenhof in Lindencham geführt. Ihr Mann ist Hans (gest. 1983), sie haben zwei Kinder. [19] Zwei Jahre später übernimmt das Ehepaar Theiler-Stöckli das Restaurant Rössli.

1973 Willi Abplanalp übernimmt als Wirt per 19. Juni das Restaurant. Er ist verheiratet mit Elisabeth, geborene Wullschleger. Die offizielle Betriebsübernhame ist am 1. Juli 1974. Zuvor haben die Beiden die Bärenstube auf Rigi-Kaltbad geführt. [20]

1979 Theresa und Gerd-Ingo Horstmann-Stieger sind die neuen Besitzer und führen Hotel und Restaurant. [21]

2016 Die Liegenschaft gehört Gerd Horstmann. [22] Das Restaurant ist geschlossen, das Hotel führt Theresa Horstmann.

2018 Gerd Horstmann gibt den Hotelbetrieb auf und verkauft die Liegenschaft an die Stockmatt Freizeit AG in Zug, die dem Geschäftsmann Heinz Sönning gehört. [23] Das «Bahnhöfli», wie es im Volksmund genannt wird, wurde innen renoviert und wird nun wieder als Hotel mit Zimmermiete geführt. Die Gartenwirtschaft ist offen. Das Restaurant bietet «währschafte Gerichte» an. [24]

2019 Die Liegenschaft ist im Inventar der geschützten Denkmäler der Gemeinde Cham aufgeführt. [25]


Kunsthistorische Beschreibung

«Malerisches Heimatstilhaus, das massive Elemente städtischen und hölzerne des einheimischen ländlichen Bauens vereinigt und mit zeittypischen, farbigen Ornamenten verbindet. Über einem verputzen Sockel mit rustizierten Sandsteinrahmungen und dem weiten Stichbogenfenster der Gaststube sind die Obergeschosse blockbauartig verkleidet; davor in der Giebelfasse ein in Mauerwerk ausgeführter Erker. Die Giebelfassade mit verputztem Erkervorbau und Vordachreihen, traufseitig, unter dem nur einseitig ausgestellten Teilwalmdach Laube mit floral ausgemalter Decke. Die Balkenenden der Holzverschalung, die Fensterumrahmungen und die Brüstung der Laube werden durch aufgemalte Ornamente farblich hervorgehoben.» [26]


Personen


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 119
  2. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Einwohnerrat Protokolle 1910–1917, Nr. 459/1911
  3. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Einwohnerrat Protokolle 1910–1917, Nr. 20/1910
  4. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Einwohnerrat Protokolle 1910–1917, Nr. 536/1911
  5. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50005, Einwohnerrat Protokolle 1910–1917, Nr. 1034/1912
  6. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham
  7. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham
  8. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham
  9. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham
  10. Zugersee-Zeitung, 03.01.1958
  11. Staatsarchiv Zug, CE 80.3, Wirtschaftswesen, Mappe Bahnhof, Gesuch vom 21.04.1928
  12. Zugersee-Zeitung, 03.01.1958
  13. Zugersee-Zeitung, 09.11.1956
  14. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Bahnhof, Gesuch vom 03.10.1956
  15. Zuger Neujahrsblatt 1959, Chronik 26.12.1957
  16. Zugersee-Zeitung, 11.09.1959
  17. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Bahnhof, Gesuch vom 20.08.1962
  18. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Bahnhof, Gesuch vom 18.10.1968
  19. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Bahnhof, Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrats des Kantons Zug vom 17.11.1970
  20. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Bahnhof, Gesuch vom 26.06.1974
  21. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Bahnhof, Erneuerungsgesuch Wirtepatent 13.02.1979
  22. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 77 [Stand: 12.12.2016]
  23. www.zentralplus.ch [Stand: 27.12.2016]
  24. www.bahnhof-cham.ch, aufgerufen am 07.07.2019
  25. Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Verzeichnis der geschützten Denkmäler, Grundstücknummer 77 [Stand: 23.07.2019]
  26. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 119