Baumgartner Heinrich (1923–2013)

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heinrich Baumgartner-Schoch war ein wichtiger Chamer Politiker. Er war Polizeirichter, Bürgerschreiber, Bürgerpräsident, Gemeindepräsident und am Schluss seiner politischen Karriere Regierungsrat. Insgesamt hatte er während 33 Jahren öffentliche Ämter inne, dementsprechend prägend war er in seiner Zeit.

Portrait von Baumgartner Heinrich (1923–2013)
Portrait von Baumgartner Heinrich (1923–2013)

Vorname: Heinrich
Nachname: Baumgartner
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 13. Januar 1923
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 31. Mai 2013
Todesort: Cham ZG
Beruf: Jurist, Gemeindepräsident, Regierungsrat
Religion: römisch-katholisch
Partei: Christlichdemokratische Volkspartei CVP
VIAF: 
Kennung des Eintrags zur Person im «Virtual International Authority File (VIAF)».
90912691
HLS: 
Kennung des Eintrags zur Person im «Historischen Lexikon der Schweiz (HLS)».
005829
GND: 
Kennung des Eintrags zur Person in der «Gemeinsamen Normdatei (GND)».
138644519



Regierungsrat Heinrich Baumgartner beim Ausflug mit dem Zuger Kantonsrat ins Naturschutzgebiet Choller, Oktober 1986
Heinrich Baumgartner als Cellist, hier zuhause an der Hünenbergerstrasse 56; musikalisch war er im Orchester Cham-Hünenberg engagiert, Dezember 1987
Am Stadtfest 1987: Alt Bundesrat Hans Hürlimann (1918–1994) und Alt Regierungsrat Heinrich Baumgartner als Ehrengäste am Festumzug
Bürgerpräsident Xaver Gretener (*1930) und Ehrenbürger Heinrich Baumgartner, umrahmt von der Musikgesellschaft Cham
Zwei Ehrenbürger: Hans Kaufmann (*1928) und Heinrich Baumgartner an der Feier für die Übergabe des Anerkennungspreises der Bürgergemeinde Cham an Ernst Rohner, 2008
Gemeindepräsident Heinrich Baumgartner gratuliert Direktor Anton Harnischberg zum 25-Jahr-Jubiläum der Abnox AG, 1971
Heiri Baumgartner engagierte sich auch in vielen Vereinen, so war er Gründungsmitglied des Schwingklubs Cham-Ennetsee, hier der erste Vorstand: von links Peter Ulrich, Hans Werder, Heinrich Baumgartner und Ernst Trottmann

Stationen

1923 Am 13. Januar kommt Heinrich Baumgartner in Cham zur Welt. Er hat zwei Schwestern und einen Bruder. Sein Vater heisst ebenfalls Heinrich (1892–1952), ist Verwalter der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Cham, Betreibungsbeamter und später auch Bürgerpräsident, seine Mutter heisst Anna, ist eine geborene Widmer (vom gleichnamigen Modehaus) und von Beruf Modistin. Die Familie wohnt in der Nähe des Bahnhofs an der Poststrasse 2 im Gebäude der Landi. Der kleine Heinrich spielt häufig in, um und unter den Güterschuppen des Bahnhofs. [1]

1942 Heinrich junior besucht die Schulen in Cham und die Kantonsschule in Zug, die er mitten im Zweiten Weltkrieg mit der Matura abschliesst.

1949 Heinrich Baumgartner, den in Cham alle «Heiri» nennen, studiert an der Universität Zürich Rechtswissenschaften und promoviert zum Dr. iur. [2]

1950 Es folgt die Ausbildung zum Rechtsanwalt mit der Erlangung des Anwaltspatents.

1950 Die erste Anstellung erfolgt in Zug: Heinrich Baumgartner arbeitet als Substitut des Gerichtsschreibers (bis 1952). [3]

1952 Heinrich Baumgartner eröffnet eine eigene Anwaltspraxis in Cham. Er übernimmt unter anderem das Sekretariat des Kantonalen Gewerbeverbandes. [4] Und er heiratet: Elisabeth Werder (1927–1953) heisst die Auserwählte und kommt aus der «Stadelmatt» in Unterhünenberg. [5]

1953 Ein tragisches Jahr für Heinrich Baumgartner: Kurz nacheinander sterben sein Vater Heinrich und seine Ehefrau Elisabeth. Seine Frau leidet an einer schweren Darmerkrankung und wird gerade mal 25 Jahre alt. [6] Im gleichen Jahr wird Baumgartner zum Bürgerschreiber gewählt (bis 1961). In dieser Zeit steht der Neubau des Chamer Spitals an: Baumgartner engagiert sich bei der Planung, dem Bau und bei der Geldbeschaffung. [7]

1955 Der verwitwete Baumgartner heiratet ein zweites Mal, diesmal mit Alice Schoch (1924–1990) von der Gärtnerei Schoch. [8]

1957 Baumgartner gibt die eigene Anwaltskanzlei auf und wird Polizeirichter und Direktor der Strafanstalt Zug (bis 1978).

1962 Die Chamer Bürger wählen Heinrich Baumgartner zum Bürgerpräsidenten (bis 1979). Im ersten Amtsjahr kann er den Neubau des Chamer Spitals einweihen, was ihm eine besondere Freude ist, weil er dort soviel Vorarbeiten als Bürgerschreiber geleistet hat. [9]

1964 Bei der Stiftung Altersheim Cham übernimmt Baumgartner den Vorsitz (bis 1977). [10] Cham braucht Wohnungen: Heinrich Baumgartner ist einer der Mitgründer der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Cham (GBC) und wird deren erster Präsident (bis 1970, Mitglied im Vorstand bis 1998). [11]

1966 Polizeirichter und Bürgerpräsident Baumgartner wird auch noch zum Gemeinderat gewählt (bis 1970); er ist zuständig für das Vormundschafts- und Sozialwesen, später für das Baudepartement. [12]

1971 Eine seltene Doppelführung von Bürger- und Einwohnergemeinde ergibt sich: Denn Heinrich Baumgartner übernimmt zusätzlich zum Amt des Bürgerpräsidenten auch noch das Präsidium der Einwohnergemeinde (bis 1981). Innerhalb der Einwohnergemeinde wechselt er vom Bau zu den Finanzen. [13]

1979 Die Zugerinnen und Zuger wählen Heinrich Baumgartner in den Zuger Regierungsrat, er übernimmt das Amt des Baudirektors. Das Amt des Bürgerpräsidenten gibt er ab; hingegen behält er das Gemeindepräsidium.

1981 Neben den vielen Funktionen amtiert Baumgartner auch noch als Präsident der CVP des Kantons Zug (bis 1986).

1986 Baumgartner tritt als Regierungsrat zurück und gibt auch das Parteipräsidium ab.

1987 Die Bürgergemeinde Cham ehrt Heinrich Baumgartner und verleiht ihm am 23. Juni das Ehrenbürgerrecht.

2013 Am 31. Mai stirbt Heinrich Baumgartner im Alter von 90 Jahren in Cham – «still und leise, ganz so wie er die letzten Jahre in seinem Haus gelebt hat.» [14]


Der Politiker

Heinrich Baumgartner war für viele Chamerinnen und Chamer «so etwas wie das politische Gewissen der Gemeinde». [15] Als Politiker brachte er aufgrund seiner Fachkenntnisse und seiner umgänglichen Art viel zustande. In Cham zum Beispiel den Abschluss der Ortsplanung, den Bau der Schul- und Sportanlage Röhrliberg sowie den Kauf des Villette-Areals. [16] Auf kantonaler Ebene vertrat er rund 2500 Geschäfte im Regierungsrat, also rund 300 pro Jahr. [17] Als Baumgartner starb, äusserten sich viele Weggefährten. Etwa Ständerat Peter Bieri (*1952): «Für viele Zuger Politiker war er mit seiner grossen Schaffenskraft, seiner Werthaltung und seiner Bescheidenheit ein Vorbild.» [18] Und sein Kollege im Regierungsrat und Nationalrat, Georg Stucky (*1930), meinte: «Er war und blieb für mich ein sehr guter, verlässlicher Kollege.» [19] Sein Nachfolger im Regierungsrat, Paul Twerenbold (*1946): «Er war mit Bestimmtheit kein solcher Alpha-Typ; er war keiner, der sich in den Vordergrund drängte und das Rampenlicht suchte. Er war für mich der Archetyp des Diener des Volkes. Er war immer vorbehalt- und selbstlos bereit, dem Gemeinwohl und dem öffentlichen itneresse zu dienen.» [20] Schliesslich CVP-Parteipräsident Martin Pfister (*1963): «Das Wohl der Menschen lag ihm sehr am Herzen.» [21]


Der Integrierende

«Heiri» Baumgartner war in Cham eine bekannte Persönlichkeit. Ein geflügeltes Wort ging in Cham um: «Gang, frog doch de Heiri!» [22] Er war sehr gut vernetzt, was auch mit seiner grossen Vereinsaktivität zusammenhing. Er war Gründerpräsident des Turnvereins St. Andreas und des Schwingklubs Cham-Ennetsee. In mehr als einem halben Dutzend Vereinen erhielt er aufgrund seines Engagements die Ehrenmitgliedschaft. Zudem wirkte er bei vielen Chamer Anlässen im Organisationskomitee, häufig auch als Präsident. [23] Schliesslich war er sehr grosszügig: Zehn Prozent seines Einkommens spendete für gemeinnützige Zwecke, was viele Chamer Vereine wussten und ihm ihre Gesuche zukommen liessen. ref>Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 124</ref>


Spezielles

Heinrich Baumgartner besass nie einen Fahrausweis. Deshalb war er mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Velo unterwegs. In Cham schien er praktisch alle Menschen im Ort zu kennen, jedenfalls grüsste er alle und die meisten mit Namen. [24] So kam es, dass man «Heiri» Baumgartner auch mit seinem sperrigen Cello auf dem Fahrrad sehen konnte, wenn er zur Probe des Orchestervereins fuhr. [25] Weil Baumgartner auch dem Chamer Ableger der freiwilligen Blutspendevereinigung Italiens AVIS half, wurde er mit dem Ehrentitel «Cavalliere della Republica Italiana» bedacht, worauf er sehr stolz war. [26]


Fotogalerie

Heinrich Baumgartner, der Politiker


Feier zum 70. Geburstag am 13. Januar 1993 im Lorzensaal Cham


Verleihung des Ehrenbürgerrechts

Die Bürgergemeinde Cham verlieh Heinrich Baumgartner am 23. Juni 1987 das Ehrenbürgerrecht anlässlich eines Festaktes in der Aula im Schulhaus Röhrliberg


Dokumente

Broschüre zum Tod von Dr. Heinrich Baumgartner, die an der Bürgergemeindeversammlung vom 18. Juni 2013 abgegeben wurde


Einzelnachweise

  1. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  2. Neue Zuger Zeitung, 17.06.2013 (Nekrolog
  3. Zuger Nachrichten, 13.01.1993
  4. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  5. Zuger Volksblatt, 20.02.1953
  6. Zuger Volksblatt, 20.02.1953
  7. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  8. Neue Zuger Zeitung, 17.06.2013 (Nekrolog)
  9. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  10. Neue Zuger Zeitung, 17.06.2013 (Nekrolog)
  11. Neue Zuger Zeitung, 18.03.2014. Neue Zuger Zeitung, 07.01.2015
  12. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  13. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  14. Neue Zuger Zeitung, 05.06.2013
  15. Orsouw, Michael van, Cham. Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 123
  16. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  17. Neue Zuger Zeitung, 17.06.2013 (Nekrolog)
  18. Neue Zuger Zeitung, 15.06.2013
  19. Neue Zuger Zeitung, 05.06.2013
  20. Neue Zuger Zeitung, 17.06.2013 (Nekrolog)
  21. Neue Zuger Zeitung, 05.06.2013
  22. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  23. Bürgergemeinde Cham, Gretener, Oskar, Dr. Heinrich Baumgartner, Gratulationsrede zum 70. Geburtstag, 1993
  24. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 123
  25. Neue Zuger Zeitung, 21.01.2013
  26. Neue Zuger Zeitung, 05.06.2013