Gretener-Winiker Oskar (1925–1994)

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Portrait von Gretener-Winiker Oskar (1925–1994)
Portrait von Oskar Gretener-Winiker (1925–1994), 1978

Vorname: Oskar
Nachname: Gretener-Winiker
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 21. Juni 1925
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 15. Oktober 1994
Todesort: Cham ZG
Beruf: Kantonsrat, Bürgerschreiber
Partei: Freisinnig-Demokratische Partei FDP

Oskar Gretener-Winiker war ein Chamer Bücherexperte, Kantonsrat der Freisinnigen und Bürgerschreiber. Er setze sich in den 80-er Jahren engagiert für den Erhalt des Chamer Akutspitals ein.



Die Familie Gretener-Meier: Mutter Louise (sitzend), die Kinder Anna, Oskar, Louise und Maria (sitzend) sowie Vater Basil (1886–1959), um 1932
Sein Vulgo lautet auf «Schlot»: Oskar Gretener als Mitglied der Studentenverbindung Kolina Tugiensis, um 1944
Im Militär erreicht Oskar Gretener den Grad eines Fouriers, im Bild als Korporal
Oskar Gretener im Alter von 21 Jahren, um 1946
Oskar Gretener im Programmheft «Eine Nacht in Venedig»: neben ihm traten viele professionelle Artisten auf, 1951
Hochzeit mit Trudy Winiker im September 1956. Mitglieder des Wasserskiclubs Cham stehen Spalier, 20.09.1956
Spatenstich für das Altersheim Büel mit Oskar Gretener, Josef Bächer, dem damals ältesten Chamer Einwohner, und Architekt Erich Weber, 12.04.1975
Während des legendären Spitalbazars im Oktober 1981: Spitalpräsident Oskar Gretener in angeregtem Gespräch mit dem damaligen Sanitätsdirektor, Regierungsrat Thomas Fraefel (1923–2013)
Oskar und Trudy Gretener auf einer Kreuzfahrt in Norwegen, um 1985
Unterwegs mit dem Bürgerrat Cham und dem Heli unterwegs auf Einladung von Bürgerrat Angelo Reggiori (links aussen), Bürgerpräsident Xaver Gretener, Bürgerat Jakob Gretener, Bürgerrat Gusti Hausheer, Bürgerschreiber Oskar Gretener und Bürgerrat Willi Baumgartner, 1989
In einer Aufnahme um 1990 vor dem Asyl Cham: Xaver Gretener (*1930), damals Bürgerpräsident, Roney Züblin, Verwalter Altersheim und Akutspital, und Spitalpräsident Oskar Gretener. Die drei Männer arbeiten für den Erhalt des Spitals eng zusammen

Stationen

1925 Oskar Gretener kommt am 21. Juni als Sohn von Basil (1886–1959) und Louise (*1892) Gretener-Meier zur Welt. Zusammen mit seinen Geschwistern Anna (1921–1958, später Stöckli), Louise (1917–1984, später Limacher) und Maria (*1937, später Köppel), wächst er an der Hünenbergerstrasse 18 auf. [1] Er besucht die Primar- und Sekundarschule im Schulhaus Kirchbühl, wechselt 1940 in die Handelsabteilung der Kantonsschule Zug, wo er 1944 die Matura erlangt. [2]

1944 Kantonsschüler Gretener tritt der Studentenverbindung Kolina Tugiensis bei, «wo er sowohl in studentischen wie in den musischen Belangen starke Akzente setzte. Sein Wirken als führungsstarker Fuxmajor ebenso wie seine inspirierenden Produktionen waren markante Höhepunkte an manchem Kommers.» [3] Während dieser Zeit schreibt er auch das Gedicht «Das Götterweib», welches er in der Folge an vielen Anlässen erfolgreich rezitieren wird. [4]

1947 Nach einem Bankpraktikum bei der Zuger Kantonalbank tritt Oskar Gretener in das Treuhandbüro seines Schwagers Alfred Stöckli (1902–1964) an der Luzernerstrasse 50 in Cham ein. [5]

1948 Der Turnverein Cham führt die Freilichtaufführung «Ein Abend bei Wien – Sommernachtsfest im Garten ‘zur goldnen Kron’» auf. Es ist ein erster Versuch, die Darbietungen der Riegen «gediegen, abwechslungsreich und vor allem einheitlicher zu gestalten». [6] Die Aufführung wird von Paul Stäuble und Oskar Gretener konzipiert und geschrieben; Oskar Gretener interpretiert die Rolle des Franz, Wirt zur goldenen Krone, Paul Stäuble führt Regie. Zahlreiche Chamer Schauspielerinnen und -spieler, Musiker und Musikerinnen sowie natürlich Turnerinnen und Turner beteiligen sich an der Aufführung. [7]

1951 Seine bereits in der Kolina offenkundige sängerische Begabung lässt Oskar Gretener aktiv im Kirchenchor Cham und auch in über 30 Theaterstücken mitwirken. [8] Bei der grossen Freilichtaufführung «Eine Nacht in Venedig» im Hirsgarten singt Gretener den Solopart des Georgio Testaccio – alle anderen Hauptrollen werden mit auswärtigen Profis besetzt. [9]

1956 Oskar Gretener heiratet am 20. September Gertrud Winiker (*1928) aus Luzern. Sie haben zwei Kinder, Thomas (*1957) und Christina (*1959).

1959–1962 Die Chamer Stimmberechtigen wählen Oskar Gretener als Vertreter der FDP in den Kantonsrat. Er bleibt während einer Legislaturperiode im Amt (bis 1962). [10]

1961 Oskar Gretener wird Bürgerschreiber von Cham; er übernimmt das Amt von Heinrich Baumgartner (1923–2013), der seinerseits Bürgerpräsident wird. [11] Als Bürgerschreiber betreut Gretener auch das Fürsorgewesen. Baumgartner und Gretener sind ein starkes Team, «sie verstehen sich beinahe blind». [12]

1963 In Cham soll eine Musikschule ins Leben gerufen werden: Das fordert Oskar Gretener in einer Motion, die von der Gemeindeversammlung erheblich erklärt wird. 1964 wird die Musikschule eröffnet. [13]

Oskar Gretener wird in die gemeindliche Rechnungsprüfungskommission gewählt, wo er bis 1966 Mitglied ist. [14]

1964 Als sein Chef Alfred Stöckli unerwartet verstirbt, übernimmt Oskar Gretener dessen Treuhandbüro, welches er an der Neuhofstrasse 18 weiterführt. [15]

Als Gründungsmitglied der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Cham ist er von 1964 bis 1987 Rechnungsrevisor der Genossenschaft. [16] In dieser Zeit stellt er sich auch als Sekretär des Gewerbevereins Cham zur Verfügung und wirkt während rund 20 Jahren als Kassier des kantonalen Gewerbeverbands. [17]

1966 Oskar Gretener ist massgeblich an der Gründung der Stiftung Altersheim Cham beteiligt. Als Mitglied des Stiftungsrats und der Betriebskommission betreut er das Rechnungswesen der Stiftung. [18]

1967 Nach dem Tod von Bürgerrat Robert Grob (1919–1967) übernimmt Gretener auch das Rechnungswesen der Bürgergemeinde. [19]

1969 Die Musikgesellschaft Cham organisiert den Zuger kantonalen Musiktag, für welchen sich Oskar Gretener als OK-Präsident zur Verfügung stellt. [20]

1975 In Baar stirbt unerwartet Bürgerschreiber Alfred Züfle (1910–1975). Oskar Gretener springt auf Ersuchen des Bürgerrats Baar in die Lücke und betreut temporär zwei Bürgergemeinden. [21]

1976 In Cham beginnt die Zeit der Bazare: Für die Finanzierung des neuen Altersheims wird unter OK-Präsident Heinrich Baumgartner der Altersheim-Bazar, kurz: Alheiba, an zwei Wochenenden im Oktober durchgeführt. Oskar Gretener wirkt im Stab mit. [22] 1981 kommt es zur Neuauflage des Bazars, dieses Mal für die Rettung des Akutspitals Cham. Wiederum an zwei Wochenenden wird im Oktober auf dem Areal des Schulhauses Städtli der «Spiba» (Spitalbazar) durchgeführt. Oskar Gretener wirkt als OK-Präsident. [23]

1978 Oskar Gretener wird Präsident der Betriebskommission des Spitals Cham. [24] Als Spitalpräsident setzt er sich mit «grossem Einsatz und Einfühlungsvermögen erfolgreich für die Erhaltung und den Weiterausbau des Spitals ein». [25]

1988 In einer kantonalen Volksabstimmung sprechen sich die Stimmberechtigten für die Weiterführung des Chamer Akutspitals aus. Eine Genugtuung für Oskar Gretener: «Was lange währt, wird endlich gut.» [26] In der Folge übernimmt er das Präsidium der Spitalbaukommission: «Es war für ihn eine Genugtuung, als im Dezember 1989 das Vorprojekt zum Neubau der Sanitätsdirektion eingereicht werden konnte, das von ihr und der Regierung als sehr gut bewertet wurde.» [27]

1990 Nach 29 Jahren tritt Oskar Gretener als Bürgerschreiber zurück. Er übergibt das Amt seinem Sohn Thomas. [28]

1991 Josef Huwiler (*1948) übernimmt von Oskar Gretener das Amt des Spitalpräsidenten. [29]

1994 Oskar Gretener stirbt am 15. Oktober nach längerer Krankheit im Alter von 69 Jahren. [30]


Würdigung

Oskar Gretener hat die immense Arbeit für die verschiedenen öffentlichen Werke unentgeltlich oder zu bescheidenen Ansätzen in aller Stille ausgeführt. Nie stand er im Vordergrund, und immer hat er den Erfolg seines Einsatzes anderen überlassen. [31]

«Dank Schlots philantropischer Ader gelangte da manch älterer Mensch und auch manch kleiner Gewerbetreibender kostenlos zu Rat und Beistand.» [32]


Der Curler

Oskar Gretener war ein begeisterter Curler und Teil des erfolgreichen Zuger Curling-Teams mit den Mitgliedern Cesare «Cesi» Canepa (1924–2011) (Skip), Werner Oswald und Hansruedi Werren (1935–2001). Das Team nimmt vom 16. bis zum 20. März 1971 an der Weltmeisterschaft in Megève F teil, wo es zwar im Halbfinal gegen Weltmeister Kanada verliert und den vierten Schlussrang belegt. Als bestes europäisches Team mit Sieg gegen Schweden erhält die Schweiz dafür den «Continental Europe-Cup». [33] An den Schweizer Meisterschaften 1972 erreicht das Team mit Skip Canepa Platz zwei. [34] Auch Trudy Gretener-Winiker lernt das Curling-Spiel; oft spielen sie zusammen im gleichen Team und gewinnen etliche lokale Turniere. [35]


Oskar Gretener und das Jassen

«Oski», wie ihn seine Freunde und Kollegen riefen, liebte die Geselligkeit und besonders auch das Jassen. Sein unglaublich gutes Gedächtnis war ihm dabei eine grosse Hilfe. Der Sonntagnachmittag war nicht selten dem Jassen gewidmet, zusammen mit der Familie oder der Verwandtschaft, natürlich auch, um den neuesten Familienklatsch auszutauschen. Nach einer Bürgerratssitzung wurden stets die «Blätter gewetzt», gut und gerne bis nach Mitternacht. Legendär müssen schliesslich die Jassabende nach der Probe des Kirchenchors gewesen sein, die weit bis nach Mitternacht dauerten. Und wenn es dann sogar morgens wurde, besuchten die Jassfreunde die Frühmesse, die um 6 Uhr begann – um wenigstens ein bisschen Busse zu tun. [36]


Sein Vulgo war «Schlot»

Oskar Gretener war ein Raucher, ein Kettenraucher. Der Rauch hing überall: im Büro, wo auch die Sekretärinnen arbeiteten, in der Wohnung, wo sich die Wände gelblich verfärbten, und im Auto, einem VW T1500, in welchem es den Kindern auf der Fahrt über den Gotthard nach Italien nicht nur wegen der Tremolakurven grausam schlecht wurde. Das Büropult war übersät mit Brandflecken, verursacht durch die Glut, die sich von der Zigarette löste, während Gretener in seine mechanische Schreibmaschine vom Typ Hermes Standard 6 hämmerte. Er rauchte ein Kraut namens «North State», eine finnische Marke, die es nur im Konsum 3000 an der Luzernerstrasse 22 zu kaufen gab. Als der Laden schloss, musste er schweren Herzens die Marke wechseln. [37] In der Studentenverbindung Kolina Tugiensis trug er den Vulgo «Schlot», der auf einen bereits in jugendlichem Alter erheblichen Zigarettenkonsum·hindeutet und «der ihm später vielleicht doch mehr Lebensqualität gekostet hat, als er bereit war zuzugeben.» [38] Seine letzten sieben Lebensjahre verbrachte Oskar Gretener mit nur einem Lungenflügel. [39]


Der Bücherexperte und die «Gwerbler»

Das Treuhandbüro von Oskar Gretener, welches er meistens mit zwei Mitarbeiterinnen betrieb, betreute vor allem kleinere Gewerbebetriebe der Region. Besonders zahlreich war die Gattung der Bäcker, viele davon aus dem Kanton Schwyz. Einmal jährlich besuchte er sie alle an einem Tag, um sie persönlich zu beraten. Greteners zwei Kinder durften mitreisen. Natürlich waren sie nicht an Zahlen interessiert. Schnell haben sie jedoch begriffen, dass die Bäckersfrauen den unschuldig dreinblickenden Kindern immer ein süsses Gebäck mit auf die «beschwerliche Reise» gaben. Mutter Gretener musste an diesem Tag bestimmt kein Nachtessen zubereiten. [40]

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Inserat des Treuhandbüros von Oskar Gretener, 1976


Einzelnachweise

  1. Freundliche Mitteilung von Trudy Gretener-Winiker, Cham, 06.05.2020
  2. Erziehungsdirektion des Kantons Zug, Maturitätszeugnis vom 29.06.1944
  3. Walter Preibisch v/o Quick im Jahresbericht der Kolina Tugiensis, Verbindungsjahr 1994/1995, S. 17
  4. Freundliche Mitteilung von Trudy Gretener-Winiker, Cham, 06.05.2020
  5. Freundliche Mitteilung von Trudy Gretener-Winiker, Cham, 06.05.2020
  6. Theaterskript «Ein Abend bei Wien – Sommernachtsfest im Garten ‘zur goldnen Kron’» von Paul Stäuble und Oskar Gretener, 1948
  7. Theaterskript «Ein Abend bei Wien – Sommernachtsfest im Garten ‘zur goldnen Kron’» von Paul Stäuble und Oskar Gretener, 1948
  8. Walter Preibisch v/o Quick im Jahresbericht der Kolina Tugiensis, Verbindungsjahr 1994/1995, S. 17
  9. Sommernachtsspiele Cham, Eine Nacht in Venedig, Programmheft, Cham 1951, S. 14
  10. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  11. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  12. Mündliche Mitteilung von Heinrich Baumgartner an Thomas Gretener, 1994
  13. Einwohnergemeindearchiv Cham, Protokoll der Gemeindeversammlung, 21.06.2004
  14. Freundliche Mitteilung von Silvan Abicht, Gemeindearchivar Cham, 11.05.2020
  15. Freundliche Mitteilung von Trudy Gretener, Cham, 06.05.2020
  16. «Oskar Gretener zum 65. Geburtstag», Heinrich Baumgartner in den Zuger Nachrichten, 20.06.1990
  17. Zuger Nachrichten, 17.10.1994
  18. «Oskar Gretener zum 65. Geburtstag», Heinrich Baumgartner in den Zuger Nachrichten, 20.06.1990
  19. Zuger Nachrichten, 16.01.1991
  20. Einwohnergemeindearchiv Cham, Bestand Musikgesellschaft Cham, Schachtel 10
  21. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  22. Alheiba-Zytig, 27.09.1976
  23. Odermatt, Alice / Stadlin, Judith, Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik. Eine Erfolgsgeschichte der Bürgergemeinde Cham, Cham 2009, S. 62
  24. Odermatt, Alice / Stadlin, Judith, Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik. Eine Erfolgsgeschichte der Bürgergemeinde Cham, Cham 2009, S. 102
  25. «Oskar Gretener zum 65. Geburtstag», Heinrich Baumgartner in den Zuger Nachrichten, 20.06.1990
  26. Odermatt, Alice / Stadlin, Judith, Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik. Eine Erfolgsgeschichte der Bürgergemeinde Cham, Cham 2009, S. 65
  27. Zuger Tagblatt, 16.01.1992
  28. Zuger Nachrichten, 16.01.1991
  29. Odermatt, Alice / Stadlin, Judith, Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik. Eine Erfolgsgeschichte der Bürgergemeinde Cham, Cham 2009, S. 102
  30. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  31. «Oskar Gretener zum 65. Geburtstag», Heinrich Baumgartner in den Zuger Nachrichten, 20.06.1990
  32. Walter Preibisch v/o Quick im Jahresbericht der Kolina Tugiensis, Verbindungsjahr 1994/1995, S. 17
  33. Freundliche Mitteilung von Trudy Gretener-Winiker, Cham, 06.05.2020
  34. Die Tat, 22.02.1972
  35. Freundliche Mitteilung von Trudy Gretener-Winiker, Cham, 06.05.2020
  36. Erinnerungen von Thomas und Trudy Gretener, Cham, 06.05.2020
  37. Erinnerungen von Thomas Gretener, Cham, 06.05.2020
  38. Walter Preibisch v/o Quick im Jahresbericht der Kolina Tugiensis, Verbindungsjahr 1994/1995, S. 17
  39. Erinnerungen von Thomas Gretener, Cham, 06.05.2020
  40. Erinnerungen von Thomas Gretener, Cham, 06.05.2020