Baumgartner-Luchsinger Willi (1921–2010)

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Portrait von Baumgartner-Luchsinger Willi (1921–2010)
Portrait von Willi Baumgartner-Luchsinger (1921–2010), um 1965

Vorname: Willi
Nachname: Baumgartner
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 26. September 1921
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 9. Juli 2010
Todesort: Cham ZG
Beruf: Unternehmer, Kantonsrat, Bürgerrat
Religion: römisch-katholisch
Partei: Freisinnig-Demokratische Partei FDP

Willi Baumgartner wuchs im Chamer «Bären» auf und galt als richtiges «Chomer Urgestein». Er führte einen Laden für Haushaltsartikel, war Kantonsrat und Bürgerrat, darüberhinaus engagierte er sich in zahlreichen Chamer Vereinen.



Willi Baumgartner in jungen Jahren
Rekrut Willi Baumgartner, um 1940
Hochszeitsfoto von 1944: Anni und Willi Baumgartner-Luchsinger
Mit seiner Frau Anni (1921–2008) in Arosa GR
Willi Baumgartner war ein passionierter Fischer, 1967
Willi und Anni Baumgartner, um 1977
Auf Reisen mit dem Bürgerrat Cham, von links: Bürgerrat Angelo Reggiori (*1928), Bürgerpräsident Xaver Gretener (*1930), Bürgerrat Jakob Gretener (*1925), Bürgerrat Gusti Hausheer (*1946), Bürgerschreiber Oskar Gretener (1925–1994) und Willi Baumgartner
War auch nach seiner Pensionierung oft mit dem Töff unterwegs, hier auf dem Furkapass

Stationen

1921 Willi kommt als Wilhelm-Friedrich Baumgartner am 26. September zur Welt. Er ist das zweitälteste Kind von Rosa (1895–1958) und Paul Baumgartner-Brandenberg (1895–1975), die das Hotel, das Restaurant und die Metzgerei im «Bären» führen. Am Tag seiner Geburt wird Vater Paul vom Militär eingezogen, um in Basel als Kavallerist die Bevölkerung zu schützen. [1]

1929 In seiner Kindheit muss Willi wie seine Geschwister auch im elterlichen Betrieb anpacken. Willi Baumgartner besucht die Primarschule im Schulhaus Kirchbühl. [2]

1931 Bereits im Alter von 10 Jahren assistiert Willi seinem Vater, wenn es um Einsätze bei der Feuerwehr geht: Bei Feueralarm setzt sich Willi auf sein Fahrrad und bläst mit dem Feuerhorn – damit das Dorf über die Brandgefahr Bescheid weiss. Kein Wunder tritt er später selber der Feuerwehr Cham bei und ist während 20 Jahren im Einsatz, zuletzt als Leutnant. [3]

1935 Nun absolviert Willi Baumgartner während zwei Jahren die Sekundarschule, danach geht er für ein Jahr ins Welschland, er besucht das Institut in Champagne bei St. Maurice VD. [4]

1938 Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg findet Willi Baumgartner eine Lehrstelle als Koch und zwar im «Gotthard» in Luzern. Die Lehre muss Willi immer wieder unterbrechen, weil er Aktivdienst zu leisten hat. Er bringt es auf 1500 Diensttage und wird zum Wachtmeister befördert. [5]

1943 Mitten im Zweiten Weltkrieg eröffnet Willi Baumgartner im «Sonnhof» an der Luzernerstrasse 28 einen Laden für Haushaltsartikel. [6] Er setzt auf diese Karte, weil klar ist, dass sein älterer Bruder Paul Baumgartner-Morelli (*1920) dereinst den Gasthof Bären übernehmen wird.

1510 Baumgartner Willy Laden Sonnhof Willi Baumgartner.jpg

1944 Obwohl noch immer der Krieg den Alltag beherrscht, heiratet Willi Baumgartner. Seine Gattin ist Anni Luchsinger (1921–2008) aus Schwanden GL. Sie arbeitet im Einkaufsladen im «Sonnhof» mit. [7]

1946 Anni und Willi Baumgartner-Luchsinger werden Eltern: Tochter Marianne kommt zur Welt. Willi entwickelt derweil sein Haushaltswarengeschäft weiter und veranstaltet jedes Jahr vor Weihnachten eine grosse Spielwarenausstellung im «Bären». Auch verkauft er im Frühjahr den Bauern landwirtschaftliche Geräte, wenn er sie auf den Höfen besucht. Zudem ist er in der Freizeit sehr aktiv: Er ist bei der Gründung des «Segelclub Cham» mit dabei und wird dessen erster Präsident. Er bekommt dort den Übernamen «Krax» und fördert den Eigenbau von H-Jollen, damit das Segeln zu einem Volkssport werden kann. Zudem organisiert er viele Regatten und auch Schweizermeisterschaften. [8]

1948 Das Ehepaar Baumgartner-Luchsinger erfährt nochmals Elternfreunden: Sohn Rony (Hieronymus-Paul) komplettiert die Familie. [9]

1951 Willi Baumgartner ist einer der Gründer des Sportfischervereins Cham SFVC 1951. Während 31 Jahren amtiert er als Präsident. [10]

1959 Die Chamer erkennen Willi Baumgartners Talente und wählen ihn in den Kantonsrat als Vertreter der FDP. [11] Er nimmt Einsitz in die Kommissionen für Strassenbau, für Gewässerschutz und für Fischerei. In seine Zeit als Kantonsrat fällt unter anderem die Linienführung der Autobahn, die der kantonale Baudirektor Alois Hürlimann (1916–2003) allen Ernstes durch den Villette-Park führen wollte. Auch trägt er dazu bei, dass die Papierfabrik Perlen LU ihre Cellulose-Abfälle nicht mehr in die Reuss entsorgen darf. [12]

1971 Willi Baumgartner-Luchsinger, mittlerweile 50-jährig, löst sein Geschäft für Haushaltswaren auf und demissioniert auch als Kantonsrat. Er nimmt eine Stelle als Bürochef der Motorfahrzeugkontrolle des Kantons Zug an. [13]

1974 Willi Baumgartner zieht es zurück in die Politik. Er wird Bürgerrat. [14] Er kann mit den anderen Räten verhindern, dass in Cham das Spital geschlossen wird. [15]

1982 Als Willi Baumgartner vom Präsidium des Sportfischervereins Cham abtritt, wird er verdientermassen zum Ehrenpräsident ernannt. Während 31 Jahren leitet er den Verein, organisiert zweitägige Ausflüge im In- und Ausland und leitet jeweils See- und Lorzenreinigungsaktionen. [16]

1985 Nach 15 Jahren bei der Motorfahrzeugkontrolle des Kantons wird Willi Baumgartner-Luchsinger pensioniert. [17] Er fährt fortan gerne auf seinem Motorrad (Marke Honda Goldwing) durch das Land, und zuhause widmet er sich leidenschaftlich der Bauernmalerei. [18]

1993 Willi Baumgartner tritt aus dem Bürgerrat zurück, dem er seit 1974 angehört. [19]

2008 Obwohl mittlerweile fünffacher Grossvater und zweifacher Urgrossvater pflegt er seine Frau Anni hingebungsvoll, bis sie am 6. Dezember verstirbt. [20]

2010 Am 9. Juli stirbt Willi Baumgartner im Alter von 89 Jahren. [21]


Weitere Aktivitäten

Willi Baumgartner ist einer der Gründer der Chamer Kinderfasnacht und des ersten Chamer Jahrgängervereins, der «21er». Nicht weniger als 64 Jahre lang trommelt er seine Jahrgänger regelmässig herbei, um die Zusammengehörigkeit zu festigen. Angesichts seiner vielen Aktivitäten im Beruf, in Vereinen und in der Politik nennt Bürgerpräsident Heinrich Baumgartner (1923–2013) ihn bei seinem Rücktritt aus dem Bürgerrat leicht scherzhaft «Aktivist». [22]


Anekdote

Im Sommer 1946 veranstalten Wassersportler des Segelclubs auf dem Platz vor dem Gemeindehaus eine Bootstaufe. Weil die Feier am Sonntagabend um 22 Uhr stattfindet und zudem Petarden, Raketen und sogar ein Gewehrschuss abgefeuert werden, fühlt sich ein Anwohner gestört und zeigt die Segler an. Deshalb erhält Willi Baumgartner als Verantwortlicher eine Busse in der Höhe von 30 Franken, wegen «Missbrauch des sogen. Freudenschiessen»! [23] Die Segler nehmen es mit Humor und dichten dazu:

«Er war der erste Präsident
Sowie ein guter Disponent.
Sein Amt versah mit viel Würde.
Auch angesichts mancher Bürde.
Denn machte man zuviel Krakeel,
Erhielt er prompt den Strafbefehl.» [24]


Würdigung

Koch, Kaufmann, Sportfischer, Feuerwehrmann, Segler, Organisator, Kantonsrat und Bürgerrat – Willi Baumgartner-Luchsinger war ein vielseitig begabter Mensch. «Die früh eingeübte Arbeitsamkeit ebenso wie das betrieblich erforderliche Organisationsvermögen und nicht zuletzt der fundamentale Gemeinschaftsgedanke prägten Willis Laufbahn» zeit seines Lebens. [25]


Einzelnachweise

  1. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  2. Neue Zuger Zeitung, 09.07.2001 (Nekrolog). Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  3. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  4. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  5. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020.
  6. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  7. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  8. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  9. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  10. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  11. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  12. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  13. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  14. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  15. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  16. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  17. Nachruf von Willi Baumgartner, 2010. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  18. Neue Zuger Zeitung, 09.07.2001 (Nekrolog)
  19. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  20. Neue Zuger Zeitung, 09.07.2001 (Nekrolog)
  21. Neue Zuger Zeitung, 09.07.2001 (Nekrolog)
  22. Rossi, Cäsar, Der Aktivist Willi Baumgartner, undatierter Zeitungsartikel (circa 1993), freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rony Baumgartner, 21.03.2020
  23. Strafbefehl des Polizeiamts Cham, 16.08.1946, in: Chronik 40 Jahre Segel Club Cham 1947–1987
  24. Chronik 40 Jahre Segel Club Cham 1947–1987
  25. Neue Zuger Zeitung, 09.07.2001 (Nekrolog)