Kaufmann-Akermann Hans (1928–2018)

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Portrait von Kaufmann-Akermann Hans (1928–2018)
Portrait von Hans Kaufmann (1928–2018)

Vorname: Hans
Nachname: Kaufmann-Akermann
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 19. März 1928
Geburt­sort: Beinwil AG
Todes­datum: 15. Juni 2018
Todes­ort: Cham ZG
Beruf: Arzt

Hans Kaufmann war Hausarzt in Cham und leitender Arzt im Spital Cham. Daneben war er sehr aktiv als Kulturförderer und bekam deshalb das Ehrenbürgerrecht von Cham.



Hans Kaufmann, Mitte, während einer Operation im Spital Cham
Hans und Claire Kaufmann nach der Geburt der Tochter Elisabeth, 1970
Hans Kaufmann war ein aktiver Kulturförderer. So war er Mitglied der Redaktionsgruppe des Buchs «Vom Städtli zur Stadt Cham», hier bei der Vernissage in der Villette Cham: Christoph Schmuki (*1944), Josef Huwiler (*1948), Hermann Steiner (1917–2001), Arnold Imhof (*1950), Victor Hotz und Hans Kaufmann (von links), 1995
Hans Kaufmann und Heinrich Baumgartner (1923–2013), beide Ehrenbürger von Cham, anlässlich der Vergabe des Anerkennungspreises an Ernst Rohrer in der Villette, 2008
An der Verleihung des ersten Anerkennungspreises, der am 2006 an Josef Stähli ging: Othmar Werder (*1958), Bürgerpräsident, Josef Stähli (1922–2013), Hans Kaufmann, Ehrenbürger, Erich Oegger (*1944), Präsident der Kulturkommission, und Bruno Werder (*1953), Gemeindepräsident
Porträt von Hans Kaufmann im Buch «Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik», 2010
Hans Kaufmann mit seinem Enkelkind


Stationen

1928 Hans Kaufmann kommt am 19. März in Beinwil AG zur Welt. Seine Eltern sind Josef (1890–1977) und Elisabeth Kaufmann-Sachs (1891–1969), die einen Bauernhof betreiben. Er wächst mit sechs Geschwistern im Freiamt auf. [1] «Es freute mich nie, dass mein Vater Bauer war, eher schämte ich mich ein wenig, da ich körperliche Arbeit und schwielige Hände minder achtete als die zarten Hände der Gewerbler oder gar des Pfarrers oder des Herrn Lehrers.» [2]

1944 Im Zweiten Weltkrieg schliesst Hans Kaufmann die Bezirksschule in Muri AG ab. Weil sein Vater meint, Hans sei zu faul zum Arbeiten, solle er lieber studieren. [3] Hans darf das Gymnasium des Klosters Einsiedeln besuchen. Er ist dort Mitglied der Studentenverbindung Corvina und bekommt den Verbindungsnamen «Knall». Er raucht bis zu 20 Zigaretten pro Tag. [4]

1948 Kaufmann schliesst die Klosterschule mit der Matura ab. Er entscheidet sich für das Medizinstudium. Seinen Entscheid begründet er später so: «Ich glaube, es war vor allem das Prestige des Arztes, das meiner Eitelkeit schmeichelte. Ich gestehe offen, dass meine Motivation mehr in meiner Ehrsucht denn in Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft zu suchen war.» [5] Er studiert in der Folge in Freiburg i. Ue. und in Zürich, dort nennt man ihn «Nerv», für ein Semester geht er an die Universität Wien. [6]

1954 Nach einem Praktikum im Bürgerspital Zug und vertiefenden Studien an der Sorbonne in Paris besteht er in Zürich das Staatsexamen. Hans Kaufmann ist nun diplomierter Arzt. Er beginnt seine Laufbahn als Assistenzarzt im Bürgerspital Zug. [7]

1955 Auf die berufliche Ausbildung folgt die militärische: Kaufmann rückt in die Offiziersschule ein. Er bringt es nacheinander zum Oberleutnant, Hauptmann und schliesslich zum Major. [8]

1958 Innerhalb von nur zwei Monaten verfasst Kaufmann seine Dissertation: Sie trägt den Titel «Die perinatale kindliche Mortalität an der Frauenklinik St. Gallen», er selber bezeichnet die Arbeit als «Schnellschuss» und «beileibe kein Meisterwerk». Der Chefarzt des Zuger Bürgerspitals fragt Assistenzarzt Kaufmann an, ob er als Oberarzt bei ihm arbeiten wolle. Er will und wirkt darauf als Chirurg in Zug. [9]

1961 Kaufmann heiratet Claire Akermann aus Zug, die als Röntgenassistentin arbeitet. Sie heiraten in der Bruderklaus-Kirche in Oberwil, deren Wandbilder von Ferdinand Gehr (1896–1996) damals mit Vorhängen verhüllt sind. Das Paar wohnt zuerst in Zug im Loretoquartier und kommt im Herbst nach Cham. Der junge Doktor eröffnet an der Nestléstrasse 5 seine Arztpraxis als Chirurg und Allgemeinpraktiker – zuvor hatte Xaver Riedweg (1920–1973) dort seine Zahnarztpraxis geführt. Kaufmann kann das Haus mit Wohnung und Praxis für 250'000 Franken erwerben. [10] Weil damals kein ärztlicher Notfalldienst besteht, betreut Kaufmann seine Patientinnen und Patienten – falls nötig – rund um die Uhr. Daneben wirkt er als Schularzt von Cham und operiert als Belegarzt im Spital Cham. [11] «Die Arbeit als Belegarzt was das Zückerli.» [12]

1962 Claire und Hans Kaufmann werden zum ersten Mal Eltern: Tochter Sabine Claire kommt zur Welt. Es folgen Daniela Maria (*1964), Benedikt Johannes (*1965) und Elisabeth Maria (*1970). [13]

1972 Als Freund der Kultur übernimmt Kaufmann das Präsidium des Verkehrsverein Cham-Hünenberg, der auch den Kulturzyklus mit Orchester-, Theater- und Kabarettanlässen veranstaltet. Kaufmann ist Initiant und Leiter der Studie «Cham am See», die als wichtiges Leitbild für weitere Planungen der Gemeinde Cham dient. [14]

1973 Kaufmann wird leitender Arzt am Spital Cham. Er ist ein typischer Chirurg, «präzis, haarscharf und zackig in der Diagnose». [15]

1981 Die Ausstellung «Kunst – ganz privat» im Pfarreiheim Cham basiert auf einer Idee von Hans Kaufmann. Zahlreiche Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler wie Albert Anker (1831–1910), Joan Miro(1893–1983) oder Marc Chagall (1887–1985) sind dank Kaufmanns Initiative im Ausstellungsraum zu sehen. [16]

1988 Kaufmann demissioniert als leitender Arzt am Spital Cham. [17]

1991 Zum 700-Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft organisiert Kaufmann die Ausstellung «Skulptur Innerschweiz» im Villette-Park. 21 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler stellen 30 Skulpturen aus. [18]

1993 Hans Kaufmann wird 65-jährig und gibt seine Praxis als Allgemeinpraktiker in Cham auf. [19] «Als ich zum letzten Mal als praktizierender Doktor die Praxisräume verliess, war mir wohl ums Herz.» [20] Neben der Liegenschaft in Cham hat Kaufmann im Verlauf der Jahre noch Häuser in Engelberg, Origlio TI und in der Toskana erworben, diese erfordern jetzt seine Aufmerksamkeit ebenso wie seine sieben Enkelkinder. [21]

1995 Bei der Herausgabe des Buchs «Vom Städtli zur Stadt Cham» des Chamer Autors Hermann Steiner (1917–2001) wirkt Hans Kaufmann als Berater mit. [22] Der Freiämter fühlt sich mit Cham sehr verbunden, «Cham fand ich immer schön und sympathisch», ihm ist klar, «dass Cham mir echte tätige Heimat geworden ist und ich hier Wurzeln geschlagen habe.» [23]

1999 Die Bürgergemeinde Cham ernennt Hans Kaufmann zum Ehrenbürger. Die Laudatio hält Josef Huwiler. [24]

2003 Zu seinem 75. Geburtstag verfasst Hans Kaufmann das Buch «Erinnerungen», um «nicht alles, was mir mein Leben schenkte, ins Nichts auslöschen zu lassen». [25]

2018 Hans Kaufmann stirbt am 15. Juni. Er wird 90 Jahre alt. [26]


Würdigung

Hans Kaufmann sei «für Cham ein Glücksfall», meint Josef Huwiler in der Ehrenbürger-Laudatio 1999, er sei «Wohltäter und Kulturtäter» zugleich: «Personen, welche sich nebst beruflichen Höchstleistungen bereit finden, für eine Dorfgemeinschaft etwas zu bewegen, ausgetretene Pfade zu verlassen und so auch aussergewöhnlichen Projekten zum Durchbruch verhelfen, verdienen Achtung und Respekt.» [27] Ähnlich sieht es Christoph Schmuki (*1944), ein Freund von Hans Kaufmann: «Die Gemeinde Cham verdankt Hans Kaufmann viel: Mit seinem Wirken im Bereich einer lebenswerten Orts-Planung, der Kunst und der Dorfkultur, die Kaufmann angeregt, gefördert und organisiert hat, gelang es ihm, nachhaltige kulturelle Schwerpunkte zu setzen. Mit der nötigen Fachkompetenz, seinem Durchsetzungsvermögen, aber auch dem gesunden Menschenverstand hat er viel zum kulturellen und musischen Leben Chams beigetragen, hat nicht nur Medizin für den Körper, sondern auch für Geist und Seele vermittelt.» [28] Überdies war er als Dorfarzt sehr geschätzt. Stellvertretend sei dazu Hedy Hodel-Zurfluh, früher wohnhaft in Cham, zitiert: «Er war ein sehr einfühlsamer und stets freundlicher und kompetenter Arzt, sei es als Hausarzt, Gynäkologe oder Chirurg, und er hatte vor allem auch einen guten Umgang mit Kindern.» [29]


Einzelnachweise

  1. Kaufmann, Hans, Erinnerungen, Cham 2003, S. 9
  2. Vgl. Anmerkung 1, S. 16
  3. Vgl. Anmerkung 1, S. 16
  4. Vgl. Anmerkung 1, S. 44f.
  5. Vgl. Anmerkung 1, S. 53f.
  6. Vgl. Anmerkung 1, S. 44f.
  7. Vgl. Anmerkung 1, S. 57
  8. Vgl. Anmerkung 1, S. 57
  9. Vgl. Anmerkung 1, S. 59
  10. Vgl. Anmerkung 1, S. 60, 64
  11. Huwiler, Josef, Laudatio für Dr. Hans Kaufmann-Akermann, in: vgl. Anmerkung 1, S. 77ff.
  12. Stadlin, Judith, Interview mit Dr. Hans Kaufmann, in: Odermatt, Alice / Stadlin, Judith, Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik. Eine Erfolgsgeschichte der Bürgergemeinde Cham, Cham 2009, S. 52
  13. Vgl. Anmerkung 1, S. 9
  14. Schmuki, Christoph, Dr. Hans Kaufmann, Manuskript 29.12.1998, freundlicherweise vom Autor zur Verfügung gestellt
  15. Vgl. Anmerkung 11, S. 77ff.
  16. Vgl. Anmerkung 14
  17. Vgl. Anmerkung 14
  18. Vgl. Anmerkung 14
  19. Zuger Zeitung, 19.03.1993
  20. Vgl. Anmerkung 1, S. 61
  21. Vgl. Anmerkung 1, S. 67
  22. Vgl. Anmerkung 11, S. 77ff.
  23. Vgl. Anmerkung 1, S. 73
  24. Vgl. Anmerkung 11, S. 77ff.
  25. Vgl. Anmerkung 1, S. 7
  26. Zuger Zeitung, 20.06.2018
  27. Vgl. Anmerkung 11, S. 77ff.
  28. Vgl. Anmerkung 14
  29. Freundliche Mitteilung von Hedy Hodel-Zurfluh, Hünenberg, 02.03.2021