Muff Josef (1905–1994)
Der Luzerner Josef Muff war während 27 Jahren prägender Dorfpfarrer von Cham. Sein Wirken wurde mit dem Chamer Ehrenbürgerrecht gewürdigt. Die Pfarrwahl, in welcher Muff 1940 als Nachfolger von Anton Müller eingesetzt wurde, verlief tumultartig.







Stationen
1905 Josef (eigentlich Franz Josef) Muff kommt am 6. Oktober in Horw LU zur Welt. Nach den Schulen studiert er Theologie in Einsiedeln, Innsbruck, Luzern und Solothurn. [1]
1931 Priesterweihe und Anstellung als Vikar in Allschwil BL.
1933 Muff kommt nach Cham, er wird Kaplan (Pfarrhelfer) im Kirchbüel.
1933 Kaplan Muff ist die treibende Kraft hinter der Gründung von Jungwacht und Blauring Cham. [2]
1939 Nach dem plötzlichen Tod von Anton Müller (1878–1939) soll vor Weihnachten ein neuer Pfarrer gewählt werden. An der Kirchgemeindeversammlung entfallen 418 auf Pfarrer Blum, 178 auf Pfarrer Eberle, 90 auf Kaplan Muff und 8 auf Kaplan Hegglin. Der Kirchenrat erklärt die Stimmen für Blum als ungültig. Darauf kommt zu tumultartigen Szenen. [3] (vgl. unten: Presseberichte über den Tumult bei der Pfarrerwahl von 1939)
1940 Mehr als ein Jahr ist die Pfarrei Cham-Hünenberg ohne Pfarrer. An der Kirchgemeindeversammlung vom 4. August wird Kaplan Muff zum Pfarrer gewählt. Unter ihm werden die Kapelle St. Andreas und die Kirche St. Wolfgang restauriert. [4]
1945–1952 Muff engagiert sich nach dem Zweiten Weltkrieg für ein aktives Pfarreileben. In seiner Amtszeit wird im November 1945 der Gesellenverein gegründet. Auch bei der Etablierung des Samichlausbrauchtum in Cham wirkt Muff mit. Unterstützt wird Pfarrer Muff von der Pfarrköchin Anna Muff-Schönbächler (1870–1952).
1958 Die Bürgergemeinde Cham verleiht Pfarrer Josef Muff das Ehrenbürgerrecht. [5]
1968 Überraschend gibt Pfarrer Muff seine Demission auf Weihnachten 1968 bekannt. Ab 1970 wirkt er als Kaplan in Niederwil. [6]
1991 Ein seltenes Jubiläum: Josef Muff kann sein diamantenes Priesterjubiläum feiern. [7] Eine grosse Unterstützung im Hintergrund ist seine Cousine Mina Schönbächler (1916–2003), seine langjährige Sekretärin und Pfarrköchin. [8]
1994 Kurz vor Weihnachten stirbt Muff am 18. Dezember im Alter von 89 Jahren. [9] Am 22. Dezember nimmt Cham Abschied von einem Geistlichen, der über 60 Jahre in der Pfarrei gewirkt hat. [10]
Presseberichte über den Tumult bei der Pfarrerwahl von 1939
«Die katholische Kirchgemeinde Cham-Hünenberg hatte einen Pfarrer zu wählen. Vor einiger Zeit wurde in einer ersten Wahl aus drei Kandidaten J. Blum, Pfarrer in Vitznau, gewählt, dessen Kandidatur nicht die Zustimmung des Kirchenrates gefunden hatte, vom Volke aber durchgedrückt wurde. Deshalb viel Aufregung im Volk. Die Herren vom Kirchenrat liefen nach Solothurn zum Bischof, worauf Pfarrer Blum eine Verzichterklärung abgab. Der zweite Wahlgang fand am 17. Dezember in der Kirche statt. Der Kirchgemeindevorsitzende schlug wieder drei Kandidaten vor, Pfarrer Eberle in Perlen und die Kapläne Muff und Hegglin in Cham. Das Volk aber verlangte die Wiederwahl von Pfarrer Blum. Der Vorsitzende nahm den Vorschlag entgegen. Scharfe Worte fielen gegen den Kirchenrat, abgegeben von Kantonsräten, Intellektuellen und Arbeitern. Unter starkem Beifall wurde immer wieder erklärt, daß allein Pfarrer Blum das Vertrauen habe. Das Volk harrte eine Stunde lang vor der Kirche auf das Wahlergebnis. Das lautete, dass von 704 abgegebenen Stimmen 418 auf Pfarrer Blum entfielen, 178 auf Pfarrer Eberle, 90 auf Kaplan Muff und 8 auf Kaplan Hegglin. Nun erklärte aber der Präsident die für Pfarrer Blum abgegebenen Stimmen für ungültig; gewählt sei Pfarrer Eberle. Da stürzte die Menge nach vorn, umringte die Herren vom Kirchenrat, die den Zorn des Volkes über sich ergehen lassen mußten, der sich in lauten Protesten und Schimpfnamen Luft machte. Es entstand ein regelrechter Tumult (eine »kleine Revolution« nennt es der Berichterstatter). Der Kirchgemeinderatspräsident musste in sein nahegelegenes Haus flüchten. Das «Zuger Volksblatt» schreibt dazu: «Die Auslegung des Wahlergebnisses rief bei der Wählerschaft einen derartigen Sturm der Empörung hervor, dass sich die Wähler gegen den Kirchenrat wandten und ihm erklärten, eine derartige Auslegung des Wahlresultates verstosse gegen Treu und Glauben. Es wird gegen diese Auslegung offenbar beim Regierungsrat Beschwerde eingereicht werden.» Da scheinen in gewissen ultramontanen Kreisen merkwürdige Auffassungen über das Wesen der Demokratie zu herrschen. Bei einem Volk, dass sich alles bieten lassen würde, müsste man über solche Methoden Bedenken hegen. Nun haben die Chamer gezeigt, dass sie nicht zu diesen gehören und noch zu schimpfen und zu protestieren wissen, auch gegen hochobrigkeitliche Auffassungen. Das ist sehr erfreulich, weil das Beispiel zeigt, dass zwar mal ein Elefant ein Gartenbeet kaputt treten kann, dass aber doch der Sinn für Demokratie in unserem Volke noch lebt.» [11]
«Diese Wahl wurde letzten Sonntag unter heftiger Diskussion in der Pfarrkirche mit einer Liste von vier Kandidaten, u. a. auch Pfarrer J. Blum, vorgenommen. In Anwesenheit von 701 Stimmen fiel die Wahl mit 418 Stimmen wieder auf Pfarrer Blum, während auf Pfarrer Eberle (Perlen) 178, Kaplan Muff in Cham 90 und Kaplan Hegglin in Cham 8 Stimmen fielen. Vom Kirchenrat wurde darauf bekannt gegeben, Pfarrer Eberle von Perlen sei mit 178 Stimmen gewählt. Das nennt man nicht Demokratie, sondern Diktatur, die die Wähler wohl nicht annehmen werden. Von anderer Seite wird dieses sonderbare Wahlverfahren scharf verurteilt und dazu geschrieben: Es herrscht Totenstille. Der Präsident verkündet, alle für Pfarrer Blum abgegebenen Stimmen seien ungültilg. Demnach erreiche das absolute Mehr Pfarrer Eberle in Perlen, der hiemit als gewählt erklärt wird. Blitzschnell erhob sich die Menge, im Nu waren die Kirchenräte umzingelt. Sie mußten Schimpfnamen entgegennehmen. Das Volk pfeift, ruft, stampft, vergißt sich selbst, vergißt, daß es in einer Kirche ist, daß die Schimpfworte Mitbürgern, Ehrenmännern gelten. Alles drängt nach den Ausgängen. Wutentbrannt wird die Kirche verlassen, laut schimpfend und pfeifend und erregt, als wäre Jahrmarkt. [12]
Fronleichnamsprozession vom 31. Mai 1956 mit Pfarrer Josef Muff
Einzelnachweise
- ↑ Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 519
- ↑ Zuger Nachrichten, 23.12.1994
- ↑ Berner Tagwacht, 22.12.1939
- ↑ Zuger Neujahrsblatt 1942, Chronik 08.09.1940
- ↑ Zuger Neujahrsblatt 1960, Chronik 07.07.1958
- ↑ Zuger Kalender 1970, Chronik 11.11.1968
- ↑ Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 136
- ↑ Zuger Nachrichten, 23.12.1994
- ↑ Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.03.2024]
- ↑ Zuger Nachrichten, 23.12.1994
- ↑ Berner Tagwacht, 22.12.1939
- ↑ Der Landbote, 22.12.1939