Industriepfad Lorze

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Informationstafel Gärtnerhaus in der Villette
Informationstafel Gasometer an der Nestléstrasse
Informationstafel beim Schloss St. Andreas
Informationstafel Papierfabrik Cham
Informationstafel Kolonialstilhäuser beim Bahnhof Cham, 22.02.2020


Entlang der Lorze sind zahlreiche Objekte mit informativen Schautafeln zur Industrie-, Gewerbe- und Sozialgeschichte versehen. Allein auf den Boden der Gemeinde Cham befinden sich 24 der grossformatigen Informationstafeln. Diese bilden den unteren Teil des Industriepfad Lorze, der in seiner vollen Länge vom Ägerisee bis zur Reuss dem Flusslauf entlang führt.


Chronologie

1984 Die Idee für einen Industriepfad entlang der Lorze stammt aus dem CH91-Fundus. Die CH91 hätte eine Landesausstellung werden sollen, mit vielen Aktionen in den Innerschweizer Kantonen. Der Kanton Zug soll sich dem Thema «Arbeit und Austausch» annehmen, unter anderem mit der Erstellung eines Lehrpfads zur Geschichte entlang der Lorze. Doch das Stimmvolk schickt nur schon die Projektierung bachab. Eine angedachte, aber nicht konkretisierte Idee war dabei ein Lorzenpfad. [1]

1994 Der Verleger Walter Wyss, Cham, und der Historiker Dr. Michael van Orsouw (*1965), Zug, arbeiten in verschiedenen Projekten zusammen. Wyss hat die Aufgabe, Beschäftigungsprogramme für Arbeitslose zu entwickeln, van Orsouw ist an neuartigen Wissensvermittlungen und Geschichtsumsetzungen interessiert. Deshalb nehmen sie die Idee der CH91 auf und entwickeln gemeinsam das Vorhaben, im Kanton Zug einen umfassenden Industriepfad Lorze zu realisieren. [2] Um dem Projekt eine langfristige Perspektive geben zu können, braucht es für Betrieb, Vermarktung und Unterhalt des Pfades einen Trägerverein. Doch niemand im Kanton Zug kennt den Industriepfad, den es erst auf Papier gibt. Also mietet Michael van Orsouw einen Reisecar, lädt 30 wichtige und interessierte Personen aus dem Kanton Zug ein und fährt mit ihnen ins Zürcher Oberland, wo Dr. Hans-Peter Bärtschi, einer der führenden Industriehistoriker der Schweiz, die Gruppe durchs Neuthal führt. Die Reiseteilnehmenden sind danach von der Idee so angetan, dass sie entweder im Vorstand oder im Patronatskomitee des Vereins mitwirken. [3] Das Vereinspräsidium übernimmt Hans Opprecht (1927–2019), ehemaliger Manager bei der Landis & Gyr. Die Gründungsversammlung vom 9. September im Gotischen Saal im Zuger Rathaus leitet Dr. Gianni Bomio als Tagespräsident. [4]

1995 Weil der Wanderweg entlang der Lorze nicht durchgehend ist, wird Walter Wyss beim Arbeitslosenprogramm Wanderwege vorstellig. Für die inhaltliche Entwicklung holen die Projektentwickler Denkmalpfleger Dr. Heinz Horat ins Boot, der geschützte Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose zur Verfügung stellt. [5] Die Erarbeitung der ersten rund 55 Schautafeln des Industriepfad Lorze erfolgt so: Die Baugruppe des Vereins für Arbeitsmarktmassnahmen baut die fehlenden Wegstücke. Die Leitung dieser Arbeitslosengruppe hat Arthur Juen. Die Vorarbeiten für die Texte auf den Tafeln leisten arbeitslose Fotografen, Architekten und Gestalter. Die Recherchen und Texte verfassen Dr. Heinz Horat (2 Tafeln) und Dr. Michael van Orsouw (die anderen 53). [6] Für die Finanzierung der Tafeln weibelt der neue Vereinspräsident Hans Opprecht uneigennützig herum. Er schafft es dank seiner Beziehungen und dank seiner Überzeugungskraft, mit Nestlé und Lego zwei Hauptsponsoren und diverse Einzelsponsoren zu finden. Er übertrifft sogar das Budget bei weitem, so dass der Verein mit einem soliden Plus in seine Vermarktungs- und Unterhaltstätigkeit starten kann. [7] Am 17. Juni wird der Industriepfad Lorze mit seinen 30 Kilometer Wanderwegen und 61 Informationstafeln fristgerecht eröffnet; der Festakt findet unter Beisein von viel Zuger Prominenz im Chamer Lorzensaal statt. [8]

1999 Nachdem das Stellwerk von 1906 im Bahnhof von einer elektronischer Anlage abgelöst worden ist, schafft es der Verein Industriepfad Lorze, das historische Stellwerk vom Typ Bruchsal G/H zu erhalten. Der Verein erstellt eine erklärende Schautafel, das Stellwerk wird verglast. [9]

2005 Der Industriepfad Lorze wird in Cham weiter verdichtet. Bei der Liegenschaft Schlüssel an der Adelheid-Page-Strasse 15 kommt eine weitere Schautafel zu stehen: Sie erzählt die Geschichte der ehemaligen Gastwirtschaft und Bierbrauerei. Die Initiative dazu kommt von Liegenschaftseigentümer Dr. Adelrich Tresch. [10]

2015 Der Industriepfad Lorze feiert in Cham sein 20 Jahr-Jubiläum, mit der Generalversammlung in der Wirtschaft Milchsüdi und mit der Theatertour «De Südi-Schorsch» im Verwaltungsgebäude der Nestlé an der Zugerstrasse. [11]


Nationales Echo

Der Industriepfad Lorze zeigt den Kanton Zug in einem anderen Licht; nicht der Handels- und Finanzplatz steht im Zentrum, sondern die überaus reichhaltige Zuger Industrie- und Gewerbegeschichte. Dieser unerwartete Fokus führt auch zu einem grossen Medieninteresse über die Kantonsgrenzen hinaus. So berichten etwa das Magazin «Schweizer Familie» [12], die «Neue Zürcher Zeitung» [13], der «Tages-Anzeiger» [14], aber auch Fachmagazine wie dasjenige der Kulturwege [15] oder des Inventars historischer Verkehrswege [16]


Die Chamer Objekte

  • Schloss St. Andreas: «Industriellenwitwe als Schlossherrin»
  • Ehemaliges Restaurant Schlüssel: «Die Beiz und Bierbrauerei in der Ecke»
  • Anglo-Swiss Condensed Milk Company: «Cham hiess einst Milchopolis»
  • Gasometer: «Als Gas noch mit Strom konkurrierte»
  • Nestlé: «Von der Milchsüdi zur Weltfirma Nestlé»
  • Villa Villette: «Die Villette in idyllischer Landschaft»
  • Gärtnerhaus Villette: «Architektur mit der Laubsäge»
  • Kolonialstilhäuser: «Der Wilde Westen und der General»
  • Bahnhof Cham: «Von der «Oh-Weh-Bahn» zur Bahn 2000»
  • Stellwerk Cham:
  • Reformierte Kirche: «Die Chamer Protestanten müssen warten»
  • Obermühle: «Landgewinn dank Lorzenkorrektion»
  • Papierfabrik: «Chamer Papier geht um die Welt»
  • Papierhandwerk: «Zahlreiche Handgriffe pro Papierbogen»
  • Pavatex: «Faserplatten für die Welt»
  • Hammer: «Von der Schmiede zum stattlichen Anwesen»
  • Untermühle: «600 Jahre drehte das Mühlenrad»
  • Kinderarbeitsanstalt Hagendorn: «Von der Kinderarbeit zur Sonderschule»
  • Weberei und Spinnerei Hagendorn: «Der verheerende Brand»
  • Arbeiterhäuser Hagendorn: «Ende des Nomadentums der Arbeiter»
  • Abwasserreinigungsanlage: «Abwasser von 14 Gemeinden»
  • Römische Mühle: «Eine römische Mühle in Hagendorn»
  • Kloster Frauenthal: «Die Frauenthaler Zisterzienserinnenabtei»
  • Ziegelei Meienberg: «Tausend Grad im Holzverschlag»


Weblink

Industriepfad Lorze


Dokument

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Broschüre des Industriepfads Lorze, die zum Wandern anregt ...


Einzelnachweise

  1. Hächler, Peter, Ideenwettbewerb zur Erlangung von Projektvorschlägen, CH91-Konzept, Luzern 1984
  2. Orsouw, Michael van, Gründungsgeschichte des Industriepfad Lorze, Memorandum des Vereins Industriepfad Lorze, 05.05.2015
  3. Orsouw, Michael van, Gründungsgeschichte des Industriepfad Lorze, Memorandum des Vereins Industriepfad Lorze, 05.05.2015
  4. Orsouw, Michael van, Gründungsgeschichte des Industriepfad Lorze, Memorandum des Vereins Industriepfad Lorze, 05.05.2015
  5. Horat, Heinz, Der Industriepfad Lorze, in: Tugium 12, 1996, S. 130–132
  6. Horat, Heinz, Der Industriepfad Lorze, in: Tugium 12, 1996, S. 130
  7. Orsouw, Michael van, Gründungsgeschichte des Industriepfad Lorze, Memorandum des Vereins Industriepfad Lorze, 05.05.2015
  8. Horat, Heinz, Jahresbericht Amt für Denkmalpflege und Archäologie, in: Tugium 11, 1995, S. 17
  9. Zuger Kalender 2001, Chronik 13.09.1999
  10. Neue Zuger Zeitung, 27.09.2005
  11. Neue Zuger Zeitung, 15.05.2015
  12. Schweizer Familie, 27.07.1995
  13. Neue Zürcher Zeitung, 17.06.1995 und 22.10.1998
  14. Tages-Anzeiger, 16.06.1995
  15. Erlebnismagazin Kulturwege Schweiz, Nr. 2/2009
  16. Bulletin IVS, 1995/2, S. 18f.