Habermacher Heinrich (1902–1983)

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heinrich Habermacher mit Gästen auf dem Rigiplatz, anlässlich der Zentenarfeier von 1958
Gemeindepräsident Heinrich Habermacher, 1958 an der Zentenarfeier
Kranzniederlegung am Denkmal von George Ham Page am 28. Juni 1966: Dr. Hans Hürlimann (der spätere Bundesrat), Nestle-Verwaltungsratspräsident Max Petitpierre (ehemaliger Bundesrat), Gemeindepräsident Heinrich Habermacher und Gemeindeweibel Josef Huwiler (Verwalter Raiffeisenbank)
Heinrich Habermacher wurde 1958 zum Ehrenbürger ernannt

Heinrich Habermacher-Suter (1902–1983) war ein Chamer Politiker und Vizedirektor der Papierfabrik Cham. Er wirkte als während 24 Jahren als Gemeindepräsident von Cham und hinterliess dementsprechend seine Spuren.

Stationen

1902 Heinrich Habermacher kommt am 29. November zur Welt. Nach den Schulen in Cham kommt er zur Papierfabrik Cham und wird dort Laufbursche und Hilfsarbeiter. Er verdient einen Stundenlohn von 20 Rappen. [1] Dann absolviert er eine Verwaltungslehre auf der Gemeindekanzlei und besucht anschliessend die Handelsschule in Estavayer-le-Lac FR. Er arbeitet in Lausanne und ist als Volontär in Italien, wo er die Papierfabrikation beim Verlesen von Lumpen kennenlernt. [2]

1922 Der Fussballclub Cham steckt in der Krise. Der Fussballplatz wird gekündigt, Spieler wechseln nach Zug, und Präsident Stuber zieht aus Cham weg. Da springt Heinrich Habermacher, damals 20 Jahre junger «Kanzlist» und aktiver Fussballer in Cham, in die Lücke und wird Interims-Präsident. [3]

1928 Im Alter von 26 Jahren kehrt Habermacher nach Cham zurück. Er findet eine Anstellung bei der Papierfabrik, die aus seiner Zeit als Laufbursche bestens kennt. Er steigt Schritt für Schritt in der Fabrik vom Buchhalter zum Direktionssekretär, Prokuristen und Vizedirektor auf. [4]

1931 Er heiratet Helen Suter. Sie haben zwei Töchter: Helen und Ruth. [5]

1932 In der Firma geht es weiter bergauf: Habermacher wird Vorsteher der Buchhaltungsabteilung der Papierfabrik Cham. [6]

1935 Auf vielseitigen Wunsch wird Habermacher wieder Präsident des SC Cham. [7] Insgesamt ist er während 35 Jahren Präsident des SC Cham und 15 Jahre Vizepräsident der Theatergesellschaft Cham. [8]

1939 Habermacher engagiert sich als Mitglied der gemeindlichen Luftschutzkommission und wird in den Gemeinderat von Cham gewählt. Er ist zuständig für die Ressorts Finanzen und Schule. [9]

1940 Der neue Gemeinderat Habermacher reorganisiert die Gemeinderechnung nach modernen betrieblichen Grundsätzen. Die Finanzlage ist für Cham während des Kriegs ungünstig. «Er überbrückte sie jedoch mit so viel Klugheit, dass er bald das Vertrauen der ganzen Bevölkerung fand.» [10]

1942 Habermacher übernimmt das Präsidium der Chamer FDP (bis 1946).

1943 Der 1. August fällt in diesem Kriegsjahr auf einen Sonntag, was den Nationalfeiertag noch zusätzlich auflädt. In Cham hält Gemeinderat Habermacher die Ansprache. [11]

1946 Habermacher wird ohne Gegenkandidaten zum Gemeindepräsidenten gewählt. [12] Als die Chamer Schulen ihre traditionelle Schulreise aufs Rütli durchführen, spricht der neue Gemeindepräsident Habermacher zu der 500-köpfigen Reisegesellschaft. [13]

1958 Die Versammlung der Chamer Bürger ernennt Habermacher am 7. Juli zum Ehrenbürger Chams [14] – aus Anlass der Zentenarfeier, die eine Woche später stattfindet. Am 13. Juli begeht Cham seine 1100-Jahr-Feier. Habermacher hält eine Festansprache wie auch Landammann Klemens Meienberg (1907–1993) und Bundesrat Philipp Etter (1891–1977). [15]

1964 Habermacher wird geehrt: Er wirkt seit 25 Jahren im Gemeinderat Cham. Einen Monat nach dieser Feier belohnt ihn sein Arbeitgeber Papierfabrik Cham mit der Beförderung zum Vizedirektor. [16]

1966 Die Weltfirma Nestlé mit Chamer Wurzeln feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Im Beisein der ganzen Zuger Regierung legt Heinrich Habermacher in Cham einen Kranz nieder, und zwar beim Denkmal von George Ham Page (1836–1899), dem Gründer der Chamer Milchsiederei. Habermacher überreicht zudem eine Chamer Wappenscheibe der jubilierenden Firma, die vertreten wird von alt Bundesrat Max Petitpierre (1899–1994). [17]

1969 Cham feiert seinen Gemeindepräsidenten Habermacher, welcher der Gemeinde «während drei Jahrzehnten grosse Dienste geleistet» hat. [18]

1970 Habermacher tritt nach 24 Jahren als Gemeindepräsident zurück.

1984 Heinrich Habermacher stirbt am 29. November, genau an seinem 81. Geburtstag. Er war seit längerer Zeit krank gewesen: «Sein Ableben bedeutete für ihn Erlösung vom schweren Leiden». [19]

Würdigung

In den 32 Jahren, während denen Habermacher im Gemeinderat Cham war, machte Cham eine grosse Entwicklung durch. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich, viele Infrastrukturaufgaben waren angesagt, nicht zuletzt in Habermachers Ressort der Schulen: In seiner Zeit entstanden das Schulhaus Städtli und das Schulhaus Niederwil. Weitere Errungenschaften in seiner Zeit als Gemeindepräsident waren: die Pensionskasse für die Angestellten, das neue Strandbad, der Konzessionsvertrag mit den Wasserwerken Zug, der Verkauf der Liegenschaft Schluecht, der Ankauf des Villetteparks, der Bau der Villettebrücke, die Badeanstalt Hirsgarten, der Autokurs Cham-Seetal, die ZVB-Verbindungen nach Zug [20] usw. Die viele Arbeit leistete er, indem er «den Tag und einen Grossteil der Nächte mit rastloser Tätigkeit» ausfüllte. [21] Nicht ganz unproblematisch war, dass er neben seiner Tätigkeit für die Gemeinde zu 100 Prozent bei der Papierfabrik angestellt war, damals die grösste Arbeitgeberin und grösste Immobilienbesitzerin. [22] So hatte er zwei Hüte auf. Doch Habermacher galt insgesamt als «konzilianter Gemeindevater, dem es gelungen ist, das Vertrauen der gesamten Bevölkerung zu erlangen». [23] Er galt als «sehr höflich» und war stets «auf Korrektheit bedacht». [24]

Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 106
  2. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 106
  3. Chronik SC Cham, www.sccham.ch
  4. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 106
  5. Zuger Nachrichten, 18.01.1984
  6. Zuger Nachrichten, 18.01.1984
  7. Chronik SC Cham, www.sccham.ch
  8. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 106
  9. Zuger Tagblatt, 11.02.1971
  10. Zuger Tagblatt, 11.02.1971
  11. Zuger Kalender 1945, Chronik 01.08.1943
  12. Zuger Kalender 1947, Chronik 05.05.1946
  13. Zuger Kalender 1948, Chronik 02.07.1946
  14. Zuger Neujahrsblatt 1960, Chronik 07.07.1958
  15. Zuger Neujahrsblatt 1960, Chronik 13.07.1958
  16. Hauszeitung der Papierfabrik Cham, 11/1964, S. 8
  17. Zuger Neujahrsblatt 1967, Chronik 28.06.1966
  18. Zuger Kalender 1971, Chronik 07.11.1969
  19. Zuger Nachrichten, 18.01.1984
  20. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 106
  21. Hauszeitung der Papierfabrik Cham, 11/1964, S. 8
  22. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 106
  23. Zuger Nachrichten, 18.01.1984
  24. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 106