Page-Schwerzmann George Ham, Denkmal

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Kränze am Boden am Tag der Einweihung des Denkmals für GGeorge Ham Page (1836–1899), 1903 (im Hintergrund der bekannte, damals rund 30 Jahre alte Chamer Riesenmammutbaum)
Seitenansicht des Denkmals für den Gründer der Chamer Kondensmilchfabrik
George Ham Page-Schwerzmann (1836–1899), auch genannt «Der General»
Kranzniederlegung am Denkmal von George Ham Page am 28. Juni 1966: Hans Hürlimann (1918–1994, der spätere Bundesrat), Nestlé-Verwaltungsratspräsident Max Petitpierre (1899–1994) (ehemaliger Bundesrat), Gemeindepräsident Heinrich Habermacher (1902–1983) und Gemeindeweibel Josef Huwiler (1909–1987) (Verwalter Raiffeisenbank)

Etwas versteckt steht im Garten des Nestlé-Verwaltungsgebäudes seit 1903 ein Denkmal zu Ehren von Anglo-Swiss-Generaldirektor George Ham Page. Geschaffen hat es der bekannte Bildhauer Richard Kissling.


Chronologie

1899 George Ham Page (1836–1899) reist ständig zwischen Amerika und Europa hin und her. Er leitet mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company einen Weltkonzern auf zwei Kontinenten. Im April gönnt er sich vier Wochen Ferien in der Schweiz. Doch er fühlt sich kränklich, erleidet eine Lungenentzündung, dazu kommen noch Herzbeschwerden. Daran stirbt er am 20. April im Alter von knapp 63 Jahren in der Villa Cottage in Cham. [1] Schon bei der Trauerrede in Cham spricht Verwaltungsrat Dr. Emil Schumacher-Kopp (1850–1927) davon, eine «Ehrensäule, auf der das Bild des Verewigten als hehres Beispiel von Kraft, Energie und Rechtsinn entgegenleuchtet», zu errichten. [2]

1900 An der Generalversammlung der Anglo-Swiss vom 7. April stellt Aktionär Anton Haas-Fleury (1827–1911) aus Luzern den Antrag, ein Denkmal für George Ham Page zu errichten. Dieser habe für 500 Millionen Franken Produkte der Anglo-Swiss verkauft, insgesamt 1000 Millionen Büchsen. Der Verwaltungsrat stellt sich eine Bronzebüste in anderthalbfacher Lebensgrösse vor, die auf einem Sockel mit Gedenktafel platziert würde. Der Verwaltungsrat spricht dafür 60'000 Franken und lädt vier Künstler zu einem Wettbewerb ein: Anton Aloys Brandenberg (1853–1942) aus Zug in Rom, Richard Kissling (1848–1919) aus Zürich, Eugenio Belossio aus Mailand, Hugo Siegwart (1865–1938) aus Luzern und von Niederhäusern (1863–1913) – die damalige Elite der Schweizer Bildhauerkunst. [3] Fred Page (1877–1930) formuliert die Wettbewerbsbedingungen, als er im Hotel Bristol in New York weilt; Adelheid Page liefert vom Horbach auf dem Zugerberg ein prägnantes Foto ihres verstorbenen Ehegatten. [4]

1901 Die Wettbewerbsjury setzt sich zusammen aus Adelheid Page, ihrer Nichte Frida Haab-Sidler (1866–1944), deren Gatte Otto Haab (1850–1931) sowie aus Verwaltungsratspräsident Adolf Gretener (1850–1924). Kissling und Brandenberg kommen in die zweite Runde. [5] Nach «Überwindung bedeutender Meinungsverschiedenheiten» bekommt der bekannte Bildhauer Richard Kissling den Auftrag. Er hat zuvor bereits das Alfred-Escher-Denkmal auf dem Bahnhofplatz in Zürich geschaffen oder das Tell-Denkmal in Altdorf UR. [6]

1903 An die ursprünglichen Vorgaben des Verwaltungsrates hält sich Richard Kissling nicht. Die Büste ist aus Marmor (statt aus Bronze), der Sockel aus Tessiner Kalkstein und misst 2.65 Meter. Eingemeisselt wird folgende Inschrift: «Sein edelster Zug war sein absolut unbestechlicher und gediegener Charakter, welcher ihm niemals erlaubte, vom Rechte, wie er es sah, abzuweichen.» [7] Auf der Frontseite des jugendstilhaften Kapitells ist ein Merkurstab (Symbol des Handels) zu sehen, auf den Seiten Kuhköpfe, auf der Rückseite eine Milchkanne. [8]

Der Standort des Denkmals ist zunächst unklar. In Frage kommen öffentliche Plätze in Cham wie beim Schulhaus oder beim Gemeindehaus. Doch die Anglo-Swiss will sich nicht aktiv darum bemühen. Weil der Gemeinde Cham aber nicht in den Sinn kommt, einen Standort anzubieten, weicht die Milchfabrik auf ihr eigenes Gelände aus. Das Denkmal kommt in den Park des Verwaltungsgebäudes. [9] An der Enthüllungsfeier sprechen Verwaltungsrat Emil Schumacher-Kopp und Georges Sohn Fred Page. Letzterer sagt: «Die auszeichnende Anerkennung, welche die Anglo-Swiss Condensed Milk Co., die Behörden und das Volk des Kantons Zug dem Pioniere der Arbeit widmen, tut der engern und weitern Familie des Gefeierten unendlich wohl.» [10] Auch die Musikgesellschaft Cham und der Männerchor tragen mit ihren Vorträgen zur Festlichkeit des Anlasses bei. Beim anschliessenden Bankett, das im «Raben» stattfindet, feiern die Aktionäre dann auch noch eines der besten Geschäftsjahre der Firma. [11]

Die Inschrift

Auf dem Denkmal meisselt Richard Kissling folgende Inschrift ein: «Dieses Denkmal ist errichtet worden zum bleibenden Andenken an den Mann, der durch sein Wirken und seine Schöpferkraft zum Wohltäter von Tausenden geworden ist, in diesem und in fremden Ländern. Sein schönstes Denkmal aber bleibt sein reiner, unverfälschter Charakter, der ihm nie gestattete, von dem abzuweichen, was er einmal als Recht erkannt hatte.» [12]


Die Skizze

150320 Page-Schwerzmann George Ham (1836–1899) Denkmal Entwurf.jpg

Skizze von Richard Kissling für das Denkmal von George Ham Page.


Akuteller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 133
  2. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 140
  3. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 165
  4. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 140
  5. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 140
  6. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 166
  7. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 142
  8. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 260
  9. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 144
  10. Zuger Volksblatt, 21.04.1903
  11. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, George Page, Der Milchpionier. Die Anglo-Swiss Condensed Milk Company bis zur Fusion mit Nestlé, Vevey / Zürich 2005, S. 167
  12. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, George Page, Der Milchpionier. Die Anglo-Swiss Condensed Milk Company bis zur Fusion mit Nestlé, Vevey / Zürich 2005, S. 167