Raben

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Restaurant Raben, im Vordergrund die erste Wetter-Messstation
Restaurant Raben auf einer Postkarte
Der Rabenplatz, gesehen vom Kirchturm, mit dem Kirchbüel-Quartier; der «Raben» befindet sich in der Mitte
Der Rabenplatz mit dem Restaurant Raben und Lastwaage, um 1916
Kein Verkehr auf der Hünenbergerstrasse, dafür wird die Strasse gekehrt, der «Raben» auf der linken Seite
Wirtshausschild des «Raben»
Der «Raben», 1993

Der stattliche Gasthof «Zum Raben» dominiert den nach ihm benannten Rabenplatz. Gartenwirtschaft, Kegelbahn, Schweine- und Pferdestallungen gehören auch zur Liegenschaft.


Chronologie

1636/1638 In der Badmatt an der Lorze, im Dorfteil Städtli, ist ab 1630er-Jahren ein Wirtshaus «zum Rappen» fassbar. Rund zehn Jahre später wird 1647 dem Wirt vom Zuger Stadtrat bewilligt, «die rächtsami dess wirtenss uff den Kilchbüell zu suchen, falls er dort kaufft». Dies geschieht dann 1651. [1]

1791 Der alte «Raben» im Kirchbüel, rund 80 Meter östlich des heutigen Standorts, brennt ab. Das Haus wird neu aufgebaut und dann an die Luzernerstrasse 40 versetzt. [2]

1815 Ratsherr Michael Stutz verkauft den alten «Raben».

1829 Ratsherr Michael Stutz taucht als Eigentümer des neuen «Raben» hier am Rabenplatz auf.

1835 Der westliche Hausteil kommt hinzu. [3]

1850 Im «Raben» wirtet die 51-jährige Witwe Anna Maria Stutz-Degen. [4]

1877 Die Liegenschaft geht von Jakob Stutz (1824–1890) auf dessen Sohn Johann Josef Stutz (1852–1895) über. Johann Josef ist von 1881 bis 1885 Gemeinderat, sitzt zweimal als Chamer Vertreter im Kantonsrat und amtet von 1886 bis 1892 als Oberrichter. [5]

1886 George Ham Page der Generaldirektor der «Anglo-Swiss Condensed Milk Company», führt auf der Rabenmatt Viehausstellungen durch. [6] Er will damit den Wettbewerb unter den Bauern und die Qualität der Viehzucht fördern.

1890 Der frühere «Raben»-Besitzer Jakob Stutz stirbt im Alter von 66 Jahren. Dem Schulfonds hinterlässt er 3000 Franken. [7]

1891 Josef Stuber-Stutz, Direktor der «Anglo-Swiss Condensed Milk Company», kauft den Gasthof Raben. [8]

1896 Der «Raben» wird auf Marie Stuber-Stutz überschrieben. [9]

1903 Gasthof und Umgelände gehen an Ludwig Gassner-Uttinger. [10] Gassner ist 43-jährig, Mechaniker und Kaufmann und stammt aus Bludenz im Vorarlberg. [11]

1908 Ludwig Gassner-Uttinger verkauft den «Raben» mit einem Stück Land von ca. 144 Aren an der Reuss bei der Stadelmatt, Gemeinde Hünenberg, für 110'000 Franken an den 34-jährigen Hotelier Josef Franz Rady-Suter aus dem badischen Laufenburg. [12]

1910 Nach erneuten Verkauf der Liegenschaft stellt der 26-jährige (Albert) Johann Fridlin, lediger Kellner aus Zug, das Gesuch für ein Wirtepatent. Er bleibt nicht lange und geht schliesslich konkurs. [13]

1911 Das Konkursamt versteigert den «Raben» am 8. November. Roman Schmidli, Senn und Handelsmann aus Adligenswil LU, ersteigert die Liegenschaft für 69'100 Franken. [14]

1916 Die Liegenschaft geht an die Geschwister Schmidlin über. [15]

1929 Am 4. Juli beschliesst die Brückenwaage Cham AG, ihre Lastwaage beim «Raben» abzubrechen, da diese den zunehmend motorisierten Verkehr behindert. [16]

1932 Josef Stuber-Stutz, der ehemalige Besitzer des «Raben» und einst Direktor der Milchfabrik Cham, stirbt in Monte Carlo im hohen Alter von 88 Jahren. [17]

1938 Die Liegenschaft Raben geht in der Verwandtschaft der Schmidlin weiter: Neu sind die Gebrüder Josef, Leo und Gottlieb Schmidlin Eigentümer. [18] Heidy Schütz-Pfenninger betreibt im «Raben» einen Damen-Coiffeursalon und eine Pedicure. Schon ein Jahr später zieht sie in den neu erbauten Sonnhof (Luzernerstrasse 28) weiter. [19]

1939 Die Ära Schmidlin geht zu Ende. Neuer Eigentümer des «Raben» ist Josef Sigrist. [20] Im Hinterhaus eröffnet Fotograf Jakob Marfurt sein Fotogeschäft (bis 1946). [21]

1943 Wiederum eine Handänderung: Sigrist verkauft den «Raben» an Josefa Katharina Gräni-Wieser. [22]

1950 Die Geschwister Johann und Josefine Russi stammen aus den Urserental und übernehmen Marfurts Fotogeschäft. Ende der 1950er-Jahre ziehen sie zurück ins Urnerland. [23]

1955 Der «Raben» bekommt mit Franz-Xaver Kaufmann-Widmer einen neuen Besitzer. [24] Das Restaurant feiert Neueröffnung, Besitzer Xaver Kaufmann lädt dazu ein. [25]

1968 Der «Raben» geht an Josef «Joe» Kaufmann-Wymann über. Von Beruf ist er Koch. [26]

2017 Hausi und Irma Hocher sind ab dem 1. Januar die neuen Pächter im Restaurant Raben in Cham. Seit 2008 bewirtete Hausi Hocher als Geschäftsführer mit seinem Team die Gäste im Restaurant Raben. Nun konnte er zusammen mit seiner Frau das Restaurant von der Raben GmbH übernehmen, das Team bleibt bestehen. [27]


Weblink

Homepage Restaurant Raben


Dokumente

Menükarten

– Menuekarte 2017


Kunsthistorische Beschreibung

«Die Baugruppe besteht aus zwei in Volumen und Gliederung ähnlichen, firstparallelen Häusern, die durch einen Zwischentrakt verbunden sind. Die beiden schon ursprünglich verputzten Fachwerkbauten zeigen je drei auf fünf Fensterachsen und sind von Stutzwalmdächern mit leichtem Knick abgeschlossen. Die Mittelachse der zur Luzernerstrasse gerichteten Traufseite des älteren, dem Bänihaus ähnlichen Hauses, ist in biedermeierlicher Art durch weitere Stellung der mittleren Fensterachse betont. Die Fensterachsen des westlichen, etwas höheren Hauses sind regelmässsig verteilt, seine Giebelfelder ursprünglich beidseitig durch eine Serliana akzentuiert. Das ursprüngliche Empire-Wirtshausschild mit plastischem Raben ist verloren. Inneres und Zwischentrakt verändert, die barockisierenden Lisenen modern.» [28]


Die Königin im «Raben»

Die englische Königin Victoria (1819–1901) weilte vom 7. August bis 9. September 1868 in Luzern. Dabei machte sie auch einmal einen Ausflug, der sie nach Cham führte. Über ihr Erlebnis am Rabenplatz hielt sie fest: «Weiter nach Cham, ein so genanntes Halb-Wegs-Haus nahe beim Bahnhof, wo wir ¾ Stunden warten mussten, damit unsere Pferde ausruhen konnten. Wir waren verpflichtet, unseren Tee zu nehmen (mitgebracht) in einem langweiligen Teegarten bei einer Kegelbahn! Niemand war da, und es war sehr unpoetisch.» [29]


Einzelnachweise

  1. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 4, S. 31f.
  2. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 4, S. 31f. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 127
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 127
  4. Glauser, Thomas / Hoppe, Peter / Schelbert Urspeter, 12 Bevölkerungsporträts: eine Auswertung der Volkszählung von 1850, in: Der Kanton Zug zwischen 1798 und 1850, Bd. 2, Zug 1998, S. 114
  5. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 108a. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.05.2018]
  6. Ausstellungsausschreibung im Nestlé-Verwaltungsgebäude, VR-Saal. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 208
  7. Zuger Neujahrsblatt 1893, Chronik 25.05.1890
  8. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 108a. Zuger Neujahrsblatt 1894, Chronik 02.10.1891
  9. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 108a
  10. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 108a
  11. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Raben (Gesuch vom 17.10.1903)
  12. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Raben (Gesuch vom 11.05.1908). Zuger Neujahrsblatt 1911, Chronik 12.05.1908
  13. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Raben (Gesuch vom 26.11.1910)
  14. Zuger Neujahrsblatt 1917, Chronik 08.11.1911
  15. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch II, Cham, Ass.-Nr. 108a
  16. Zuger Kalender 1931, Chronik 04.07.1929
  17. Zuger Kalender 1933, Chronik 14.04.1932
  18. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch III, Cham, Ass.-Nr. 108a
  19. Zugersee-Zeitung, 08.07.1960
  20. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch III, Cham, Ass.-Nr. 108a
  21. Steiner, Hermann, Der Kanton Zug und seine Fotografen 1850–2000, Rotkreuz 2000, S. 42
  22. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch III, Cham, Ass.-Nr. 108a
  23. Steiner, Hermann, Der Kanton Zug und seine Fotografen 1850–2000, Rotkreuz 2000, S. 42
  24. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch III, Cham, Ass.-Nr. 108a
  25. Zugersee-Zeitung, 01.07.1955
  26. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch IV, Cham, Ass.-Nr. 108a
  27. Zuger Zeitung, 13.12.2016
  28. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 127f.
  29. Übermittelt von Bruno Birrer, Cham, 30.11.2016