Bahnhof Cham, 19. Jahrhundert

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Das erste Bahnhofgebäude wurde 1859 durch die Ost-West-Bahn errichtet, 1864 in Betrieb genommen und 1893 bereits wieder demontiert
Der ehemalige Bahnhof Cham wurde 1897 in Bäch wieder aufgebaut; seit 2009 beherbergt er das Vereins- und Kulturhaus Bäch
Wertlos gewordene Aktie der Ost-West-Bahn-Gesellschaft: 1860 erklärte sie sich zahlungsunfähig
Kolorierte Postkarte mit Bahnhof und Restaurant Bahnhof aus der Zeit des Ersten Weltkriegs

In Cham beginnt das Bahnzeitalter: 1859 mit dem ersten Bahnhofsgebäude der Ost-West-Bahn OWB. 1864 wird die Bahnlinie Zug-Luzern eröffnet. 1893 wird er zu klein, die Nord-Ost-Bahn NOB baut einen grösseren Bahnhof, der noch heute steht.

Chronologie

1859 Chams erster Bahnhof entsteht: entworfen von Adolphe Tièche (1838–1912) und erbaut von Jakob Friedrich Wanner (1830–1903). Tièche ist ein Schüler des bekannten Architekten Gottfried Semper (1803–1879). Auftraggeberin beim Bahnhof Cham ist die Ost-West-Bahn. Der zweigeschossige Bau ist im Chaletstil gehalten und entspricht den gleichzeitig gebauten Bahnhofgebäuden von Ebikon, Gisikon und Rotkreuz. [1]

1860 Die Ost-West-Bahn geht konkurs. Das gesamte Aktienkapital geht verloren, so dass die Aktionäre leer ausgehen und die Arbeiten für den Bahnanschluss in Cham liegen bleiben. Im Volksmund heisst die Bahngesellschaft «Oh!-Weh!-Bahn». [2]

1864 Die 1853 in Zürich gegründete Schweizerische Nordostbahn NOB übernimmt das Zepter und bringt die Bauarbeiten für die Bahnlinie Zug–Luzern zu einem guten Ende. Am 31. Mai wird die Bahnlinie feierlich eröffnet, auch das Stationsgebäude in Cham ist geschmückt und der erste Zug wird mit Bollerschüssen begrüsst. [3]

1874 Der Güterschuppen auf der Ostseite des Bahnhofs wird gebaut. [4] Die Anglo-Swiss Condensed Milk Company verhandelt mit der Nordostbahn über einen direkten Bahnanschluss. Doch die Verhandlungen kommen nicht zum Abschluss. [5]

1878 Die Milchsüdi zieht ein Geleise von ihrem Lagerhaus zum Bahnhof Cham. Doch Fabrik und Bahngesellschaft können sich nicht über die «Wagengebühren» einigen. [6]

1885 Die «Anglo-Swiss» beansprucht mit ihren Gütern den Bahnhof Cham, was zum Konflikt führt. Milchsüdi-Generaldirektor George Ham Page (1836–1899) beklagt sich: «Wenn wir ihrem Personal nicht aushelfen würden, so müssten unsere Arbeit und Fuhrwerk oft stundenlang herumstehen, bis sie wieder zur Arbeit gelangen können.» [7]

1893 Der Bahnhof Cham ist zu klein geworden. Er wird demontiert und eingelagert. Die Schweizerische Nordostbahn NOB baut an dessen Stelle den grosszügigeren, heute noch bestehenden Bahnhof Cham. [8]

1898 Nach der Volksabstimmung gehen die Hauptlinien der Schweizer Privatbahnen an die Schweizerischen Bundesbahnen SBB über. [9]

1900 Der erste Chamer Bahnhof erhält einen neuen Standort: Er wird in Bäch SZ am Zürichsee wieder aufgebaut. [10]


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Kunsthistorische Beschreibung

«Das zweigeschossige Gebäude von drei auf vier Fensterachsen wendet sich mit Quergiebeln über der leicht risalitierten Mittelpartie zur Bahnhofstrasse und zu den Gleisen; die Giebelseiten unter dem eher flach geneigten Satteldach weisen drei etwas enger gestellte Fensterachsen auf. Der sonst durchgehend hell verputzte Baukörper wird durch Eckquaderung im Erdgeschoss und ein umlaufendes Gesimsband gegliedert. Die Giebel ursprünglich mit Sägeornamenten und hölzernen Firstobelisken verziert.» [11]


Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 111
  2. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 179
  3. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 180
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 112
  5. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 183
  6. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 96
  7. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 97
  8. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 112
  9. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 180
  10. Neue Zuger Zeitung, 20.08.2014
  11. Grünenfelder, Josef, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe Band II, Bern 2006, S. 112