Roter Bären

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Das Lorzenbad mit bescheidener Brücke, um 1820
Wirtshausschild Roter Bären, Tempera auf Holz, 1747
Das Haus «Roter Bären»
Der Rote Bären, um 1985
Liegenschaft Obermühlestrasse 10, Baujahr 1986

Die Liegenschaft «Zum Roten Bären» an der Obermühlestrasse 10 war Wohnhaus, Gasthaus, Kurhaus, Armenhaus, Schulhaus und Arbeiterunterkunft. Es lag bis 1854 an der Lorze direkt an der alten Bärenbrücke, die auch eine Zollstelle war. 1985 wurde das Haus abgerissen.

Das grossvolumige Haus wies ein gemauertes Erdgeschoss auf. Gegen Süden befand sich im Haus ein hoher Saal in der ganzen Breite des ursprünglichen Hauses, mit einem mächtigen Eichenpfeiler in der Mitte – dieser Raum wurde als Wirtsstube genutzt. Der Wirt des «Bären» war zeitweilig auch der Zöllner. Damit er in seinem offiziellen Amt erkennbar war, trug er eine spezielle Amtsmontur. [1]


Chronologie

1592 Nach der ersten Absenkung des Zugersees durch den Zuger Stadtbaumeister Jost Knopfli (1550/52–1634) ist das Lorzenufer besser bebaubar. Direkt bei der alten Bärenbrücke entsteht das Haus «Roter Bären», ein Wohn- und Wirtshaus.

1640 Hans Sattler führt das Gasthaus zum Roten Bären. [2]

1666 Bisher hat der Bärenwirt jedes Jahr geschlagenes Holz erhalten. Neuerdings bekommt er nur alle drei Jahre Holz. [3]

1676 Die «Zehntverleihung» wird auf den 4. Juli festgesetzt, und zwar auf Sonntag, 12 Uhr, im «Bären». [4]

1682 Der neue Wirt des «Bähren» heisst Johann Bochsler. [5]

1683 Der Bärenwirt zieht den Brückenzoll für Waren und Vieh ein. [6]

1698 Nach einem Konkurs übernimmt Melchior Gretener die Wirtschaft und Güter beim «Bären». Der neue Eigentümer gelobt, «in aller Treue« den Brückenzoll einzuziehen. [7]

1703 Die Wirte im «Bären» und im «Raben» beklagen sich darüber, dass die beiden Söhne von Ludwig Bütler im «Städtli» Wein ausschenken und dazu Käse und Brot servieren. Das verstosse gegen das Tavernenrecht. [8]

1705 Der verhaftete Jakob Schwerzmann springt beim «Bären» in die Lorze und ertrinkt beinahe. Bei der Vernehmung gibt er an, er habe sich nicht das Leben nehmen, sondern wollte nur fliehen wollen. Er hat sich vieler Verbrechen schuldig gemacht: Gotteslästerung; Pistolenbesitz; Drohung, sich in die Reuss zu stürzen; Gefährdung des Lebens durch den Sprung in die Lorze; betrügerisches wieder «Lebendig machen» von abgelösten Kapitalbriefen. [9]

1714 Melchior Gretener, seit 1698 Wirt, taucht in einer Urkunde als Wirt des «Bären» auf. [10]

1747 Das Wirtshausschild zeigt eine originelle Adaption des Chamer Wappens, nämlich den Chamer Bären mit einem Becher in der Vordertatze.

1763 Basil Gretener ist der Wirt im «Bären» und amtet gleichzeitig als Untervogt. [11]

1813 Der Besitzer und Wirt im «Bären» ist Jakob Mayer. [12]

1820 Der Wirt versucht, den «Roten Bären» als Kuranstalt «Lorzenbad» zu etablieren. Das Baden in der Lorze helfe bei Gicht, Geschwüren, Rheuma, Verhärtungen und Entzündungen. [13] Doch die touristische Vermarktung des Lorzenbades funktioniert nicht und wird aufgegeben.

1824 Die Gemeinde Cham kauft das Gebäude und errichtet darin ein Schul-, Armen- und Waisenhaus. [14]

1858 Die Schule zieht um ins «Neuhaus». [15] Das Armen- und Waisenhaus bleibt im «Roten Bären». Unter einem Dach leben Kinder, Alte und Arme sowie «arbeitsscheue, liederliche und unsittliche Bürger». Es kommt zu häufigen Wechseln in der Leitung. [16]

1875 Die Bürgergemeinde entscheidet, die Kinder bei Familien zu verdingen und andere, hilfsbedürftige Personen in der Armenanstalt Menzingen unterzubringen. Sie schliesst das Armen- und Waisenhaus.

1881 Die Bürgergemeinde verkauft den «Bären», der ab diesem Zeitpunkt in Privatbesitz ist.

1918 Elise Richenberger-Stemmler erwirbt den «Roten Bären». [17]

1957 Die Erbengemeinschaft Richenberger verkauft die Liegenschaft an Schlosser Anton Bachmann-Petermann. [18]

1960 Schlosser Bachmann veräussert das Gebäude an die Firma Gebrüder Käppeli. Diese Baufirma benützt das Gebäude als Unterkunft für Gastarbeiter. [19]

1985 Der in die Jahre gekommene «Rote Bären» weicht am 25. Juli einem neuen Personalhaus. [20]

1986 Das Giebelbrett mit dem Dreifaltigkeitssymbol wird beim Neubau integriert.


Einzelnachweise

  1. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 236
  2. Bürgerarchiv Zug, A 5.26.1, Urbar Pfarrkirche Cham, S. 10
  3. Bürgerarchiv Zug, A 39 50005/1406 [Provisorische Signatur], fol. 112v
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39-26/5/2627, S. 392
  5. Staatsarchiv Zug, Hypothekenbücher, Bd. 18, S. 76
  6. Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, VIII. Abteilung, Die Rechtsquellen des Kantons Zug, 2 Bde., Aarau 1971–1972, SSRQ 2, Nr. 1463, S. 818
  7. Bürgerarchiv Zug, A 39-26/10/498, fol. 69r
  8. Bürgerarchiv Zug, A 39-26/12/187, fol. 27v
  9. Bürgerarchiv Zug, A 39-26/12/1072, fol. 127v
  10. Staatsarchiv Zug, Hypothekenbücher, Bd. 30, fol. 243v, S. 56
  11. Staatsarchiv Zug, Hypothekenbücher, Bd. 24, fol. 154v
  12. Staatsarchiv Zug, G 337, Gebäudeversicherung, Lagerbuch I, Cham, Ass.-Nr. 16a
  13. Stadlin, Franz Karl, Das Lortzenbad zu Chaam im Canton Zug in der Schweitz, Zug 1820
  14. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 323
  15. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 274
  16. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 196
  17. Staatsarchiv Zug, Assekuranzregister der Gebäudeversicherung, Band III
  18. Staatsarchiv Zug, Assekuranzregister der Gebäudeversicherung, Band IV
  19. Staatsarchiv Zug, Assekuranzregister der Gebäudeversicherung, Band IV
  20. Staatsarchiv Zug, Assekuranzregister der Gebäudeversicherung, Band IV