Rigiplatz

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Das Haus Doswald rechts, links das Schulhaus Kirchbühl, hinten das Asyl und die Rigistrasse in der Mitte
Kernbau aus dem 17. Jahrhundert: die «Restauration Laubacher» (links die Rigi-, rechts die Schulhausstrasse)
Das Haus Doswald von hinten, vom Zündhölzliberg her
Der Rigiplatz im Sommer mit üppiger Vegetation
Die dreieckförmige Anlage mit dem Kinderspielplatz liegt seit 1935 an der Stelle des ehemaligen Restaurant Laubacher, rechts das Spritzenhaus, dahinter die Liegenschaft Schiess
Der Rigiplatz mit Schrebergärten im Vordergrund, vor dem Bau des Kleinschulhauses Kirchbühl II, Mai 1995
Das überarbeitete Projekt Dorado, das siegreich aus dem öffentlichen Studienauftrag der Einwohnergemeinde Cham ging.

Der Rigiplatz bezeichnet das unbebaute Dreieck zwischen Schulhausstrasse und Rigistrasse. Der Platz liegt heute etwas verborgen, war aber einst der zentrale Platz im Kirchbüel-Quartier, auf dem auch Gericht gehalten wurde.

Die Luzernerstrasse existiert in ihrer heutigen Linienführung erst seit 1840. Zuvor geht der Verkehr mit Fuhrwerken, Kutschen, Handwagen und Fussgängern über die heutige Schulhausstrasse auf die Anhöhe [1] und über den kleinen Platz, der «Dingstatt», «Kirchbüelplatz», «Gemeindehausplatz» oder «Rigiplatz» hiess, respektive heisst. [2]


Chronologie

1300 Bereits im Spätmittelalter finden in Cham öffentliche Gerichtstage statt. Hermann von Bonstetten der Ältere (gest. 1312) aus dem Zürcher Freiherrengeschlecht von Bonstetten, «lantrichter in Ergowe», hält ein Gericht ab «an der gemeinun strasse». [3]

1414 Erste Erwähnung der Dingstatt Cham: Konkret ist von einer «hoffstat, genant Dingstatt» die Rede. [4] Der Name Dingstatt leitet sich ab vom Ort, wo es zu den «Dingen» (also um die Sache) geht und verweist damit auf die Gerichtsstätte. Bei den Gerichtsverhandlungen sind der Zuger Ammann, sein Stellvertreter sowie eine Ratsabordnung der Stadt Zug oder der Obervogt – ein Bürger aus der Stadt Zug, der also nicht in Cham wohnt – anwesend. [5]

1537 Der Chamer Untervogt Jakob Räber klagt beim Zuger Stadtrat, dass er in Cham kein Wirtshaus finde, um in einem geschlossenen Raum die Gerichtstage durchzuführen. Die Untervögte sind Angehörige der dörflichen Oberschicht und dürfen in Nutzungsfragen und bei kleineren Vergehen ein Gemeindegericht einberufen. Die Stadtzuger Obrigkeit gewährt der Vogtei Cham und ihren Vogtleuten also eine weitgehende Autonomie. Räber habe auch schon in seinem Haus in Niedercham richten wollen, aber einige Fürsprecher hätten sich geweigert, dort zu Gericht zu sitzen. Der Zuger Stadtrat entscheidet, dass wenn in Cham kein Wirtshaus gefunden werden könne, solle man in Cham «uff offnem platz under heitterm himell richten». [6]

1639 In einem Urbar [= Verzeichnis von Besitzrechten, Güterverzeichnis] der Pfarrpfrund Cham wird die «dingstenmath» erwähnt [7], also die Wiese (Dingstattmatt), die an die Dingstatt angrenzt. In diesem Jahrhundert entsteht nördlich des Platzes ein markantes Gebäude, das spätere Haus Doswald oder «Laubacher».

1861 Im Haus auf der Dingstatt, respektive Rigiplatz sind eine Metzgerei und ein Speiserestaurant von Xaver Meier untergebracht. [8]

1883 Der Zuger Metzger Johann Doswald (1853–1908) übernimmt mit seiner Frau Josefine (1863–1913) Metzgerei und Speisewirtschaft von seinem Schwiegervater, Metzger Josef Wendelin Fuchs (1823–1879). Der Familienname des neuen Eigentümers geht auf die Liegenschaft über, die fortan «Haus Doswald» heisst. [9]

1912 Die Einwohnergemeinde Cham kauft die Liegenschaft «aus verkehrstechnischen, ästhetischen und sanitären Gründen». Konkret will man Platz für das angrenzende Schulhausprojekt schaffen. Die Gemeinde verpachtet die Liegenschaft an Metzger Josef Laubacher-Rüttimann (1889–1977). [10]

1917 Das Schulhaus Kirchbühl westlich des Rigiplatzes ist fertig und bezugbereit.

1928 Die Einwohnergemeinde beendet die Pacht nach 16 Jahren und reisst das Gebäude ab. Damit schafft sie Raum für die Rigistrasse und den Rigiplatz. Josef Laubacher zieht an die Hünenbergerstrasse 4 und richtet dort eine zeitgemässe Metzgerei ein und baut ein Schlachthaus an (später Villiger, dann Berger; abgebrochen 2002).

1930 Die Einwohnergemeinde errichtet einen kleinen Park mit Bäumen, Sitzbänken und Spielplatz. Auf diese Weise wird wieder spürbar, dass es sich um einen, wenn auch kleinen Platz handelt.

1957 Der Rigiplatz wird umgestaltet. Das Projekt von Architekt Walter H. Schaad (1902–1990) aus Luzern ist jedoch zu teuer und wird vereinfacht. Mit der Umsetzung beauftragt wird Werkmeister Josef Stähli (1922–2013). Zahlreiche Sitzbänke werden angebracht, dazu ein Sandplatz und eine Schaukel für die Kinder, die auch vom nahen Kindergarten im Spritzenhaus genutzt werden. Die Rutschbahn wird aus finanziellen Gründen fallengelassen. [11]

2012 Die Chamer Stimmberechtigen sagen Ja zu einem Studienauftrag für die Umgestaltung des Rigiplatzes. Dazu genehmigen sie an der Gemeindeversammlung einen Kredit von 70'000 Franken. [12]

2014 Die Gemeinde veranstaltet einen Umgestaltungswettbewerb für den Rigiplatz. Anstelle der Scheune neben der Liegenschaft Schiess soll ein neuer Verwaltungsbau entstehen. [13]

2016 Aus finanziellen Gründen wird der geplante Verwaltungsneubau am Rigiplatz zurückgestellt und aus dem Investitionsplan gestrichen. Die Neugestaltung Rigiplatz wird jedoch weiter verfolgt. Die Architekten haben ihr Siegerprojekt Dorado überarbeitet.

2017 Im Juni wird am Rigiplatz ein Parkhaus mit 151 unterirdischen Parkplätzen, ein Gemeinschaftswerk der Einwohnergemeinde und der Bürgergemeinde sowie der Andreas-Klinik AG, eröffnet. Oberirdisch, wo bisher der Bevölkerung 80 Parkplätze zur Verfügung standen, entsteht eine neue Parkanlage mit einem frisch gesetzten, noch kleinen Mammutbaum. Im August wird am Rigiplatz eine Begegnungszone mit Höchstgeschwindigkeit 20 und Vortrittsberechtigung für Fussgänger eingerichtet. [14]


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Einzelnachweise

  1. Schiedt, Hans-Ulrich / Rodgers, Frank, Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz IVS, Kanton Zug, Bern 2000, S. 2
  2. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 133
  3. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 2, S. 19
  4. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 160
  5. Vgl. Anmerkung 4 (Gruber et al.), S. 166f.
  6. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.0.255, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1471–1623, fol. 62v (17.11.1537)
  7. Bürgerarchiv Zug, A 5.26.0, Urbar Pfarrpfrund Cham, unpag.
  8. Staatsarchiv Zug, G 617.6.1, Assekuranzregister Cham, 1. Generation (1813–1868)
  9. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 202
  10. Zuger Nachrichten, Beilage zur 1100-Jahr-Feier in Cham, 11.07.1958
  11. Zugersee-Zeitung, 26.04.1957
  12. Neue Zuger Zeitung, 23.01.2014
  13. Neue Zuger Zeitung, 10.12.2014
  14. Zuger Zeitung, 19.06.2017. Zuger Zeitung, 21.08.2017