Laubacher

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Kernbau aus dem 17. Jahrhundert: die «Restauration Laubacher» (links die Rigi-, rechts die Schulhausstrasse)
Die Schulhausstrasse vor 1902. Im Vordergrund links die Metzgerei Doswald, dahinter das Restaurant Schiess und das Haus «Gigeriweid»
Das Haus Doswald rechts, links das Schulhaus Kirchbühl, hinten das Asyl und die Rigistrasse in der Mitte
Das Haus Doswald von hinten, vom Zündhölzliberg her
Der Rigiplatz im Sommer mit üppiger Vegetation

Am Rigiplatz stand vom 17. Jahrhundert bis 1928 eine Gastwirtschaft, weil hier die Hauptverkehrsachse durchlief. Die Gaststätte trug zuletzt den Namen «Laubacher», da der Wirt Josef Laubacher hiess. Sie stand im Strasseneck zwischen Rigistrasse und Schulhausstrasse, wo sich heute ein Kinderspielplatz befindet.


Chronologie

17. Jahrhundert Der heutige Rigiplatz heisst zu dieser Zeit Dingstatt, hier finden die Gerichtstage statt. [1] Auf der Anhöhe der Dingstatt entsteht ein markantes Gebäude, das spätere Haus Doswald oder Laubacher. [2]

1843 Johann Stuber erbt das Haus von Jakob Stuber. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird der Kernbaus erstmals erweitert. [3]

1850 Johann und Christina Stuber wohnen mit ihren Kindern im Haus. [4]

1866 Im Haus auf der Dingstatt, respektive Rigiplatz sind eine Metzgerei und ein Speiserestaurant von Xaver Meier untergebracht. Als Eigentümer folgen Josef W. Fuchs aus Malters LU, schliesslich die Schwestern Fuchs. [5] In dieser Zeit findet eine zweite Erweiterung des Gebäudes statt, dieses Mal gegen Westen, wodurch die zuletzt bestehende, unregelmässige Giebelform entsteht. [6]

1881 Der Zuger Johann Doswald (1853–1908) übernimmt Metzgerei und Speisewirtschaft mit seiner Frau Josefine (1863–1913) von seinem künftigen Schwiegervater Josef W. Fuchs. Doswald war zuvor auf Wanderschaft gewesen und soll eine patriarchalische Erscheinung mit donnernder Stimme gewesen sein, die den Buben des Viertels ebenso Eindruck gemacht haben soll wie seine Waffensammlung. [7] Der Familienname des neuen Eigentümers geht im Volksmund auf die Liegenschaft über, die fortan «Haus Doswald» heisst.

1887 Bei einer Feuerwehrübung geht die Übungsanlage von folgendem Szenario aus: Die Gastwirtschaft Doswald mit Stallung und Schlachthaus fängt Feuer, worauf der Westwind den Brand weiter bis zum nahen Spritzenhaus trägt. Deshalb kann die Feuerwehr Cham ihre Spritzen und anderen Gerätschaften nicht zuhilfe nehmen, so dass die Feuerwehrkollegen aus Zug, Baar und Menzingen helfen müssen – aber zum Glück ist es nur eine Übung, keine Realität! [8]

1894 Der sieben Jahre zuvor geübte Brandbekämpfung wird Wirklichkeit: Nachmittags um 15.30 Uhr ertönt die Feuerglocke beim Haus Doswald. Die im nahen Spritzenhaus stationierte Feuerwehr Cham kann den Brand zwar rasch löschen, aber der Schaden durch das Löschwasser ist massiv. [9]

1912 Die Einwohnergemeinde Cham kauft die Liegenschaft von Witwe Doswald für 43'000 Franken «aus verkehrstechnischen, ästhetischen und sanitären Gründen», wie es im Gemeinderatsprotokoll heisst. Konkret will man Platz für das angrenzende Schulhausprojekt Kirchbühl schaffen. Die Gemeinde verpachtet die Liegenschaft an Wirt und Metzger Josef Laubacher-Rüttimann (1889–1977), einen ehemaligen Lehrling von Johann Doswald. [10]

1917 Das Schulhaus Kirchbühl ist fertig und bezugsbereit. Der Gemeinderat kommentiert, warum das Haus Doswald/Laubacher noch immer steht, welches als Abbruchobjekt gilt: «Nun kam dazwischen der Weltkrieg, Wohnungsnot, finanzielle Schwierigkeiten, alles Umstände, die den Abbruchobjekten ein längeres Dasein sicherten, als vorauszusehen war.»

1928 Die Einwohnergemeinde beendet die Pacht nach 16 Jahren von Laubacher und reisst das Gebäude ab. Wirt und Metzger Laubacher zieht an die Hünenbergerstrasse 4 um. Er richtet dort eine zeitgemässe Metzgerei ein und baut ein modernes Schlachthaus an (später Villiger, dann Berger; abgebrochen 2002). Die Gemeinde schafft mit dem Abbruch Raum für die Rigistrasse und den Rigiplatz. Aber die Geschichte der Gastwirtschaft Laubacher geht zu Ende.

1930 Die Einwohnergemeinde Cham errichtet einen kleinen Park mit Bäumen, Sitzbänken und Spielplatz. Auf diese Weise wird wieder spürbar, dass es sich um einen, wenn auch kleinen Platz handelt.


Dokumente

1502260 Laubacher Metzgerei Werbung.jpg

Inserat der Metzgerei Laubacher, ca 1929 an der Hünenbergerstrasse

Einzelnachweise

  1. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 166f.
  2. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 136
  3. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 133
  4. Staatsarchiv Zug, Volkszählung 1850
  5. Staatsarchiv Zug, Gebäudeversicherung Zug, Assekuranzregister, Lagerbuch I
  6. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 136
  7. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 202
  8. Zuger Volksblatt, 26.11.1887
  9. Zuger Nachrichten, 19.12.1894
  10. Zuger Nachrichten, Beilage zur 1100-Jahr-Feier in Cham, 11.07.1958