Kirchbühl I, Schulhaus

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Das Schulhaus Kirchbühl nach der Eröffnung 1917

Auf einer Anhöhe gelegen, wirkt das Schulhaus Kirchbühl wuchtig bis monumental. Unzählige Chamerinnen und Chamer verbrachten hier ihre Primarschulzeit. 1998 wurde das Schulhaus um das Kirchbühl II erweitert.


Chronologie

1912 Der Zürcher Professor William Silberschmidt (1869–1947), Hygieniker und Bakteriologe, erstellt ein Gutachten über die Chamer Schulverhältnisse und hält darin fest: «Die Schulräume sind ungenügend, die Licht- und Luftverhältnisse mangelhaft, Heizung, Treppenhaus und Aborte in ganz schlechtem Zustand.» [1] Am 25. April setzt die Gemeindeversammlung eine Baukommission unter der Leitung von Gemeindepräsident Bernhard Baumgartner ein. Am 12. Dezember 1912 genehmigt die Gemeindeversammlung den Planungskredit für den Bau eines neuen Schulhauses auf dem Boden der Bürgergemeinde. [2]

1913 Die Einwohnergemeinde führt einen Architekturwettbewerb durch. Den ersten Preis erlangen die Zürcher Architekten Karl Knell (1880–1954) und Alfred Hässig (1880–1943). Das Projekt, so die Preisrichter, würde «günstig in die Umgebung wirken». [3]

1915–1917 Trotz Erstem Weltkrieg und allgegenwärtigem Ressourcenmangel baut Cham das neue Schulhaus auf dem Zündhölzliberg unter der Leitung von Knell und Hässig. Bauführer ist Bautechniker Heinrich aus Cham. Der Bau kostet 620'797.35 Franken. [4]

1917 Am 13. Mai wird das neue Schulhaus mit seinen 14 Unterrichtszimmern und dem Singsaal feierlich eingeweiht. Die Feldmusik eröffnet den Tag mit einer Tagwacht um sechs Uhr in der Früh. Nach dem Festgottesdienst am Morgen sehen am Nachmittag über 2000 Besucher den farbigen Festumzug von Behörden, Lehrerschaft und Schuljugend vom alten zum neuen Schulhaus. [5] Seine Erscheinung mit dem blockhaften Gebäudekörper, der grosszügigen Befensterung und dem sparsam eingesetzten Fasadenschmuck ist für die damalige Zeit «ausserordentlich modern» [6]. Insgesamt können 648 Schulkinder im Schulhaus unterrichtet werden. [7] Die Gäste der Eröffnungsfeier werden mit folgendem Spruch empfangen: «Der Eltern Liebe, der Kinder Vorwärtsstreben erbaut dies’ Haus; der Kinder Fleiss, ihr braves Lernen, schmück’ es aus.» [8] Trotz Rationierung bekommt jedes Schulkind zur Feier des Tages eine ganze Cervelat-Wurst.

1977–1978 Das Schulhaus Kirchbühl wird für 2,855 Millionen Franken renoviert und im Innern umgestaltet. An einem Tag der offenen Türe besuchen viele Interessierte das Schulhaus. [9]

1997 Am 10. März erfolgt der Spatenstich für die Schulhauserweiterung Kirchbühl II und der Abbruch des benachbarten Willi-Hauses. [10]

1998 Das neue Schulhaus Kirchbühl II wird am 25. September offiziell eingeweiht. [11]

2017 Genau 100 Jahre nach der Einweihung wird am 13. Mai ein Fest des offenen Schulhauses gefeiert. Die Bevölkerung ist eingeladen, eine Schülervorführung sowie eine Ausstellung zu besuchen, welche die ersten Jahre der Schulgeschichte thematisiert. Ausserdem bietet sich die Möglichkeit, ein Schulzimmer in der Originalausstattung von 1917 und verschiedene alte Klassenfotos zu besichtigen. Die Schülerinnen und Schüler tauchen in der Projektwoche «100 JAHRE KIBÜ» in einem speziell eingerichteten Klassenzimmer im Singsaal in die Schulwelt vor 100 Jahren ein. [12]


Kunsthistorische Beschreibung

«Der wuchtige Baukörper von drei Geschossen trägt ein hohes Walmdach mit teilweise zu mehreren verbundenen, kielbogigen Quergiebeln, welche das grosse Volumen des 3. Obergeschosses optisch kaschieren. Regelmässig angeordnete, grossflächige, querrechteckige Fenster in schmalen Kunststeingewänden mit ursprünglich feinerer Sprosseneinteilung bestimmen die Fassaden.» [13]


Die Schulhauseinweihung vom 13. Mai 1917 in den Zuger Zeitungen

«Das neue Schulhaus in Cham. Während sich an den Marken des Landes die Völker in wilder Wut zerfleischen und mit allen Mitteln der modernen Kriegstechnik sich gegenseitig möglichst empfindlichen Schaden beizubringen suchen, altehrwürdige Kunstwerke in wüste Trümmerhaufen umwandeln und während sogar dumpfer Kanonendonner in unser stilles Zugerländchen dröhnt, wurde in Cham ein Friedenswerk geschaffen, auf das Gemeinde und Kanton stolz ein dürfen.» [14]

«Letzten Sonntag beging Cham ein allerliebstes Fest, ein herzlich-frohes Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes, es galt die Weihe des neuen Schulhauses feierlich zu begehen. Eine Schulhausweihe ist für eine Gemeinde immer ein freudig-ernstes Ereignis und so herrschte denn auch letzten Sonntag in allen Herzen frohe, heitere Festtagsstimmung. Selbst die Natur feierte freudig mit, sie hatte sich ins herrlichste Festgewand gelegt und prengte in üppigster Farbenpracht, überall schönstes, treibendes Frühlingsleben, Lenzesblühn und Maienblust. Das Dorf Cham schien mit der Schönheit der Natur zu wetteifern, es hatte ebenfalls ein gediegenes Festkleid angezogen, an jedem Hause flatterten bunte Flaggen und Fahnen im Winde und die wehenden blau-weißen und roten Wimpel, welche von der Höhe unseres Kirchturmes freudig grüssten, verkündeten dem fernen Wanderer, daß hier ein frohes Volk Festtag hält.» [15]


Einzelnachweise

  1. Steiner, Hermann, 50 Jahre Schulhaus Kirchbühl, Cham, in: Heimatklänge, kulturelle Beilage zu den «Zuger Nachrichten» 46, 1967, S. 33–39
  2. Zuger Zeitung, 19.07.2017
  3. Weber, Anton, Neue Schulhäuser in Cham, in: Zuger Kalender 1918, S. 35
  4. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 117
  5. Zuger Nachrichten, 17.05.1917. Zuger Neujahrsblatt 1923, Chronik 13.05.1917
  6. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 112
  7. Weber, Anton, Neue Schulhäuser in Cham, in: Zuger Kalender 1918, S. 35
  8. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 116
  9. Zuger Neujahrsblatt 1980, Chronik 09.12.1978
  10. Zuger Kalender 1998, Chronik 10.03.1997
  11. Zuger Kalender 2000, Chronik 25.09.1998
  12. Zuger Zeitung, 14.03.2017
  13. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 113
  14. Zuger Volksblatt, 12.05.1917 und Zuger Nachrichten, 15.05.1917 (gleicher Text!)
  15. Zuger Nachrichten, 17.05.1917