Villiger Emil (1904–1981)

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Portrait von Villiger Emil (1904–1981)
Portrait von Emil Villiger

Vorname: Emil
Nachname: Villiger
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 2. Februar 1904
Todes­datum: 21. Juni 1981
Todes­ort: Cham ZG
Beruf: Landwirt, Uhrmacher
Amt: Kirchenrat, Kantonsrichter
Religion: römisch-katholisch
Partei: Freisinnig-Demokratische Partei FDP

Emil Villiger war ein Chamer Bauer, Geschichtsforscher, Kirchenrat und Kantonsrichter.




Emil Villiger (rechts) mit den Söhnen der Familie Schicker beim Pflügen, undatiert (ca. 1960)
Der Hof Neuguet in Lindencham, kurz bevor er 1972 der Autobahn weichen musste. Der Hof lag östlich der Sinserstrasse auf der Höhe der heutigen Autobahnbrücke über die Sinserstrasse, undatiert (um 1970)


Stationen

1904 Emil Villiger kommt am 2. Februar als Kind von Albert (1866–1935) und Katharina Villiger-Wandeler (1878–1949) auf dem Bauernhof Neuguet (Ass.-Nr. 190a) in Lindencham zur Welt. Emil besucht die Primar- und Sekundarschule in Cham und ein Jahr die Handelsschule in Zug. [1] Anschliessend absolviert er die landwirtschaftliche Winterschule und arbeitet auf verschiedenen Bauernhöfen.

1933 Emil Villiger wirkt bei der Erforschung von lokalen Orts- und Flurnamen im Auftrag der Flurnamenkommission mit. Er arbeitet dabei mit dem Chamer Grundbuchgeometer Walter Hauenstein (gest. 1970) zusammen. [2] Villiger findet Fragmente von Leistenziegeln im Gebiet Muracher südlich des Klosters Heiligkreuz und entdeckt damit den ersten römischen Siedlungsplatz des Kantons Zug. [3]

1934 Der junge Bauer Villiger wird als Vertreter der Freisinnigen als Kantonsrichter und in den Kirchenrat von Cham-Hünenberg gewählt. Er behält beide Mandate bis 1938. [4]

1936 Villiger übernimmt den elterlichen Bauernhof Neuguet. Neben der landwirtschaftlichen Arbeit befasst er sich intensiv mit Geschichte und Familienforschung.

1942–1944 Emil Villiger ist 1942 an den archäologischen Grabungen in der Kapelle St. Andreas und 1943 an der Öffnung des Sakrophags des Bischof ohne Namen in der Pfarrkirche St. Jakob beteiligt. [5] Für die Grabungen in St. Andreas unterstützen ihn Mitglieder des Turnvereins Cham. [6] 1944 erscheint Villigers Buch «Der heilige Bischof ohne Namen in Cham». In Hünenberg führt er mit Freiwilligen archäologische Grabungen durch, um die Burgruine der Ritter von Hünenberg freizulegen.

1953 Der ledige, kinderlose Villiger muss krankheitshalber die Bewirtschaftung des Hofs aufgeben und verpachtet ihn an die Familie Schicker, die aus der Altgasse in Baar ins Neuguet übersiedelt. Villiger bewohnt im Neuguet vier Zimmer. Er ist Kostgänger bei der Familie Schicker. [7] Er wirkt als Präsident der Entwässerungsgenossenschaft Lindenchamerforren und als Präsident des Verkehrs- und Verschönerungsverein Cham. Er verbessert das Wanderwegnetz der Gemeinde und verwirklicht die Turmbeleuchtung der Pfarrkirche St. Jakob. [8]

1972/1973 Als Folge des Nationalstrassenbaus und der sogenannten «Güterregulierung» wird der 1872 erbaute Bauernhof der Familie Villiger von der Feuerwehr Cham kontrolliert abgebrannt. Der neue Hof Neuguet (Ass.-Nr. 931a) mit Scheune (Ass.-Nr. 931b) wird ca. 400 Meter südlich des alten Standorts neu erbaut. [9] Villiger leidet sehr unter der Abbruchverfügung und der Verlegung des Hofs an den heutigen Ort, kann aber nichts dagegen ausrichten. Nach dem Abbruch zieht er mit der Familie Schicker in den neu erbauten Hof südlich der Autobahn um. [10]

1981 Villiger stirbt am 21. Juni im Alter von 77 Jahren.

1994 Der Nachlass befindet sich bis 1994 in der Studierstube Villigers in der Liegenschaft Neuguet: Antike Möbel, etwa 30 historische Wand- und Turmuhren, antike Waffen und Geräte, selbst gezeichnete Stammbäume und zahlreiche Dokumentationen zu den archäologischen Grabungen in St. Andreas und in Hünenberg (auch eine kleine Schachtel mit Holzkohle, Gewebefäden und Knochen aus dem Sarkophag des Bischofs ohne Namen). Die Funde und Unterlagen werden der Kantonsarchäologie dauerhaft überlassen. [11]


Der Antik-Uhrmacher

Im Alter von 13 Jahren entdeckt er die Faszination von Antikuhren, die ihn zeit seines Lebens begleiten wird. Die Werkstatt richtet er sich im Estrich seines Hauses ein. [12]


Erinnerungen an Emil Villiger

Emil Villiger war ein inspirierender und vielseitig interessierter Mensch. Im Auftrag von Robert Naville (1884–1970), Direktor der Papierfabrik Cham, erforschte er die Wasserzeichen, die früher auf Papieren angebracht waren. [13] Aushilfsweise führt er auch in der Elektrowerkstatt der Papierfabrik Arbeiten aus. [14] Villiger hat mit den Kindern der Familie Schicker, die seinen Hof in Pacht führte, hin und wieder Ausflüge unternommen, so nach Luzern und an die Expo 1964 in Lausanne. Er besass viele interessante Gegenstände, so ein Fernrohr, mit dem die Schicker-Kinder weidende Kühe am Zugerberg beobachten konnten, und ein Tonbandgerät, das die Kinder ebenfalls benutzen durften. Beides faszinierte die Schicker-Kinder. Emil Villiger hatte ein Mofa, mit dem er oft unterwegs war. Um sich vor dem Fahrtwind zu schützen, trug er auf seinen Ausfahrten eine braune «Gülleschüübe» (Schürze, die Bauern benutzten, um sich vor Jauchespritzern zu schützen). [15]

Gedichte

Aufgrund der Geschichtsforschungen widmete Martin Zimmermann von Kirchbüelhof seinem Bauernkollegen Villiger ein liebesvolles Spottgedicht:

«D’s Lindechoom hät’s so en Maa,
der nid nur guet puure cha.
Er grabt us alte Ritter Sache,
jä glaubet’s nur, es isch nid zum Lache.
Er grabt elei, er grabt mit Chnabe,
er grabt vo obe gäge abe.
Und hät bim Grabe vo obe bis unde
nid emol es Fraueli gfunde.» [16]


Einzelnachweise

  1. Zuger Historiographen, Bio-Bibliographie von 1912–1977, 125 Jahre Zuger Verein für Heimatgeschichte, Sektion des Historischen Vereins der V Orte, Zug 1977 (Beiträge zur Zuger Geschichte 2), S. 153
  2. Hofmann, Toni, Zum mutmasslichen römischen Gutshof bei Lindencham-Heiligkreuz. Erfahrungsbericht: Erfassen von Altbeständen aus dem Archiv der Kantonsarchäologie, in: Tugium, 1993, S. 100
  3. Vgl. Anmerkung 2 (Hofmann), S. 102
  4. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.02.2022]
  5. Villiger, Emil / Weber, Emil, Die Kapelle St. Andreas im Städtli Cham. Die Renovation / Die archäologischen Grabungen, in: Zuger Neujahrsblatt 1944, S. 50–57
  6. Freundliche Mitteilung von Monika Affentranger-Schicker, Cham, deren Eltern ab 1953 den Landwirtschaftsbetrieb Neuguet führten, 06.01.2023
  7. Freundliche Mitteilung von Monika Affentranger-Schicker, Cham, deren Eltern ab 1953 den Landwirtschaftsbetrieb Neuguet führten, 06.01.2023
  8. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 15
  9. Staatsarchiv Zug, G 617.6.8, Assekuranzregister Cham, 4. Generation (1960–1990), 3. Band
  10. Freundliche Mitteilung von Monika Affentranger-Schicker, Cham, deren Eltern ab 1953 den Landwirtschaftsbetrieb Neuguet führten, 06.01.2023
  11. Rothkegel, Rüdiger, Nachlass Emil Villiger, Neuguet, in: Tugium 12, 1996, S. 23f.
  12. Vgl. Anmerkung 8 (Steiner et al.), S. 154
  13. Freundliche Mitteilung von Monika Affentranger-Schicker, Cham, deren Eltern ab 1953 den Landwirtschaftsbetrieb Neuguet führten, 06.01.2023
  14. Freundliche Mitteilung von Armando Camenzind, Cham, in den 1950er Jahren Elektromechanikerlehrling in der Papierfabrik Cham, 07.01.2023
  15. Freundliche Mitteilung von Monika Affentranger-Schicker, Cham, deren Eltern ab 1953 den Landwirtschaftsbetrieb Neuguet führten, 06.01.2023
  16. Vgl. Anmerkung 8 (Steiner et al.), S. 154