Kirchbüelhof, Allmendweg 6

Aus Chamapedia

Der «neue» Kirchbüelhof, 1965
Südlich des Kirchbüelhofs befand sich die Scheune
Wo sich bis 2007 die Scheune befand, entstand nach dem Abbruch eine Wohnüberbauung
Jährlich fand beim Kirchbüelhof das Buebeschwinget statt

Der Kirchbüelhof am Allmendweg 6 stammte von 1849. 1964 wird der Ursprungsbau durch einen Neubau ersetzt, der ein «interessantes, sehr spätes Beispiel eines Heimatstilbaus» darstellt. Bekannt wurde der Hof als Ort von Viehausstellungen, Schwingfesten oder Jodleranlässen.


Chronologie

vor 1849 Bau des Kirchbühlhofs (Ass.-Nr. 154a) mit Scheune und Trotte (Ass.-Nr. 154b) durch die Gebrüder Rast. Die Scheune stammt aus dem Jahr 1839. Der Hof liegt unweit der Hünenbergerstrasse in der Nähe des damaligen Ortskerns. [1]

1883 Am 16. August kauft Josef Rast die Liegenschaft. Dazu gehört nun auch noch ein Waschhaus und Dörrhaus (Ass.-Nr. 154c). [2]

1886 Elisabeth Rüttimann-Rast verkauft den Hof am 26. August an die Gebrüder Zimmermann. [3]

1890 An der kantonalen Zuchtstierausstellung werden 67 Zuchtstiere präsentiert. Martin Zimmermann-Herzog (1854–1911) erreicht mit seinem Tier den 10. Rang. [4]

1912 Martin (1888–1959) und Carl Zimmermann erben den Hof von ihrem Vater Martin. [5]

1919 Mit einem Auskaufvertrag geht der Hof in den Alleinbesitz von Martin Zimmermann-Iten über. Neben dem Wohnhaus stehen am Allmendweg 6 eine Scheune, eine Trotte mit Remise, ein Schopf und ein Waschhaus. [6]

um 1940 Die Familie Zimmermann vom Kirchbüelhof übernimmt den Transport der Verstorbenen im Dorf. Im pferdebespannten Leichenwagen führen die Zimmermanns während mehr als 30 Jahren über 1000 Verstorbene auf den Friedhof (bis 1970). [7]

1954 Die nächste Generation übernimmt: Karl Josef Zimmermann (1924–1995) kauft den Hof am 7. Mai. [8]

1964 Karl Zimmermann lässt den alten Kirchbüelhof durch einen Neubau ersetzen. Architekt ist der Hünenberger Dachdeckermeister Adolf Gretener (1902–1963), der die Fertigstellung nicht mehr erlebt. Laut Kunsthistoriker Josef Grünenfelder handelt es sich um ein «interessantes, sehr spätes Beispiel eines Heimatstilbaus». [9]

2005 179 Stimmberechtigte der katholischen Kirchgemeinde Cham-Hünenberg stimmen der Verlegung der Scheune des Kirchbüelhofs zu. Damit kann Bauer Martin Zimmermann seine Scheune auf Land der Kirchgemeinde erstellen. [10]

2007 Die Überbauuungen schnüren den Landwirtschaftsbetrieb immer mehr ein. Deshalb zieht die Bauernfamilie 900 Meter in Richtung Norden auf den Weidhof, zwischen dem Gebiet Röhrliberg und der Autobahn A4; dort betreibt die Familie Zimmermann einen modernen Milchviehbetrieb für 70 Brown-Swiss-Kühe und 80 Aufzuchtrinder.

2009 Auf dem ehemaligen Areal von Scheune und Weiden des Kirchbüelhofs entsteht eine neue Wohnsiedlung (Allmendweg 2, 4, 8, 10, 12). [11]

2022 Das landwirtschaftliche Wohngebäude ist in diesem Quartier ein letzter Zeuge des einst stark landwirtschaftlich geprägten Chams. [12]


Ein öffentlicher Ort

Der Kirchbüelhof war der Ort der Viehausstellung, des Buebeschwingets und der Jodlerstubete. Die Scheune des Kirchbüelhofes war mehr als nur ein landwirtschaftliches Nebengebäude. Vor der Scheune fanden mehrere Schwingfeste statt, so dass der Bauernhof eine Art öffentlicher Begegnungsort war. In diese Richtung zielte auch der grosse, runde Tisch, ebenfalls vor der Scheune. Dort trafen sich jeweils alteingesessene Chamer, um miteinander etwas zu trinken – und um sich über die Chamer Neuigkeiten auszutauschen. Nicht wenig wurde dort, draussen vor der Scheune, Chamer Politik gemacht.


Die Hausinschrift

«K[arl] Z[immermann] 1964 L[ouise] M[oos] Wenn der Herr das Haus nicht baut so bauen die Bauleute umsonst.»


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Staatsarchiv Zug, G 617.6.1, Assekuranzregister Cham, 1 Generation (1813–1868). Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 179
  2. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  3. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  4. Zuger Volksblatt, 11.10.1890
  5. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  6. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  7. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 135
  8. Staatsarchiv Zug, G 617.6.4, Assekuranzregister Cham, 3. Generation (1929–1960), 1. Band
  9. Vgl. Anmerkung 1 (Grünenfelder), S. 179
  10. Neue Zuger Zeitung, 23.03.2005
  11. www.zugmap.ch, Einträge Grundstücknummern 3099, 3135–3139 [Stand: 06.09.2019]
  12. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 3100; Grundbuchfläche: 1254 m²; Gebäude: 156 m²; Strasse, Weg: 133 m²; übrige befestigte Fläche: 561 m²; Acker, Wiese, Weide: 105 m²; Gartenanlage: 299 m² [Stand: 23.10.2022]