Papieribahn

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Die 31 Tonnen schwere Elektrolokomotive: neben der Remise auf dem Fabrikgelände
Die Papierbahn im Einsatz: für den Transport der Walze einer Papiermaschine
Die Lokremise von 1925: mit der Lokomotive, dem Lokführer und dem Fabrikkamin
Anfänglich wurde die Elektrolokomotive auch zu Rangierfahrten im Bahnhof Cham eingesetzt
Gehörte bis 2014 zum Bild von Cham: das gelbe Papieribähnli quert die Zugerstrasse
Blick in die Führerkabine des Akku-Traktors Ta 2/2

Die Papierfabrik Cham hatte ab 1920 einen direkten Gleisanschluss. Das «Papieribähnli» durchquerte den Ort, quietschte ohrenbetäubend durch die Kurven und stoppte den Verkehr auf der Zugerstrasse. Dennoch hielt sich die Bahn bis 2014. Denn die Anbindung an den öffentlichen Verkehr war wichtig. Pro Jahr verfrachtete die fabrikeigene Bahn rund 80’000 Tonnen Material.

Chronologie

1902/1906 Die Papierfabrik Cham prüft die Erstellung eines eigenen Industriegleises – ohne es zu realisieren.

1908 Papierfabrik übernimmt einen Geleiseanschluss der Anglo-Swiss Consended Milk Co..

1915 Während des Ersten Weltkriegs prüft die Papierfabrik ernsthaft, eine Bahnverbindung über die Schluecht zum Bahnhof Steinhausen zu bewerkstelligen.

1917 Papieri kauft einen ersten Lastwagen, einen Laster der Marke Franz mit einem Gewicht von fünf Tonnen. [1]

1919 Obwohl die Papierfabrik zum Lastwagen noch einen Transporttraktor kauft, forciert sie weiter den Schienenverkehr. [2] Sie plant den direkten Geleiseanschluss mit einem Trassee mitten durch dicht bebaute Nestléquartier.

1920 Am 8. März 1920 lenkt Papieri-Mitarbeiter Josef Jäck die erste Fahrt der Papieribahn. Die Zugskomposition wird gezogen von einer Lokomotive mit Elektro-Akkumulatoren, die zwei 75-PS-Motoren antreiben. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt beschauliche 17 Kilometer pro Stunde. Die Bahnstrecke von insgesamt vier Kilometern überquert zwei Kantonsstrassen und eine Gemeindestrasse, auf denen der Verkehr kurz gestoppt wird. Die Zugmaschine ist für zwölf ankommende und zwölf abgehende Güterwagen pro Tag ausgelegt. [3] Doch das Transportvolumen steigt von Jahr zu Jahr bis zu rund 80'000 Tonnen pro Jahr.

1925 Die Papierfabrik erstellt eine Lokremise auf dem Fabrikgelände.

1952 Weil die Nestlé die Fabrikation in Cham schon länger stoppt hat, verkauft sie alle Geleise der Papierfabrik Cham.

1962 Weil die Elektrolokomotive revidiert werden muss, leiht sich die Papierfabrik zuweilen eine Dampflokomotive der Papierfabrik Perlen aus (oder sie setzt jeweils auf eine Ersatzlokomotive des Typs «B-Tender»). Zustatten kommt der Papierfabrik in solchen Momenten, dass Lokführer Walter Lindegger Erfahrung hat mit Dampfbetrieb, nämlich seinerzeit mit dem Betreiben von Schnapsbrennereien. [4]

1994 Die Firma Metrag AG baut der Lok eine Luftbremsanlage ein, um die angehängten Eisenbahnwagen zu bremsen. Gearbeitet wird nur nachts, damit die Lok tagsüber in Betrieb sein konnte.

2009 Die Lok erleidet am 9. März einen Achsbruch und entgleist. Zwei Tage später wird sie auf einen Tieflader gehievt und zur Reparatur abtransportiert [5]

2012 Die Feuerwehr Cham löscht am 10. Januar einen Brand im Papieribähnli. [6]

2014 Das Papieribähnli fährt das letzte Mal durch Cham. Die Papierfabrik schenkt die Lokomotive, die seit 1920 ununterbrochen im Einsatz gewesen ist, der Museumsbahn Etzwilen-Singen in der Ostschweiz. Diese ist jedoch mit dem Betrieb und Unterhalt der anspruchsvollen Akku-Lok überfordert. Die Firma Stauffer Schienen-und Spezialfahrzeuge, Frauenfeld, übernimmt die Lok und macht sie flott. Die ehemalige Papier-Lok bleibt in Frauenfeld, wo sie als Werklok des Unternehemens dient. [7]

Technische Daten des Akku-Traktors Ta 2/2

  • Geschwindigkeit max. 17 km/h
  • Motorenleistung 2 x 75 PS
  • Akkumulator mit 240 Batterieelementen (17 T)
  • Gesamtgewicht 33.5 T
  • Radstand 4.5 m
  • Länge über Puffer 8940 mm
  • Breite 3060 mm

Fotoagalerie

Die Transporte des Papieribähnlis in der Ostschweiz

Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 192
  2. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 192
  3. Hauszeitschrift der Papierfabrik Cham, 1/1971, S. 26
  4. Hauszeitschrift der Papierfabrik Cham, 4/1962, S. 12f.
  5. http://www.bahnonline.ch/wp/8731/fast-90-jahrige-rangierlok-erlitt-achsbruch.htm [Stand: 10.10.2017]
  6. Chronik Feuerwehr Cham: http://www.fw-cham.ch [Stand: 10.10.2017]
  7. Freundliche Auskunft von Jürg Stauffer, Frauenfeld, 10.10.2017