Müller-Schuppisser Jakob (1913–1991)

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Portrait von Müller-Schuppisser Jakob (1913–1991)
Portrait von Jakob Müller-Schuppisser (1913–1991)

Vorname: Jakob
Nachname: Müller-Schuppisser
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 12. April 1913
Geburt­sort: Morgarten ZG
Todes­datum: 6. März 1991
Todes­ort: Cham ZG
Beruf: Musiker, Primarlehrer, Rektor

Jakob Müller hat 36 Jahre mit grossem Engagement an den Schulen von Cham gewirkt. Zuerst als Lehrer der dritten und vierten Primarklasse, später als Schulpräfekt und erster vollamtlicher Rektor der Schulen von Cham. Zudem war er Organist in der Kirche St. Jakob und er hat verantwortungsvolle Ämter in den kantonalen Organisationen der Lehrerschaft übernommen.




Stationen

1913 Jakob Müller wird am 12. April in Morgarten geboren. [1]

1942 Müller beginnt seine Tätigkeit als Primarlehrer an den Chamer Schulen. [2]

1955 Die kantonale Lehrerkonferenz wählt Müller zum neuen Präsidenten. [3]

1956 Jakob Müller wird als Nachfolger von Carl Ulrich (1900–1987) zum Schulpräfekten gewählt. Er übernimmt diese Aufgabe für 14 Jahre. [4]

1961 Jakob Müller tritt als Präsident der kantonalen Lehrerkonferenz zurück. [5]

1969 Jakob Müller redigiert die Schrift zur neuen Orgel in der Pfarrkirche St. Jakob. [6]

1971 Jakob Müller wird zum ersten vollamtlichen Rektor der Chamer Schulen gewählt. [7]

1973 Das «Infoteam Schule-Eltern-Öffentlichkeit» (ab 1985: Schule-Elternhaus) wird geschaffen. Ziel dieses Vereins ist es, auf die Bedürfnisse und Anliegen der Schule aufmerksam zu machen, den Dialog mit verschiedensten Kreisen und Institutionen zu pflegen und Vorträge und Weiterbildungsangebote zu schaffen. Jakob Müller übernimmt bis zu seiner Pensionierung 1978 den Vorsitz. [8]

1978 Rektor Müller wird zu seiner Pensionierung mit einer grossen Feier geehrt. Er wird zusammen mit seiner Gattin mit einer Kutsche in die Chamer Schulhäuser gefahren, wo die Schüler und Schülerinnen Produktionen für den scheidenden Rektor vorbereitet haben. Am Abend findet eine grosse Feier statt, wo Müller von den Behörden und dem Lehrkörper gewürdigt und verabschiedet wird. Eine von einer Lehrergruppe vorgetragene Schnitzelbank charakterisiert Jakob Müller sehr treffend: «Euse Räktr, da isch nobel, euse Räktr dä gliicht us, sigs bim Groli [9], bi der Lehrer oder mit em Elterehus. Er vermittlet zwüsched vielne, und nimmt allne Lüte d'Wuet, sigs Behörde, Pfärer, Tökter er macht alles wieder guet.» [10]

nach 1978 Jakob Müller unterrichtet an der Musikschule Cham Klavier und ist Organist in Risch.

1984 Die von Jakob Müller verfasste «Chomer Schuelgschicht» erscheint als Sondernummer des «Chomer Schuelbär». [11]

1991 Jakob Müller stirbt 6. März im Alter von 78 Jahren. [12]


Die Entwicklung der Chamer Schule in der Ära Müller

Jakob Müller hat eine Phase der Schulentwicklung mitgeprägt, die von Wachstum und vielfältigen Veränderungen geprägt war. Er war ein typischer Lehrer seiner Generation, im Dorf und im kulturellen Leben Chams fest verwurzelt, so war er u.a. 30 Jahre Organist im Nebenamt. Er war auch bildungspolitisch aktiv, stand sechs Jahre der kantonalen Lehrerkonferenz vor und war Präsident der Lehrerpensionskasse. [13]

In Cham hatte er als Präfekt und später als erster Rektor eine Führungsfunktion der Schule, als sich die Gemeinde und die Schulen rasant entwickelten. Bei seinem Amtsantritt als Präfekt arbeiteten etwa dreissig Lehrpersonen an den Chamer Schulen, bei seiner Pensionierung als Rektor über 60, die Schülerzahl stieg von ca. 900 auf ca. 1400, das Budget der Schulen von ca. 370'000 auf 3'700’000 Franken. [14]

In seiner Zeit wurden die sogenannte Hilfs- und Werkschule, der Deutschunterricht für fremdsprachige Kinder, die Therapieangebote für Logopädie und Legasthenie geschaffen, bestehende Schulhäuser wurden erweitert und neue gebaut. Jedes Schulhaus erhielt einen Schulhausvorsteher oder eine Schulhausvorsteherin. Jakob Müller war auch Gründungspräsident und langjähriger Leiter von «Schule und Elternhaus» (anfänglich «Informationsteam Schule Eltern»). [15]

Sein Nachfolger im Amt des Rektors, Peter Steirer, charakterisiert Jakob Müller wie folgt: «Mit seiner positiven Einstellung zur Schule, seiner gewissenhaften Arbeit, seiner sprichwörtlichen Hilfsbereitschaft sowie seiner höflichen Zuvorkommenheit errang er die Achtung von Lehrern, Eltern und Behörden.» [16]


Anekdoten

Wer in den späten 1960er Jahren bei «Lehrer Müller» im Städtlischulhaus (heute Städtli 1) die 3. und 4. Primarklasse besuchte, hatte die Chance, viel mehr als nur Schüler zu sein. So stand in seinem Schulzimmer hinten rechts ein schwarzes Telefon. Ein Schüler aus unserer Klasse war Telefonist. Klingelte der Apparat, meldete er sich mit «Schulhaus Städtli» und seinem Namen und nahm das Anliegen entgegen. War es etwas Alltägliches wie die Bitte um einen Rückruf oder eine Information, machte er sich eine Notiz zu Handen von Lehrer Müller, war es etwas Dringliches, rief er Herrn Müller an den Apparat.

Als Präfekt war Jakob Müller für die ganze Korrespondenz der Chamer Schulen verantwortlich. Zwei seiner Schüler waren Postboten. Sie hatten die Aufgabe, Briefe auf die Post, die damals vis-à-vis des Restaurants Rabens war, oder ins Schulhaus Kirchbühl zu bringen. Bekam man morgens nach Unterrichtsbeginn einen solchen Auftrag, wusste man, dass nun ein langer Marsch bevorstand. Es galt im Vorbeigehen den Fischbestand in der Lorze zu prüfen, den Verkehr zu beobachten, auf besondere Vorkommnisse zu achten und zu schauen, ob eine Beerdigung stattfindet. So wusste man, vor der grossen Morgenpause konnte man beim besten Willen nicht zurück im Unterricht sein.

Sehr beindruckend war, dass Jakob Müller einen Stempel mit seiner Unterschrift besass. Verfasste er ein Dokument, das nicht amtlich war, setzte er sein Visum mit diesem Stempel. Das hat uns Kinder unheimlich beeindruckt: Lehrer Müller hat so viel zu tun, dass er zum Unterschreiben einen Stempel benutzen muss, um Zeit zu gewinnen. [17]


Dokumente

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Einzelnachweise

  1. Chomer Schuelbär 1/1991
  2. Zuger Nachrichten, 10.07.1978
  3. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 09.11.1955
  4. Hermann Steiner et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 157
  5. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 08.11.1961
  6. Müller, Jakob Müller, Die neue Orgel in der Pfarrkirche St. Jakob Cham, Hrsg. von der Katholischen Kirchgemeinde Cham-Hünenberg, Cham 1969
  7. Hermann Steiner et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 157
  8. http://sundecham.ch/data/documents/40-Jahre-Schule-und-Elternhaus-Cham.pdf [Stand: 04.10.2021]
  9. August Grolimund, langjähriger Schulpräsident
  10. Zuger Nachrichten, 10.07.1978. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 06.07.1978
  11. Müller, Jakob, «Chomer Schuelgschicht», Sonderausgabe des «Chomer Schuelbär» 2, 1984, S. 18
  12. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 157
  13. Chomer Schuelbär 1/1991
  14. Müller, Jakob, «Chomer Schuelgschicht», Sonderausgabe des «Chomer Schuelbär» 2, 1984, S. 18
  15. Chomer Schuelbär 1/1991
  16. Chomer Schuelbär 1/1991
  17. Erinnerungen von Thomas Fähndrich, Cham, in der 3. und 4. Primarklasse Schüler von Jakob Müller, verschriftlicht am 04.10.2021