Naville Raoul (1912–1999)

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Portrait von Naville Raoul (1912–1999)
Portrait von Raoul Naville (1912–1999)

Vorname: Raoul
Nachname: Naville
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 12. Juni 1912
Geburt­sort: Cham ZG
Todes­datum: 22. März 1999
Todes­ort: Zürich ZH
Beruf: Generaldirektor, Ingenieur, Unternehmer

Raoul Naville ist der älteste Sohn des «Papieri-Vaters» Robert Naville-Vogel. Er steigt in die Fussstapfen seines Vaters und wird ebenfalls Ingenieur. Er führt zeitweilig die Papierfabrik Cham als Generaldirektor, aber scheitert und wird abgesetzt, unter anderem von seinem eigenen Vater.



Raoul Naville mit seiner Ehefrau Marga, vor dem Hotel Bären in Cham, 1952
Raoul Naville mit seinem Patenkind Hanspeter Funk, undatiert (vor 1960)
Hochzeit im «Hammer»: Emy Naville gratuliert Beat Walpoth zur Hochzeit mit ihrer Enkelin Jacqueline.
Robert (1913–2006) (links) und Raoul Naville vor dem «Chalet», das wenige Jahre später zum «neuen Hammer» ausgebaut wurde. Dahinter der «alte Hammer»
Robert Naville-Vogel (1884–1970) mit seinen Söhnen Raoul (1912–1999) und Robert E. (1913–2006), undatiert (um 1915)
Robert Naville-Vogel (1884–1970) mit seinen Kindern Hortense (1910–1999), Robert E. (1913–2006) und Raoul (1912–1999), undatiert (um 1917)
Die Glasgemälde am Apsisfenster der Reformierten Kirche in Cham: Entworfen von Maler Albert Figel (1889–1954) aus München, ausgeführt von Glasmaler Franz Xaver Zettler (1841–1916) aus München, finanziert von Emy Naville-Vogel (1885–1981); ganz rechts die drei Kinder von Emy Naville-Vogel: Raoul (1912–1999), Hortense (1910–1999) und Robert E. (1913–2006) als Kleinkinder, 1915


Stationen

1912 Raoul Naville kommt am 12. Juni in Cham zur Welt. Er ist das zweite Kind und der älteste Sohn von Emy (1885–1981) und Robert Naville-Vogel (1884–1970). Sein Vater Robert Naville-Vogel führt während 50 Jahren die Papierfabrik Cham, während seine Mutter Emy das Leben auf dem herrschaftlichen Wohnsitz im Hammer organisiert. [1]

1915 Die Reformierten Kirche in Cham wird gebaut und der kleine Raoul wird darin verewigt: Auf dem kunstvollen Glasfenster steht ein Kleinkind mit den Gesichtszügen von Raoul neben Jesus. Das Bild kommt zustande, weil Emy Naville-Vogel das Glasbild ebenso wie einen Teil der Innenausstattung bezahlt. [2]

1932 Nach den Schulen studiert Raoul Naville Papieringenieur. Doch vorerst arbeitet er als Berater verschiedener anderer Papierfabriken. [3]

1945 Raoul Naville ist 33-jährig und heiratet Marga Wertheimer (1902–1998), die einst Sekretärin des Dichters Rainer Maria Rilke (1875–1926) gewesen war und über diese Zeit das Buch «Arbeitsstunden mit Rainer Maria Rilke» publiziert hat. Weil sie Jüdin und vor allem weil sie zehn Jahre älter ist als ihr Mann, ist Marga in der Familie Naville-Vogel kein gern gesehener Gast. [4]

1953 Es findet eine Annäherung zwischen Vater und Sohn statt: Raoul Navilles unbestreitbare Kenntnisse in der Papierindustrie werden für die Papierfabrik Cham verwendet, allerdings auf Distanz. Denn Raoul übernimmt die Geschäftsführung der deutschen Tochterfirma, der Papierfabrik Gemmrigheim. [5]

1961 Raouls Vater Robert Naville-Vogel ist jetzt 77 Jahre alt. Er will den Posten des Generaldirektors der Papierfabrik nach 49 Jahren abgeben und wählt seinen Sohn Raoul als Nachfolger aus. [6]

1964 Raoul Naville ist zu sehr Techniker, zu sehr Philosoph, als dass er dem rauen Arbeitsklima einer Papierfabrik standhalten kann. Anders als sein Vater ist er kein Führungstyp. «Er hatte für alle und alles Verständnis, was eine stringente Führung verunmöglichte.» [7] Er widmet sich lieber hochtrabenden Visionen statt dem Tagesgeschäft. So kommt es, dass sich viele Mitarbeiter noch immer mit ihren Anliegen an seinen Vater wenden und den neuen Generaldirektor umgehen. Raoul leidet darunter, auch gesundheitlich. Im November kommt es zu einer Aussprache zwischen Generaldirektion und Verwaltungsrat – und es führt zum Eklat: Raoul Naville wird als Generaldirektor abgesetzt, unter anderem von seinem eigenen Vater, der den Verwaltungsrat damals präsidiert. [8]

1972 Der gescheiterte Generaldirektor Raoul Naville lässt sich von Marga Wertheimer scheiden.

1973 Raoul Naville hat sich komplett aus der Papierfabrik zurückgezogen und heiratet ein zweites Mal, jetzt mit Dorothea Köhlich (1920–2001). [9] Seine neue Frau ist Modeschöpferin, die mit dem bekannten Modemacher Uli Richter (1926–2021) zusammengearbeitet und mit diesem eine Modefirma bis 1982 führt. [10] Raoul Naville lebt häufig in seiner zweiten Heimat, der französischen Provence, wo er der Kunstmalerei frönt und Hunderte von Landschaftsbildern erstellt. [11]

1999 Raoul Naville stirbt am 22. März im Alter von 87 Jahren in Zürich.


Würdigung

Raoul Naville litt unter seinem Vater Robert Naville-Vogel, der als Übervater die Papierfabrik Cham dominiert hatte und auch während Raouls Zeit noch immer prägte. Insofern hatte der begabte Ingenieur Raoul Naville keine echte Chance, um sich und seine Fähigkeiten als Papieringenieur beweisen zu können.


Einzelnachweise

  1. Zurfluh, Christoph, Hammer. Von der «Chupferstrecki» bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 104
  2. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 71
  3. Vgl. Anmerkung 2 (van Orsouw), S. 116
  4. Vgl. Anmerkung 2 (van Orsouw), S. 116
  5. Vgl. Anmerkung 2 (van Orsouw), S. 116
  6. Vgl. Anmerkung 2 (van Orsouw), S. 116
  7. Vgl. Anmerkung 2 (van Orsouw), S. 116
  8. Vgl. Anmerkung 2 (van Orsouw), S. 116
  9. Vgl. Anmerkung 2 (van Orsouw), S. 116
  10. Der Tagesspiegel, 11.09.2007
  11. Vgl. Anmerkung 1 (Zurfluh), S. 111