Frauenstimm- und wahlrecht

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Inserat aus der «Zugersee-Zeitung», 1959
Eine Frau inmitten von Männern in der Feuerwehr Cham: Mat-Verw Fw Franz Trottmann, Oblt Qm Paul Greber, Vize-Kommandant Hptm Jakob Baggenstos, Feuerratspräsidentin Susi Kuhn, Kommandant Maj Franz Abt, Feuerwehrarzt Dr. med. Urs Wiederkehr, Hptm Alois Bucher, Four Ruedi Leuenberger (von links nach rechts) bilden 1987 den Stab der Feuerwehr Cham
Susi Kuhn, in einer Aufnahme von 1987, als sie in den Gemeinderat gewählt wird
Die erste Chamer Kantonsrätin: Susi Frei-Schläpfer
Die erste Chamer Bürgerrätin: Imelda Wyss-Leuppi

Die Gemeinde Cham führte das Stimm- und Wahlrecht für Frauen auch erst 1971 ein. Bei den Abstimmungen für die Einführung der Frauenbeteiligung zeigte sich Cham im Zuger Durchschnitt. Bis die erste Frau in den Gemeinderat gewählt wurde, dauerte es nochmals 17 Jahre, bis ins Jahr 1987.


Chronologie

1951/52 Eine erste Frau in einer gemeindlichen Kommission in Cham: Gertrud Müller wirkt als Aktuarin der Lesestubenkommission. [1]

1957 Eine erste Frau als Präsidentin einer gemeindlichen Kommission: Berta Flury übernimmt den Vorsitz der Hauswirtschaftskommission.

1959 Am 1. Februar stimmt die Schweiz erstmals über die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen ab. Die Resultate in Cham und im Kanton Zug: In Cham stehen 239 Ja 821 Nein gegenüber, was einem Ja-Anteil von 22,5 Prozent entspricht. Im ganzen Kanton Zug stehen 2046 Ja gegen 6327 Nein, das ist ein Ja-Anteil von 24,4 Prozent (in der Schweiz beträgt der Ja-Stimmen-Anteil 31 Prozent). Demzufolge verhalten sich die Chamer Stimmbürger etwas konservativer als der Zuger Durchschnitt. [2]

1971 Am 5. Februar 1971 geht wiederum um die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen. Diesmal stimmen die Chamer zu 62,8 Prozent Ja (859 Ja gegen 508 Nein); im Kanton Zug beträgt der Ja-Anteil 62,4 Prozent (6987 Ja gegen 4199 Nein). [3] Cham ist damit eine der vier Gemeinden im Kanton Zug, die zur Einführung des Frauenstimmrechts Ja gestimmt haben (in der Schweiz beträgt der Ja-Stimmen-Anteil 66 Prozent).

Nun können am 28. Februar 1971 erstmals die Chamer Frauen ihr Wahlrecht ausüben, denn es steht die Ersatzwahl für den Gemeinderat an. Die Stimmbeteiligung der Frauen beträgt 65 Prozent und ist damit praktisch gleich hoch wie diejenige der Männer, was als Überraschung gewertet wird. Zuvor hatten Männer behauptet, dass sich Frauen gar nicht am politischen Leben beteiligen wollten. Doch die Frauen beteiligen sich nicht nur, sondern prägen auch die Entscheidungen. Nach dem ersten Wahlgang – als nur Männer abstimmen durften – lag der Kandidat der Liberalen vorn; nun aber gewinnt dank der weiblichen Beteiligung der Kandidat der Konservativen. Das «Zuger Tagblatt» vermutet den Einfluss der Klöster Heiligkreuz und Frauenthal, was wohl nicht von der Hand zu weisen ist. [4]

1973 Am 25. November 1973 wird bei den Erneuerungswahlen der katholischen Kirchgemeinde Cham-Hünenberg mit Marianne Kürner (*1933) erstmals eine Kirchenrätin gewählt. [5]

1987 Als erste Frau in den Gemeinderat wird Susi Kuhn-Gassmann (*1951) gewählt. Sie ist damals 35-jährig, Präsidentin der Chamer FDP und überflügelt bei der Wahl sogar den bisherigen FDP-Vertreter im Gemeinderat. Sie übernimmt die Sicherheitsabteilung mit Polizei, Feuerwehr (Feuerratspräsidentin), Zivilschutz und Friedhof. Als ehemalige Pfadfinderleiterin und Offizier der Schweizer Armee ist sie sich den Umgang mit hierarchischen Strukturen gewohnt und findet den richtigen Ton. [6]

Gleichzeitig wird Susi Frei-Schläpfer (1939–2009) in den Kantonsrat gewählt und ist damit die erste Frau aus Cham, die im Kantonsparlament politisiert. Sie bleibt bis 1994 im Kantonsrat. [7]

1998 Als erste Frau in den Bürgerrat wählen die Chamer Ortsbürgerinnen und -bürger Imelda Wyss-Leuppi (*1957). Sie bleibt bis 2013 im Bürgerrat. [8]


Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 121
  2. Siehe dazu auch Inserate in der Zugersee-Zeitung, 30.01.1959
  3. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 116
  4. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 116
  5. Zuger Kalender 1975, Chronik 25.11.1973
  6. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2008, S. 126f.
  7. Staatsarchiv Zug, PERAD
  8. Staatsarchiv Zug, PERAD