Dogwiler, Schmiede

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Die ehemalige Schmiede an der Schmiedstrasse mit Esse, Blasbalg und Werkzeugen
Zwei verschiedene Welten: In den 1980er-Jahren verkaufte die Firma Soundequipment Hi-Fi-Geräte in der ehemaligen Schmiede mit der Esse aus dem Jahr 1871
Ausschnitt aus dem Chorgitter der Pfarrkirche St. Jakob Cham; Kunstschmiedearbeit von Josef Gregor Dogwiler, 1918
Werkstatt von Wagner Zehnder (zweiter von links); Schmiedstrasse, vor 1930

Direkt neben der neuen Brücke und entlang der Lorze befand sich eine Art Gewerbezentrum: Die Familie Dogwiler hatte hier Schmiede, Fuhrhalterei, Wohnhaus, Magazin, Scheune, Kohlenlager und Garage auf engstem Raum zusammen. Geblieben ist der Name Schmiedstrasse, der an Dogwilers damalige Haupttätigkeit erinnert.


Chronologie

1786 Die Familie Dogwiler taucht in den Urkunden erstmals als Schmied von Cham auf.

1813 Die Dogwiler erstellen das repräsentative Wohn- und Zollhaus an der Schmiedstrasse 4. [1] Damals führt der Verkehr durch Cham über die Schmiedstrasse (die damals Schmiedgasse heisst).

1854 Die neue Bärenbrücke schneidet die Familie Dogwiler etwas vom Verkehrsstrom ab.

1872 Gleich neben der neuen Lorzenbrücke von 1854 erstellen die Dogwiler das Wohn- und Geschäftshaus Zugerstrasse 5 mit der eingebauten Schmiedewerkstatt. [2] Damit sind sie wieder mit der Schmiede direkt an der Verkehrsachse präsent. Die Schmiede betreibt Franz Josef Dogwiler-Amhof (1839–1909), der auch als Schützenmeister von Cham fungiert. [3] Das schmiedeiserne Balkon- und Treppengeländer der Liegenschaft ist eine kunstvolle Eigenproduktion und enthält die Initialen «F. D.» für Franz Dogwiler sowie die Symbole Hufeisen, Hammer und Zange als Zeichen der Schmiedekunst. [4]

1875/76 Entlang der Lorze entstehen diverse Nebengebäude der Schmiede (Schmiedstrasse 3/5/7). An der Schmiedstrasse 3 wirkt Wagner Alois Zehnder (1872–1967), der mit seiner Tätigkeit optimal die Dogwiler’sche Schmiede ergänzt.

1885 In der Familie Dogwiler übernehmen die Söhne Franz Josef (1864–1925) und Jakob Johannes (*1865) den väterlichen Betrieb, wobei sich Franz Josef um die Schmiede kümmert und Jakob um die Fuhrhalterei. [5] Der dritte Sohn, Josef Gregor (*1867), ist Schmied, Schlosser und Eichmeister und übt den Beruf im väterlichen Geschäft aus, bis er 1894 die Kupferschmiede an der Sinserstrasse kauft und damit den Grundstein für die spätere Autogarage Dogwiler legt. Seine Spezialität sind eiserne Kochherde, aber auch handwerklich hervorragende Kunstschlosserarbeiten, die er zum Beispiel am alten Gemeindehaus, am Spritzenhaus, am Schulhaus Kirchbüel und am Asyl ausführt. Auch das Chorgitter in der Pfarrkirche St. Jakob von 1918 stammt von ihm. [6]

1943 Franz Abt-Keusch (1906–1979) übernimmt die Liegenschaft Schmiedstrasse 3 von Wagner Alois Zehnder und richtet dort seine Schreinerei ein.

1948 Das Hauptgebäude an der Zugerstrasse 5 geht an Marie und Rudolf König-Dogwiler über, die einen Laden für Kolonialwaren und einen für Raucherwaren sowie im 1948 neu erstellen Anbau das Tearoom «Mokafé» führen.

1950 Das «Mokafé» feiert am 14. Dezember seine Eröffnung: «Sowohl das Aeussere wie das Innenräume präsentieren sehr vorteilhaft.» [7] Trudy König führt den Betrieb.

1974 Schreiner Franz Abt-Keusch, der bereits die Schmiedstrasse 3 besitzt, kauft auch noch die Strassenliegenschaft Zugerstrasse 5. [8]

1983 Franz Abt verkauft die Zugerstrasse 5, den Sitz der ehemaligen Schmiede, am 4. August an Jakob und Anita Baggenstos-Abt. [9]

2013/14 Nach gut 130 Jahren sind die Gebäude sanierungsbedürftig. Zudem wandeln sich die Ansprüche. Deshalb weichen die alten Gewerbebauten nun hochwertigen Wohnbauten. Seither bieten sieben Eigentumswohnungen und ebenso viele Reihenhäuser urbanes Wohnen mitten in Cham. Einzig der Name Schmiedstrasse erinnert an die frühere Tätigkeit an dieser Stelle. [10]


Anekdote

Schmied Josef Dogwiler galt als fleissiger Handwerker, den man selten in der Schmiedewerkstatt antraf: Dafür soll er stets mit Zange und schwerem Hammer von Wirtshaus zu Wirtshaus marschiert sein. [11]


Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 135
  2. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 154
  3. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 171
  4. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 171
  5. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 171
  6. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 171
  7. Zugersee-Zeitung, 07.12.1950
  8. Staatsarchiv Zug, Assekuranzregister der Gebäudeversicherung, Band IV
  9. Staatsarchiv Zug, Assekuranzregister der Gebäudeversicherung, Band IV
  10. Boschetti-Maradi, Adriano / Bolli, Markus, Cham, Schmiedstrasse 3, 5 und 7 sowie Zugerstrasse 5, Wohn- und Gewerbehäuser (Kurzdokumentation vor Abbruch und Aushubüberwachung), in: Tugium 31, 2015, S. 39f.
  11. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 159